ChatGPT hat jetzt Werbung – Experte: «Potenzial gewaltig»
ChatGPT-Betreiber OpenAI hat diese Woche mit dem Werbegeschäft für den Schweizer Markt gestartet. Vorerst noch ohne personalisierte Anzeigen. Was das bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze
- OpenAI will mit Werbung die hohen Betriebskosten von ChatGPT finanzieren.
- Ein Marketingexperte sieht ein enormes Werbepotenzial, da ChatGPT den Gesprächskontext kennt.
- Anzeigen könnten allerdings auch das Vertrauen in ChatGPT gefährden.
Seit Montag zeigt ChatGPT Schweizer Nutzerinnen und Nutzern Werbung an. Anzeigen erhalten jene, die den Chatbot gratis nutzen.
Doch auch wer sieben Franken für das «Go»-Abo zahlt, bekommt Werbung. Nur wer 20 Franken und mehr ausgibt, wird verschont.
Die Motivation hinter der Einführung liegt auf der Hand: OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, braucht Geld.
Nur Minderheit zahlt für KI-Programme
Denn: Bislang zahlen nur fünf Prozent aller weitweiten User für ein Abo. Bis zum Jahr 2030 sollen es laut OpenAI 8,5 Prozent sein.
Doch damit lassen sich noch keine Gewinne schreiben.
Der KI-Betrieb verursacht enorme Kosten. Geleakte Dokumente, verifiziert von der «Financial Times», zeigen für das vergangene Jahr einen Verlust von rund 21 Milliarden Dollar.

Marketing-Experte Felix Murbach erstaunt der Schritt, jetzt Werbung zu schalten daher «überhaupt nicht», wie er Nau.ch sagt.
Er prophezeit: «An die Werbung werden sich viele vermutlich rasch gewöhnen.»
Doch Gewöhnung bedeute noch nicht Akzeptanz. Besonders heikel sei die Werbung für zahlende Kunden.
«Wer bereits bezahlt, erwartet eine ungestörte Nutzung«, erklärt er. «Müssen Nutzerinnen und Nutzer gleichzeitig bezahlen und Werbung akzeptieren, entsteht schnell das Gefühl, doppelt zur Kasse gebeten zu werden.»
Kaum ein anderer kennt das Schweizer Werbegeschäft so gut wie Murbach. Der Marketing-Experte bezeichnet das Potenzial für Inserenten auf der KI-Plattform als «gewaltig.»
Werbung erscheint bei ChatGPT im richtigen Moment
Denn: «ChatGPT kennt nicht nur den Suchbegriff, sondern den gesamten Gesprächskontext – vom Problem über persönliche Bedürfnisse bis zur möglichen Kaufabsicht.»
Werbung könne also genau im Moment der Kaufentscheidung erscheinen.

Murbach bringt es auf den Punkt. «Für Werbetreibende öffnet sich eine neue Dimension. Mit Blick auf die Privatsphäre möglicherweise die ‹Büchse der Pandora›.»
Schliesslich sprächen Menschen mit ChatGPT über sensible Themen wie Gesundheit, Beziehungen, Finanzen oder berufliche Probleme.
«Werbung wird hier somit innerhalb eines sehr persönlichen Dialogs platziert», so der Experte. «Und genau deshalb gelten besonders hohe Anforderungen an Transparenz und Datenschutz.»
Keine personalisierten Anzeigen in der Schweiz
In der Schweiz und im Europäischen Wirtschaftsraum gibt es bei ChatGPT bislang keine Personalisierung für die Werbung. Noch.
In den USA testet OpenAI bereits massgeschneiderte Anzeigen.
Zudem verspricht der Techriese in einem Blogeintrag: «Wir teilen deine Gespräche mit ChatGPT nicht mit Werbetreibenden und verkaufen deine Daten niemals an sie.»
Auch Google und Facebook machen dieses Versprechen. Die Unternehmen nutzen diese Daten aber, um Werbung punktgenau auszuspielen.
Marketing-Experte Felix Murbach sieht die grösste Gefahr bei den Anzeigen auf ChatGPT nicht in der Werbung selbst. «Sondern im möglichen Verlust von Vertrauen.»
Werbung soll Antworten nicht beeinflussen
Denn: «Sobald Nutzerinnen und Nutzer den Eindruck erhalten, eine Antwort könnte durch kommerzielle Interessen beeinflusst sein, verliert ChatGPT einen wesentlichen Teil seiner Glaubwürdigkeit.»
OpenAI selbst beteuert in einem Blogeintrag: «Anzeigen beeinflussen die Antworten von ChatGPT nicht.»
Die Anzeigen seien vom Chat-Modell getrennt und erschienen abgetrennt. «Werbetreibende haben keinerlei Möglichkeit, die Antworten von ChatGPT zu beeinflussen, zu bewerten oder zu ändern.»
Dieses Versprechen muss die Firma erst noch einlösen.











