Ab 26 Grad: Lehrer schlagen wegen Hitze Alarm!
Die Schweiz schwitzt – und damit auch die Schüler. Der Lehrerverband fordert verbindliche Grenzwerte und warnt: Überhitzte Klassenzimmer schaden der Gesundheit.

Das Wichtigste in Kürze
- Lehrer fordern einen Grenzwert von 26 °C in Schulräumen für den regulären Unterricht.
- Messungen zeigen: In Baselländer Schulen wurden 2023 nachmittags bis zu 42 °C gemessen.
- Bund & Kantone sollen Schulhaussanierungen mit zweckgebundenen Fördermitteln unterstützen.
Über die Pfingsttage überstieg das Thermometer mancherorts die 30-Grad-Marke. Laut SRF-Meteorologe Simon Eschle ist das aussergewöhnlich – sowohl was die Intensität als auch die Dauer betrifft: Mehrere Messstationen verzeichneten nämlich gleich mehrere Hitzetage in Folge.
Noch bis Samstag soll es ausserdem so weitergehen.
Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer der Schweiz (LCH) reagiert auf die Hitzewelle mit einem Appell. In einem am Dienstag veröffentlichten Positionspapier fordert der Verband einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Hitze an Schulen.
Konkret wird ein verbindlicher Grenzwert von 26 Grad Celsius in Schulzimmern gefordert– und nationale Mindeststandards, die bisher fehlen.
Bis 42 Grad im Klassenzimmer
Wie ernst die Lage ist, belegen Messungen aus der Praxis. Im Sommer 2023 mass der Lehrpersonenverband Baselland an 38 Schulen: Am Mittag lagen die Durchschnittstemperaturen bereits bei 30, teils bei 36 Grad. Nachmittags wurden Spitzenwerte von bis zu 42 Grad erreicht.
Das Bundesamt für Umwelt stellte in einem Pilotprojekt in Montreux und Locarno fest, dass in allen untersuchten Gebäudetypen wegen mangelnder Beschattung zeitweise über 26 Grad erreicht wurden.
Solche Temperaturen sind kein blosses Komfortproblem. Studien zeigen, dass ab 26 Grad die Konzentration der Schülerinnen und Schüler messbar nachlässt.
In Befragungen gaben über 94 Prozent der Lernenden an, sich bei Hitze schläfrig und unkonzentriert zu fühlen. Kinder sind dabei besonders gefährdet: Sie nehmen Hitzestress oft erst spät wahr und schwitzen weniger effizient als Erwachsene.
Drei-Stufen-Plan statt Chaos
Der LCH fordert deshalb einen schweizweiten Stufenplan. Bis 26 Grad soll regulärer Unterricht mit vorbeugenden Massnahmen stattfinden. Zwischen 26 und 30 Grad sollen anstrengende Aktivitäten in kühlere Zeiten verlegt werden.

Ab 30 Grad soll der reguläre Unterricht eingestellt werden. «Hitzefrei» im Sinne eines Heimschickens ist in der Schweiz seit 2003 nicht mehr möglich – alle Kantone haben diese Regelung abgeschafft. Schulen stehen seither in der Obhutspflicht.
Sanierungsstau als Risikofaktor
Viele Schulgebäude sind baulich schlecht gerüstet. Fehlende Aussenbeschattung, grosse Glasflächen und Leichtbaukonstruktionen heizen sich am Vormittag rasch auf und kühlen nachts kaum ab.
Ein Beispiel aus dem Kanton Zürich: Die Schule Allmend in Horgen musste 2025 für 450'000 Franken nachgerüstet werden, weil die Temperaturen im Sommer regelmässig über 30 Grad stiegen – obwohl der Neubau erst vier Jahre alt war.

Der LCH setzt auf das Prinzip «passiv vor aktiv»: Beschattung, Nachtauskühlung und Begrünung sollen Vorrang haben. Wo das nicht reicht, soll aktive Kühlung mit erneuerbarem Strom möglich sein. Finanziert werden soll das durch zweckgebundene Förderprogramme der Kantone.
Ob der Sommer 2026 generell heiss wird, lasse sich noch nicht sagen, so Meteorologe Eschle. Klar sei aber: Die Schweiz starte bereits jetzt mit einem Regendefizit in die wärmere Jahreszeit.








