Deshalb tragen Flugbegleiterinnen fast immer ein Halstuch
Kaum ein Uniformdetail ist so präsent wie das Halstuch der Flugbegleiterinnen. Doch warum gehört es bis heute zum Erscheinungsbild vieler Airlines?

Das Wichtigste in Kürze
- Das Halstuch gehört bei Flugbegleiterinnen nahezu immer zur täglichen Uniform.
- Früher diente das Tuch einem funktionalen Zweck, beispielsweise gegen Zugluft.
- Mittlerweile steht die symbolische Ebene im Vordergrund, es dient als Stilmittel.
Es ist eines dieser Details, die man auf Flugreisen tausendfach gesehen hat, ohne je wirklich darüber nachzudenken.
Beim Einsteigen noch ein flüchtiger Blick auf die Bordkarte, um die Sitzplatznummer zu checken. Dann das freundliche Lächeln an der Tür.
Und da ist es wieder: Das Halstuch.

Mal streng gebunden, mal locker geschwungen, farblich perfekt auf die Uniform abgestimmt.
Es gehört offenbar genauso zum Bild wie das Namensschild oder die perfekt frisierten Haare.
Doch warum eigentlich? Weshalb tragen Flugbegleiterinnen dieses kleine Stück Stoff so auffallend häufig – quer durch Kontinente, Kulturen und Airlines?
Ist es reine Ästhetik, Tradition, Zufall? Oder steckt mehr dahinter?
Wir haben bei einem Insider nachgefragt.
Funktion im Wandel
Eine eindeutige Antwort auf die Frage nach der ursprünglichen Funktion des Halstuchs gibt es nicht. «Historisch lässt sich das nicht klar einordnen», sagt Steve Broghammer, Kommunikationschef der Kabinengewerkschaft Kapers, gegenüber Travelnews.
Vieles spreche dafür, dass das Halstuch von Beginn an vor allem als bewusst eingesetztes Accessoire gedacht war. Vergleichbar mit der Krawatte beim männlichen Kabinenpersonal.
Borhammer: «Es diente der Gestaltung des Erscheinungsbildes. So war es Teil eines einheitlichen Uniform- und Markenauftritts, mit dem Airlines Identität und Wiedererkennbarkeit schufen.»
Ganz frei von praktischen Überlegungen war das Halstuch allerdings nie.
In früheren Zeiten waren die Kabinen oft kühler als heute und der Bordservice körperlich deutlich anspruchsvoller. Damals erfüllte das Halstuch durchaus auch funktionale Zwecke: Schutz vor Zugluft, ein zusätzlicher Wärmespender oder ein hygienisches Hilfsmittel im Arbeitsalltag.
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Heute hingegen steht die symbolische Ebene klar im Vordergrund. Gemäss Kapers ist das Halstuch bei vielen Airlines weiterhin fester Bestandteil der Uniform, wird jedoch überwiegend als Designelement verstanden. Es transportiert Markenwerte, Farben und den visuellen Charakter einer Airline.
Ob Foulard oder Halstuch vorgesehen sind, hängt stark vom Stilkonzept ab: Klassisch, modern oder bewusst reduziert.
Bei manchen Gesellschaften ist das Tuch Pflicht, bei anderen optional – oder ganz verschwunden. Teilweise dürfen Flugbegleiterinnen selbst entscheiden, ob und wie sie es tragen.
Halstuch ist für Männer tabu
Auffällig bleibt jedoch der geschlechterspezifische Charakter. Zwar wurde Frauen in den vergangenen Jahren bei einigen Airlines ermöglicht, alternativ eine Krawatte zu tragen.
Umgekehrt ist es männlichen Flugbegleitern bislang meist nicht erlaubt, ein Halstuch zu tragen – zumindest bei Schweizer Airlines.
«Das Halstuch bleibt damit ein klar weiblich konnotiertes Accessoire», so Broghammer. Kapers setze sich deshalb dafür ein, Uniformbestandteile langfristig geschlechterunabhängig nutzbar zu machen.
Auch regional zeigen sich Unterschiede. In manchen Weltgegenden ist das Halstuch stärker formalisiert, teils sogar mit Kopfbedeckungen kombiniert. Anderswo wird es locker als modisches Detail eingesetzt.
Kulturelle Erwartungen, regionale Normen und der Umgang mit genderneutralen Uniformen spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Das kleine Stück Stoff erzählt damit mehr über Luftfahrt, Markenidentitäten und gesellschaftliche Rollenbilder, als man vermuten würde.
Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst auf «Travelnews.ch» publiziert.













