Eine rosa Bank, die Mut macht
Im Seeburgpark Kreuzlingen steht jetzt ein rosa Bänkli und lädt zum Ausruhen und Reden ein.

Die rosa Bank ist kaum zu übersehen. Zwischen dem herbstlichen Grün des Seeburgparks leuchtet sie an diesem wolkenverhangenen Donnerstagnachmittag beinahe ein wenig trotzig hervor. Und tatsächlich: Sie ist bereits besetzt.
Als Annelies Debrunner vom Service-Club Soroptimist Kreuzlingen näherkommt, entdeckt sie darauf eine junge Mutter. Ein paar Meter weiter spielen deren Mann und die kleine Tochter Fussball. Annelies Debrunner freut sich sichtbar.
Genau so soll es sein. Die Bank soll kein Ausstellungsstück sein, sondern benutzt werden. Zum Sitzen, Zuschauen, Nachdenken – und vielleicht irgendwann auch zum Fragen.
Die engagierte Soroptimistin geht auf die Frau zu und erklärt ihr, weshalb ausgerechnet diese Parkbank rosarot gestrichen wurde. Die Besucherin hört interessiert zu. Aufgefallen sei ihr die aussergewöhnliche Farbe durchaus, sagt sie.
Welche Bedeutung dahintersteckt, habe sie allerdings nicht gewusst. Und schon ist erreicht, was die Soroptimistinnen mit der Aktion bezwecken wollen: ein Gespräch beginnt.
Farbtupfer für schweres Thema
Der Oktober gilt weltweit als Brustkrebsmonat. Organisationen nutzen ihn, um über Früherkennung, Behandlung und das Leben mit der Krankheit zu informieren. In der Schweiz erhalten derzeit jedes Jahr rund 6800 Frauen und etwa 60 Männer die Diagnose Brustkrebs.
Damit ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Zahlen, hinter denen sich immer auch Geschichten verbergen. Geschichten von Müttern, Partnerinnen, Freundinnen, Arbeitskolleginnen und Familien.
«Eigentlich kennt fast jeder jemanden, der mit Brustkrebs konfrontiert worden ist», sagt Debrunner. Auch in ihrem eigenen Umfeld habe sie erlebt, wie nah das Thema kommen könne. Und trotzdem werde darüber längst nicht so selbstverständlich gesprochen, wie es angesichts der vielen Betroffenen zu erwarten wäre.
Schweizweite Kampagne
Weshalb das so ist, lässt sich nicht einfach beantworten. Vielleicht, weil eine Krebsdiagnose Angst auslöst. Vielleicht, weil Brusterkrankungen einen sehr persönlichen Teil des Körpers betreffen.
Vielleicht auch, weil Betroffene im Alltag häufig versuchen, weiter zu funktionieren. Gerade deshalb soll die rosa Bank sichtbar sein.Die Kreuzlinger Bank ist Teil des schweizweiten Soroptimistinnen-Projekts «Emotionen in Rosa». Während der Projektperiode 2025 und 2026 wollen die Clubs auf Brustgesundheit, Prävention und Früherkennung aufmerksam machen.
In verschiedenen Schweizer Städten sind deshalb bereits rosa Sitzbänke entstanden. Sie sollen dauerhaft daran erinnern, über das Thema zu sprechen. Den Anstoss für die Umsetzung in Kreuzlingen gab Vorstandsmitglied Gabi Engelhard.
Die ursprüngliche Idee stammt aus dem Umfeld der Soroptimistinnen im Tessin und wurde anschliessend schweizweit aufgegriffen. Als der Kreuzlinger Club bei dem Kreuzlinger Stadtpräsident Thomas Niederberger anfragte, stiess das Vorhaben laut Debrunner sofort auf offene Ohren. Die Stadt stellte eine geeignete Bank zur Verfügung, der Werkhof half bei der Umsetzung und Maler Seydel übernahm die rosafarbene Gestaltung kostenlos.
So wurde aus einer Idee ein sichtbares Zeichen mitten im öffentlichen Raum.
Perfekte Standort
Dass die Bank ausgerechnet hier steht, ist für Debrunner kein Zufall. Von ihr aus schweift der Blick hinüber zu spielenden Kindern, zu Müttern und Vätern, die durch den Park spazieren. Das Leben findet unmittelbar davor statt.
Und trotzdem liegt die Bank etwas zurückversetzt. Genug, um für einen Moment für sich zu sein. «Vielleicht sitzt jemand hier mit einem guten Buch. Oder einfach, um einmal ein bisschen Zeit für sich zu haben», sagt sie.
Gerade dieser Gegensatz gefällt ihr: mitten im Trubel und dennoch mit etwas Abstand. Ein Ort, an dem man beobachten, nachdenken oder einfach schweigen kann. Inzwischen ist die junge Familie weitergezogen, Richtung Tierpark.
Debrunner wirft noch einen Blick auf die nun leere rosa Bank und macht sich ebenfalls bereit zu gehen. Da bleibt ein Mann stehen und spricht sie an. Was es denn mit dieser auffälligen Bank auf sich habe, möchte er wissen.
Anneliese Debrunner beginnt noch einmal zu erzählen. Vielleicht braucht es manchmal tatsächlich nicht mehr als einen kräftigen Farbtupfer im Park, damit ein Thema, über das sonst oft geschwiegen wird, plötzlich zur Sprache kommt.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Kreuzlinger Nachrichten» erschienen.






