Die drei Leben des Kinofrühlings

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Bern,

Eine Architektin, ein Dramaturg, ein Liedermacher: Die Biografien von Barbara Buser, Kurt Hirschfeld und Walter Lietha haben wenig gemeinsam und sind doch alle miteinander verbunden. Drei Filme widmen sich dem Leben, der Vision und dem Werk dieser Menschen.

Der Frühling hat gleich drei biografische Dokumentarfilme zu bieten. Einer davon beleuchtet die Vision der Basler Architektin Barbara Buser. Sie rettet Gebäude vor dem Abriss.
Der Frühling hat gleich drei biografische Dokumentarfilme zu bieten. Einer davon beleuchtet die Vision der Basler Architektin Barbara Buser. Sie rettet Gebäude vor dem Abriss. - Handout/First Hand Films

Gleich drei biografische Dokumentarfilme beschert uns die Schweizer Filmszene derzeit. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, von der Machart her wie auch von der porträtierten Person, haben aber doch eines gemein: Sie zeigen anhand der Vergangenheit, wie wir unsere Zukunft gestalten könnten.

Das Renommee des Schauspielhauses Zürich, einst ein Zentrum des kulturellen Widerstandes gegen den Faschismus in Europa, beruht auf Künstlern im Exil während der Nazizeit, auf Stücken von Bertolt Brecht zum Beispiel oder der Schauspielerin Therese Giehse. Auch nach dem Krieg etablierte sich das Theater mit Stücken von Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt sowie modernen amerikanischen Autoren. Vergessen ging bei der ganzen ruhmreichen Geschichte gern, dass dies einem deutschen Juden zu verdanken ist: Regisseur und Dramaturg Kurt Hirschfeld (1902-1964).

Über die «Legende gibt es weder Bücher noch Filme», wie es im Dokumentarfilm von Stina Werenfels und Samir heisst. Es ist ein Lehrstück an einer biografischen Dokumentation: Vielschichtig, teils atemlos, teils in die Tiefe gehend, lernen wir Kurt Hirschfeld kennen. Über den Erzählungen schwebt abwechselnd ein Zauber von Nostalgie und der Schrecken der Nazizeit. Oder Alltägliches: Ruth Hirschfeld, seine Tochter, erinnert sich ans Schauspielhaus. Eine Fantasiewelt, sei es gewesen, aber nicht nur eine positive. Weil der Vater meistens die ganze Zeit im Theater gewesen sei.

Einst wurde er «aus dem Untergrund Berlins» nach Zürich ans Schauspielhaus – dem «Hort gegen den Nazismus» – geholt. Doch nach seinem Tod 1964 ging Hirschfeld fast vergessen. Der Film stösst – verdankenswerterweise – die Erinnerung an. Auf packende Art, die einer atemberaubenden Gründlichkeit bei der Recherche zugrunde liegt.

«Hirschfeld. Unbekannter Bekannter» kommt am 26. März in die Deutschschweizer Kinos.

In Tansania lernte Barbara Buser einst: «Es gibt keinen Abfall.» Es ist ein Lebensmotto geworden der preisgekrönten Basler Architektin, die vornehmlich Gebäude vor dem Abriss rettet und diese mit wiederverwendetem Material umbaut. Dieser leise, kluge Film beginnt in medias res, also auf einer Baustelle, genauer: dem Franck-Areal in Basel, das in den kommenden Jahren nachhaltig entwickelt und zu einem lebendigen Treffpunkt werden soll.

Buser führt durch die Hallen und Gebäude, wo unter anderem einst das Kaffeeersatzprodukt «Franck Aroma» hergestellt worden ist. Ehemalige Industrieareale zu verwandeln – eine Spezialität der weitgereisten Baslerin mit Jahrgang 1954. Dabei liegt der Schwerpunkt tatsächlich auf der «Verwandlung». «Mein Ziel ist es stets», sagt sie, «nicht zu bauen.» Sondern weiterzuverwenden. Zum Beispiel Wandtafeln, die jetzt allenthalben in Schulhäusern herausgerissen werden.

Ausgezeichnet mit allen wichtigen Architekturpreisen weltweit, ist sie auch immer wieder als Visionärin gefragt – bei Forschungszentren und an Technischen Hochschulen. Ihr Leben lässt sich vielleicht am ehesten vergleichen mit einer ihrer Baustellen: Auf den ersten Blick etwas chaotisch, auf den zweiten aber inspirierend und mit viel Schwung, Humor und Leichtigkeit ausgestattet. Genau wie dieser Film, der sich mit der Vergangenheit, der Gegenwart, und der Zukunft gleichermassen beschäftigt.

«Barbara Buser. Pionierin der Nachhaltigkeit» kommt am 16. April in die Deutschschweizer Kinos.

Dieser Cast kann sich sehen lassen: Corin Curschellas, Sophie Hunger, Stephan Eicher, Michael von der Heide, Max Lässer – das schillernde Who-is-Who der Schweizer Musikszene des ausgehenden Jahrhunderts findet zu einem Konzert in Altdorf zusammen. Mit dem Protagonisten des Anlasses, Dichter, Komponist, Sänger und Gitarrist Walter Lietha (*1950), der 2025 mit dem Bündner Kulturpreis ausgezeichnet worden ist.

So startet der Film, bei diesem Abend in der Innerschweiz, und rollt die Geschichte von Walter Lietha auf, gespiegelt unter anderem an seinen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern. Doch die Dokumentation von Stefan Haupt («Stiller», «Zwingli») ist mehr als eine Hommage, und schon gar keine, die in Nostalgie verharrt. Der Regisseur, den Walter Lietha übrigens zu Beginn der 80er-Jahre mit einer «klaren, hellen, eigenwilligen Stimme» faszinierte, wirft zwar einige Blicke auf jene Zeit, als Liethas Lieder ganze Generationen aufwühlten. Haupt beschäftigt sich aber genauso mit dem Heute: Was sind die Möglichkeiten von Poesie, Gesang und Protest? Walter Lietha, der in einer Szene an einem See aus seiner Jugend steht, würde es vielleicht so ausdrücken: «Die ganz Welt isch andersch. Aber do nit.»

«Walter Lietha. Drum sing i grad drum» kommt am 16. April in die Deutschschweizer Kinos.

*Dieser Text von Nina Kobelt, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.

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