Comiczeichner Cosey über die Sturzflut in Nepal

Keystone-SDA
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Lausanne,

Der Schweizer Comiczeichner Cosey hat in seinen Bänden den Himalaya zu seiner Abenteuerwelt gemacht. Nach der Sturzflut in Nepal und Tibet vom 26. August sagt er, er habe Anzeichen für eine zunehmende Instabilität der Berge erlebt.

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Der Schweizer Comiczeichner Cosey hat in seinen Bänden den Himalaya zu seiner Abenteuerwelt gemacht. (Archivbild) - keystone

Die Katastrophe, die durch einen Eis- und Gesteinssturz im Himalaya ausgelöst wurde, hat nach Angaben von Nachrichtenagenturen mindestens 1400 Todesopfer gefordert. Mehr als 6000 Menschen werden noch vermisst.

Der Comiczeichner Cosey lässt vieles von seinen eigenen Aufenthalten in der Region und von Personen, denen er dort begegnet ist, in seine Geschichten einfliessen. Die Katastrophe sei für ihn «eigentlich keine Überraschung», sagt er gegenüber Keystone-SDA, der das Gebiet zwischen Tibet und Nepal zuletzt 2019 bereiste. Im Osten Tibets hatte er selber Erdrutsche und eingestürzte Strassen gesehen.

Der 1950 in Lausanne geborene Cosey, bürgerlich Bernard Cosendai, schuf 1975 die Figur Jonathan und die gleichnamige Comicserie für die belgische Zeitschrift «Tintin». Der Held, ein junger Schweizer aus den Waadtländer Alpen, erkundet die Berge des Himalaya in Abenteuern, die den Comiczeichner bald einmal bekannt machen. Ein Jahr später, 1976, reist Cosey selber zum ersten Mal in die Hochgebirgsregionen.

Während seiner Aufenthalte über die Jahre habe er die Anzeichen des Klimawandels festgestellt, insbesondere das Auftauen des Permafrostbodens, was die Hänge destabilisiert. «Es kommt zu immer mehr Steinschlägen, die Bergstrassen stürzen ein oder werden weggespült», so seine Beobachtung.

Der Zeichner erinnert sich auch an seine Aufenthalte in Ladakh, das erste Mal 1976, dann kehrte er 2017 dorthin zurück. Hier habe vor allem ein gesellschaftlicher Wandel stattgefunden, der mit der Entwicklung des Tourismus einherging. Zur Zeit seines ersten Besuchs, sei er dort nur zwei oder drei Reisenden begegnet.

Seine Sicht auf die Berge ist stark vom Alltag in den Waadtländer Alpen geprägt, wo er zu Hause ist. Wie er erzählt, beobachtet er den Rückgang des Trient- und des Diablerets-Gletschers genau. Auf ein mögliches ökologisches Engagement angesprochen, hält er zwar wenig von politischen Stempeln, betont aber: Naturverbundenheit und Respekt vor der Umwelt liegen letztlich im eigenen Interesse des Menschen.

Tibet kommt in Coseys Comics wiederholt vor, wobei er zwischen gelebter Erfahrung und Fiktion unterscheidet. Als Schweizer habe er schliesslich nicht unter der chinesischen Herrschaft gelitten. Er sagt jedoch, er sei Zeuge des Leids gewesen: «Tibet ist ein besetztes Land.»

Das thematisiert Cosey auch in «Der die Flüsse zum Meer gleitet» («Celui qui mène les fleuves à la mer»), mit dem er 1997 nach langjähriger Pause seinen Helden Jonathan wieder aufnimmt. Inspiriert von Menschen, denen er auf seinen Reisen nach Tibet begegnet ist, erzählt dieser zwölfte Band der «Jonathan»-Reihe vom Schicksal der Tibeterinnen und Tibeter und prangert die chinesische Besatzung an.

Derzeit arbeitet der Comiczeichner an einem neuen Band, der für 2028 geplant ist und rund 90 Seiten umfassen soll. Die Recherche, das Szenario, die Zeichnungen und die Kolorierung übernimmt er selbst. Auch die Berge werden darin eine wichtige Rolle spielen. Nachdem er einen grossen Teil seiner Karriere der Serie «Jonathan» gewidmet hat, konzentriert er sich inzwischen vor allem auf eigenständige Geschichten. Für seinen nächsten Comic kündigt er darum ein «völlig anderes» Werk an.

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