Biss in Balsthal SO: Hier triffst du am ehesten eine Giftschlange an
Ein Kletterer (35) wird in Balsthal SO gebissen und muss mit der Rega ins Spital. Eine Karte zeigt, wo es in der Schweiz am meisten Gift-Schlangen gibt.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Schweiz gibt es zwei giftige Schlangen-Arten: die Aspisviper und die Kreuzotter.
- Ein Kletterer ist kürzlich bei Balsthal SO gebissen worden, es war wohl eine Aspisviper.
- Giftschlangen gibt es im Mittelland kaum, ihre Haupt-Verbreitung ist an sonnigen Jura-Hängen und in den Alpen.
- Ein wichtiger Hinweis: Ist eine Schlange länger als 90 Zentimeter, ist sie harmlos.
Ein 35-Jähriger wird nach einem Kletter-Ausflug in Balsthal SO mit der Rega ins Spital geflogen. Grund dafür ist aber nicht etwa ein Sturz. Der Mann wurde von einer Gift-Schlange gebissen!
Bei der Schlange handelt es sich wohl um eine Aspisviper. Neben der Kreuzotter die zweite giftige Schlange, die in der Schweiz heimisch ist.
Jeder fünfte Schlangen-Biss braucht Gegengift
Die Hand des Kletterers ist nach dem Biss rasch angeschwollen. Im Berner Inselspital angekommen, wurde ihm ein passendes Gegengift (Antivenine) verabreicht. Dies in Absprache mit dem Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum (Tox Info).
«In der Schweiz sind Antivenine gut verfügbar», sagen die Experten von Tox Info zu Nau.ch. «Sie werden nur bei jedem fünften Schlangenbiss im Spital eingesetzt. Ein Schlangenbiss ist dank der heutigen medizinischen Versorgung gut behandelbar.»
Dass ein Biss einer Gift-Schlange in der Schweiz ganz böse endete, ist Ewigkeiten her. «Der letzte Todesfall nach einem Giftschlangenbiss wurde in der Schweiz in den 1960er Jahren registriert.»
Wie bei Insektenstichen können vor allem allergische Reaktionen lebensbedrohlich werden.
Hier leben Schweizer Gift-Schlangen
Schlangen kommen in der ganzen Schweiz vor. Die beiden einheimischen Gift-Schlangen Aspisviper und Kreuzotter fehlen aber im Mittelland fast vollständig.
Ihre Haupt-Verbreitung: An sonnigen Hanglagen im Jura und in den Alpen. Die Gift-Schlangen sind zunehmend selten, regional vom Aussterben bedroht. Lokal können beide Arten aber noch recht häufig sein.
Die untenstehende Karte zeigt, wo in der Schweiz man mit welchen Gift-Schlangen rechnen muss.

«Die Begegnung mit einer Giftschlange ist daher auch heute noch ein Ereignis, von dem alle betroffen sein können, die in der Natur arbeiten oder unterwegs sind», so Tox Info.
Schweizer Schlangen über 90 Zentimeter sind harmlos
Gift-Schlangen zu erkennen, ist optisch für Laien ziemlich schwierig. Kreuzotter und Aspisviper besitzen etwa eine Spaltpupille, die ungiftigen Nattern eine runde.

Ein Hinweis: Alle einheimischen Schlangen mit einer Gesamtlänge von über 90 Zentimeter sind mit Sicherheit harmlos. Aspisviper und Kreuzotter bleiben in jedem Fall kleiner.
Wo genau gilt bei Freizeit-Aktivitäten besondere Vorsicht? «Man sollte sicher an Orten, die heiss sein können und viele Steine haben, gut aufpassen. Zudem ist es wichtig, gutes Schuhwerk zu tragen.»

Schlangen zwängen sich zudem oft in enge Ritzen und Spalten, die Schutz bieten vor Feinden. Holz- und Steinhaufen, Bruchsteinmauern, Bretter, Stein-, Blech- oder Eternitplatten sind bevorzugte Schlupfwinkel. Vorsicht beim Aufheben.
Schlangen sind taub und bemerken Menschen nicht immer
Schlangen sind sehr scheue Tiere – und taub. Wenn sie sich einem Menschen nähern, dann versuchen sie keineswegs anzugreifen, sondern haben ihn nicht bemerkt.
Zur Paarungszeit im Frühling sind Männchen auf Weibchensuche oft derart abgelenkt, dass sie einen Menschen nicht sofort bemerken.
Sieht man eine Schlange, so sollte man sich bemerkbar machen, ohne sie zu belästigen. Man gibt ihr so die Möglichkeit, zu fliehen.
Bleibt sie trotzdem liegen, kann man ruhig im Abstand von etwa zwei Metern vorbeigehen. Einheimische Giftschlangen können maximal so weit vorschnellen, wie sie lang sind.
Ein Schlangen-Biss führt immer ins Spital
Wird eine Person gebissen, so ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Viele Vergiftungen erreichen ihren Höhepunkt erst nach Stunden, es bleibt also genügend Zeit, um das Spital aufzusuchen.

Wenn innerhalb von sechs Stunden weder lokale noch systemische Symptome auftreten, dürfte keine medizinisch relevante Giftmenge injiziert worden sein.
Anders als bei Insekten-Stichen führt ein Schlangen-Biss aber immer zu einem 24-stündigen Spital-Aufenthalt zur Überwachung.
Die Schlangenbiss-Mythen
Dringend abgeraten wird hingegen etwa vor Stauungs-Verbänden. Und allen Manipulationen an der Bisswunde (auch Aussaugen ist Humbug) ausser Wund-Desinfektion.
Es sollte kein Alkohol getrunken werden – und Gegengift darf nur der Arzt verabreichen.













