Dieser Gipser gehört zur weltweiten Pizza-Elite!
Ein Gipser aus Tägerwilen ist einer der weltweit besten Pizzabäcker. So flog er an die Weltmeisterschaft.

Alessandro Carangelo aus Tägerwilen war Anfang Juni an der Weltmeisterschaft des Pizzaiuolo in Neapel. Der Gipser, der einst in der Publicbar Teller spülte, hat sich in wenigen Jahren in die internationale Pizzaszene gebacken.
Dass Alessandro Carangelo einmal mit gekühltem Teig im Handgepäck nach Neapel an die Pizza-WM fliegen würde, hätte er früher wohl selbst kaum geglaubt. Als er vor 13 Jahren in die Schweiz kam, arbeitete er als Gipser.
Ein Beruf mit Staub, Kraft, Genauigkeit und langen Tagen. Seine Hände waren schon immer sein Werkzeug. Nur war es damals noch kein Pizzateig, den sie formten.
In der Publicbar in Tägerwilen, welche seine Frau leitet, half er zunächst dort mit, wo Hilfe nötig war. Er spülte Teller, räumte Gläser weg, packte an. Seine Frau leitete das Lokal, er stand eher im Hintergrund.

Doch aus diesem Hintergrund heraus begann er zu beobachten. Er sah, wie Pizza entstand. Wie Teig gedehnt wurde. Wie Hände über Mehl glitten. Wie der Ofen Hitze abgab.
Wie Gäste still wurden, wenn die Pizza auf den Tisch kam. «Ich habe zugeschaut und irgendwann Feuer gefangen», sagt Carangelo. Während der Covid-Zeit wurde aus diesem Funken eine Leidenschaft.
Die ruhigeren Monate nutzte er, um Kurse zu besuchen und sich ernsthaft mit der Kunst der Pizza zu beschäftigen. Teigführung, Fermentation, Mehl, Temperatur, Backtechnik: Carangelo tauchte immer tiefer in die Materie ein.
Er lernte, dass Pizza nicht einfach Belag auf Teig ist. Pizza ist Geduld. Pizza ist Beobachtung. Pizza ist ein Handwerk, bei dem kleine Unterschiede grosse Wirkung haben. Also probierte er. Verwarf. Begann neu.
Änderte Mengen, Zeiten, Temperaturen. Er testete, wie lange ein Teig ruhen muss, wann er bereit ist, wie er sich anfühlt, wenn er gut ist. Mit der Zeit entwickelte er seine eigene Handschrift.
Schweizer- und Europameister
Der Durchbruch kam in der Schweiz. Bei der Coppa della Pizza 2026 in Giubiasco gewann Alessandro Carangelo für die Publicbar in Tägerwilen die Kategorie Pizza Contemporanea.
Aus dem Mann, der einst Teller und Gläser spülte, wurde ein Schweizer Sieger. Dieser Erfolg brachte ihn ins Galbani Swiss Team und damit auf die internationale Bühne.
Plötzlich war Tägerwilen nicht mehr nur der Ort, an dem er übte, testete und Gäste bekochte. Tägerwilen wurde zum Ausgangspunkt für Wettbewerbe, bei denen die besten Pizzaioli gegeneinander antreten.
Auch in Stuttgart machte Carangelo auf sich aufmerksam. Bei der Pizza Europa Liga 2026 erreichte er in der Kategorie Pizza Classica den zweiten Platz. In der Rubrik «fantasievolle Pizza» gewann er das Jahr zuvor den ersten Platz und wurde zum besten Fornaio, also bester Bäcker erkoren.

Gerade dieser Titel passt zu ihm. Denn Carangelo spricht über den Ofen und den Teig mit besonderem Respekt. Für ihn ist das Backen nicht der letzte Schritt, sondern der Moment, in dem sich zeigt, ob vorher alles richtig war.
Trotz der Erfolge bleibt er zurückhaltend. Er erzählt nicht wie jemand, der sich selbst feiern will. Eher wie jemand, der noch immer staunt, wohin ihn diese Leidenschaft getragen hat. «Damit rechnet man einfach nicht.»
Das Urteil der Gäste
Für Neapel wollte Alessandro Carangelo etwas anderes probieren. Keine Pizza, die man schon hundertmal gesehen hatte. Keine sichere Nummer. Er entschied sich für eine Kreation mit Zitrone.
Frisch, anders, eigenständig. Eine Pizza, die auffallen sollte, aber nicht laut. Sie sollte zeigen, dass er bereit ist, etwas zu wagen. Vor der Abreise testete er die Pizza in der Publicbar.
Nicht im stillen Kämmerlein, sondern dort, wo für ihn am Ende ohnehin alles entschieden wird: bei den Gästen. Sie sollten probieren. Sie sollten sagen, ob diese Pizza gut genug ist für die Weltmeisterschaft.
Das «Mmmmh» war Bestätigung genug. Und dann kam der Tag als das Paar nach Neapel flog. Wettbewerbe sind nicht romantisch. Sie sind laut, heiss und gnadenlos genau. Jeder Handgriff zählt. Es traten über 600 Pizzaioli aus vielen Ländern an.
Die Nervosität war gross, die Bedingungen mit einem Holz- statt Elektroofen herausfordernd. Der Perfektionist ist nicht ganz zufrieden mit sich.
Es reichte dieses Mal zwar nicht für einen Podestplatz, doch er ist um viele Erfahrungen und Begegnungen reicher. Und die beiden tüfteln bereits an neuen Pizza-Kreationen für die nächsten Wettkämpfe.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Kreuzlinger Nachrichten» erschienen.








