Bodensee: Deutsche und Schweizer Seite zoffen sich um Schifffahrt
Auf dem Bodensee stürmt es aktuell zwischen der deutschen und der schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft. Die Politik versucht, den Streit zu schlichten.

Das Wichtigste in Kürze
- Seit 2026 darf die schweizerische Bodensee-Schifffahrt in Konstanz nicht mehr anlegen.
- Streit gibt es auch um eine ehemalige Autofähre, die nun als Partyschiff genutzt wird.
- Eine internationale Arbeitsgruppe soll den Streit nun schlichten.
Länderübergreifende Einigkeit am Bodensee? Fehlanzeige!
Während Firmen und Verbände rund um den Bodensee normalerweise Harmonie propagieren, streiten sich zwei Unternehmen aktuell gehörig.
Auf der einen Seite die deutsche Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB), auf der anderen die schweizerische Bodensee-Schifffahrt (SBS).
Wer mit dem Schweizer Schifffahrtsbetrieb nach Konstanz reisen will, wird seit Beginn dieses Jahres enttäuscht.
«Die BSB wollten nie, dass wir in Konstanz anlegen. Jetzt haben sie gewonnen», sagte der SBS-Verwaltungsratspräsident und -Geschäftsführer Benno Gmür kürzlich der «Thurgauer Zeitung».
Dies, so scheint es, ist die Reaktion des deutschen Betriebes auf die Kündigung einer Vereinbarung, die bis 2023 galt. Sie beinhaltete, dass die SBS kostenfrei auch BSB-Passagiere transportiert und umgekehrt.
«Gab ein Ungleichgewicht»
Das Problem: «Wir haben deutlich mehr BSB-Passagiere gratis mitgenommen als umgekehrt. Es gab ein Ungleichgewicht», sagt Gmür gegenüber der «NZZ».
Darum habe sein Unternehmen die Vereinbarung gekündigt.
Selbst Passagiere vom anderen Seeufer verstehen diesen Entscheid. Gegenüber SRF sagt Monika Sonntag aus der deutschen Gemeinde Hegnau am Bodensee: «Es kann nicht sein, dass die SBS die Fahrgäste mitnimmt mit den deutschen Tickets und nichts davon bekommt.»
Deutsche und Ösis spannen zusammen
Ein weiterer Streitpunkt: Das deutsche Schifffahrtsunternehmen lancierte vergangenen Herbst gemeinsam mit Österreichs «Vorarlberg Lines» einen «See-Pass». Ohne das Wissen der schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft.
Doch nicht nur die Schweiz jammert. Die Deutschen kritisieren die Schweizer bezüglich der Autofähre «Eurega», die sie lange gemeinsam betrieben haben. Die schweizerische SBS hat das reparaturbedürftige Schiff übernommen und wollte es ursprünglich gastronomisch nutzen, verwendet es nun aber als Partyschiff.
Die deutsche BSB sieht darin einen Vertragsbruch. Der Schweizer SBS-Chef dagegen tut die Vorwürfe als übertrieben ab und findet den Konflikt kindisch.
Politik soll schlichten
Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Parlamentariern aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein, soll nun schlichten.
Im Februar gab es das erste Treffen, Ende Mai sollen erste Massnahmen zum Tragen kommen.
René Walther, der Stadtpräsident von Arbon TG, ist ebenfalls Teil der Arbeitsgruppe. Gegenüber SRF sagt er: «Unser Anliegen ist wirklich, dass wir mal die drei Gesellschaften oder sogar vier Gesellschaften am Bodensee an einen Tisch bringen.»
Ziel sei es, den Kern der Probleme zu finden. Dort soll schliesslich angesetzt und Verbesserungen herbeigeführt werden, so Walther.





















