Den Kantonen fehlen noch hunderte Lehrpersonen

Aaron Studer
Aaron Studer

Obwalden,

Es ist kurz vor Ferienbeginn und in vielen Kantonen werden für das neue Schuljahr noch Lehrer gesucht. Aber: Insgesamt hat sich die Situation verbessert.

Mangel
Das Thema Lehrpersonen-Mangel betrifft alle Kantone. Manche mehr und manche weniger. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Sommerferien stehen kurz bevor – fürs neue Schuljahr sind aber noch nicht alle Stellen besetzt.
  • Aargau und Zürich suchen händeringend nach Heilpädagoginnen und Heilpädagogen.
  • Es sind aber weniger Stellen offen als im Vorjahr – etwa im Kanton Zürich.

Auch wenn nicht in allen Kantonen gleichzeitig: Bald beginnen für die Schülerinnen und Schüler die Sommerferien.

Was so gut wie jeden Kanton zurzeit noch beschäftigt, ist die Suche nach gut ausgebildetem Lehrpersonal für das neue Schuljahr.

Fünf Kantone liefern auf Anfrage von Nau.ch exakte Zahlen: In Basel-Land sind aktuell 53 Stellen noch zu besetzen. Der Kanton Bern spricht von 145 offenen Stellen im Bildungswesen und Zürich sogar von 280.

Im Aargau sind noch 194 Stellen ausgeschrieben – in Luzern 86 Stellen. In den fünf Kantonen sind also insgesamt noch 756 Lehrerinnen- und Lehrer-Jobs unbesetzt.

Statistik
Die Statistik des Kantons Zürich zeigt die Anzahl offener Stellen nach Stufen. Diese wird jeden Montag aktualisiert. - Kanton Zürich

Was fast alle angefragten Kantone gemeinsam haben: Es sind weniger offene Stellen zu besetzen als im vergangenen Jahr. Die Gesamtanzahl sinkt. Der Kanton Zürich spricht von «keinem Mangel mehr für Regellehrpersonen».

So kommt es im bevölkerungsstärksten Kanton der Schweiz zu einer Änderung: «Damit wird auch die Möglichkeit, Personen ohne Zulassung zum Schuldienst befristet für ein Jahr als Lehrpersonen einzusetzen, aufgehoben.»

Auch der Kanton Basel-Stadt spricht nicht von Lehrpersonenmangel. Im Gegenteil: «Die Personalsituation ist nicht angespannt. Auch im vergangenen Jahr konnten sämtliche offenen Stellen besetzt werden.»

Es fehlen Heilpädagogen

Dennoch: Viele Lehrer aus der Baby-Boomer-Generation gehen langsam in Rente. Dazu kommen immer mehr Anmeldungen neuer Schüler.

Gleichzeitig verweilt ein erheblicher Teil neuer Lehrpersonen nicht lange im Beruf oder reduziert das Pensum.

Könntest du dir vorstellen, als Lehrerin oder Lehrer zu arbeiten?

Die daraus entstehenden Vakanzen bekämpft etwa der Kanton Luzern einerseits durch «Attraktivierung des Lehrberufs durch Fachkarrieren und Coaching beim Berufseinstieg». Andererseits gebe es ein hohes Interesse an den Lehrberufen selbst – die PH Luzern vermeldet Rekord-Einschreibezahlen.

Aus dem Aargau heisst es: Es werde «weiterhin Bemühungen brauchen, um für alle Lektionen und Fächer genügend Lehrpersonen mit entsprechender Qualifikation zu haben.»

Bei den Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sprechen sowohl der Kanton Zürich als auch der Kanton Aargau konkret von einem Mangel. Die getroffenen Massnahmen, diese Lücken zu füllen, zeigten nur langsam Wirkung.

Personalmangel zeigt Grad der Handlungsbereitschaft

Zusammengefasst: Die Situation hat sich beruhigt. Trotzdem werden wenige Wochen vor Beginn des neuen Schuljahrs noch immer hunderte Lehrpersonen und Heilpädagogen gesucht.

Rüdiger Maas, Generationenforscher und Psychologe, sagt gegenüber Nau.ch: Es sei wichtig zu verstehen, dass ein Lehrermangel aufgrund des Zusammenspiels von gesellschaftlichen, demografischen und bildungspolitischen Faktoren zustande komme.

«Hinzu kommen laut Lehrern ein immer höherer administrativer Aufwand, immer heterogenere Klassen, steigende Erwartungen von Eltern und Gesellschaft.»

Maas
Rüdiger Maas, Institut für Generationenforschung in Augsburg (D). - www.rüdigermaas.de

Fehle es an Lehrpersonal, könne das somit auch als Warnung verstanden werden. Daher empfiehlt der Experte «ein beherzteres, zeitnahes Umdenken und Unterstützen der Lehrer, des Schulbetriebs seitens der Regierung und Gesellschaft».

Da die Bildung in der Schweiz nach wie vor einen hohen Stellenwert geniesst, müsse man in diese Ressource investieren. Und die Thematik ernst nehmen.

Denn ein Personal-Mangel sei immer ein Spiegel dafür, wie stark eine Gesellschaft bereit ist, zu handeln.

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Kommentare

User #2036 (nicht angemeldet)

Keine Kinder aber es braucht mehr Lehrer als 1980. Komisch oder nicht?

User #5705 (nicht angemeldet)

Mit diesem Schulsystem und diesen verrückten Helikopter Eltern will niemand mehr Lehrer werden

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