Olten

    Biss in Balsthal SO: Hier triffst du am ehesten eine Giftschlange an

    Andrea Schüpbach
    Andrea Schüpbach

    Thal-Gäu,

    Ein Kletterer (35) wird in Balsthal SO gebissen und muss mit der Rega ins Spital. Eine Karte zeigt, wo es in der Schweiz am meisten Gift-Schlangen gibt.

    Schlange Giftschlange Balsthal
    In Balsthal wurde ein Kletterer mutmasslich von einer Aspisviper (im Bild) gebissen und wurde von der Rega ins Spital geflogen. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • In der Schweiz gibt es zwei giftige Schlangen-Arten: die Aspisviper und die Kreuzotter.
    • Ein Kletterer ist kürzlich bei Balsthal SO gebissen worden, es war wohl eine Aspisviper.
    • Giftschlangen gibt es im Mittelland kaum, ihre Haupt-Verbreitung ist an sonnigen Jura-Hängen und in den Alpen.
    • Ein wichtiger Hinweis: Ist eine Schlange länger als 90 Zentimeter, ist sie harmlos.

    Ein 35-Jähriger wird nach einem Kletter-Ausflug in Balsthal SO mit der Rega ins Spital geflogen. Grund dafür ist aber nicht etwa ein Sturz. Der Mann wurde von einer Gift-Schlange gebissen!

    Bei der Schlange handelt es sich wohl um eine Aspisviper. Neben der Kreuzotter die zweite giftige Schlange, die in der Schweiz heimisch ist.

    Jeder fünfte Schlangen-Biss braucht Gegengift

    Die Hand des Kletterers ist nach dem Biss rasch angeschwollen. Im Berner Inselspital angekommen, wurde ihm ein passendes Gegengift (Antivenine) verabreicht. Dies in Absprache mit dem Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum (Tox Info).

    Wie würdest du reagieren, wenn du beim Wandern auf eine Schlange triffst?

    «In der Schweiz sind Antivenine gut verfügbar», sagen die Experten von Tox Info zu Nau.ch. «Sie werden nur bei jedem fünften Schlangenbiss im Spital eingesetzt. Ein Schlangenbiss ist dank der heutigen medizinischen Versorgung gut behandelbar.»

    Dass ein Biss einer Gift-Schlange in der Schweiz ganz böse endete, ist Ewigkeiten her. «Der letzte Todesfall nach einem Giftschlangenbiss wurde in der Schweiz in den 1960er Jahren registriert.

    Wie bei Insektenstichen können vor allem allergische Reaktionen lebensbedrohlich werden.

    Experte: Schlangen wollen ihr Gift sparen

    Schlangen-Experte Andreas Meyer von Info Fauna (karch) fügt hinzu, dass ein Biss zwar potenziell lebensgefährlich sein kann.

    Man müsse aber differenzieren: «Fast die Hälfte der Bisse von Aspisviper oder Kreuzotter bleiben vollständig symptomlos, weil die Schlange kein Gift injiziert hat. Die Schlangen brauchen das Gift für die Jagd, zur Verteidigung setzen sie es nur ungern und sehr sparsam ein. Deshalb führen auch viele weitere Vergiftungen nur zu geringfügigen Symptomen, wie Schwellungen an der Hand oder am Arm – die Schlange hat nur wenig Gift eingesetzt.»

    Weiter: «In seltenen Fällen, in denen vermutlich auch viel Gift eingesetzt wurde, kann es aber zu schweren Vergiftungserscheinungen kommen, die zwingend einer medizinischen Behandlung bedürfen, notfalls auch einer Behandlung mit Antiserum.»

    Hier leben Schweizer Gift-Schlangen

    Schlangen kommen in der ganzen Schweiz vor. Die beiden einheimischen Gift-Schlangen Aspisviper und Kreuzotter fehlen aber im Mittelland fast vollständig.

    Ihre Haupt-Verbreitung: An sonnigen Hanglagen im Jura und in den Alpen. Die Gift-Schlangen sind zunehmend selten, regional vom Aussterben bedroht. Lokal können beide Arten aber noch recht häufig sein.

    Die untenstehende Karte zeigt, wo in der Schweiz man mit welchen Gift-Schlangen rechnen muss.

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    Hier leben Aspisviper und Kreuzotter in der Schweiz. - karch / Tox Info

    «Die Begegnung mit einer Giftschlange ist daher auch heute noch ein Ereignis, von dem alle betroffen sein können, die in der Natur arbeiten oder unterwegs sind», so Tox Info.

    Schweizer Schlangen über 90 Zentimeter sind harmlos

    Gift-Schlangen zu erkennen, ist optisch für Laien ziemlich schwierig. Kreuzotter und Aspisviper besitzen etwa eine Spaltpupille, die ungiftigen Nattern eine runde.

    giftschlange
    Links: Die Aspisviper mit Spalt-Pupille ist giftig. Rechts: Die Würfelnatter mit runden Pupillen ist ungiftig. - karch / Tox Info

    Ein Hinweis: Alle einheimischen Schlangen mit einer Gesamtlänge von über 90 Zentimeter sind mit Sicherheit harmlos. Aspisviper und Kreuzotter bleiben in jedem Fall kleiner.

    Wo genau gilt bei Freizeit-Aktivitäten besondere Vorsicht? «Man sollte sicher an Orten, die heiss sein können und viele Steine haben, gut aufpassen. Zudem ist es wichtig, gutes Schuhwerk zu tragen.»

    Giftschlange
    So sieht ein typischer Lebensraum von Kreuzotter und Aspisviper in den Schweizer Alpen aus. - karch / toxinfo

    Schlangen zwängen sich zudem oft in enge Ritzen und Spalten, die Schutz bieten vor Feinden. Holz- und Steinhaufen, Bruchsteinmauern, Bretter, Stein-, Blech- oder Eternitplatten sind bevorzugte Schlupfwinkel. Vorsicht beim Aufheben.

    Schlangen sind taub und bemerken Menschen nicht immer

    Schlangen sind sehr scheue Tiere – und taub. Wenn sie sich einem Menschen nähern, dann versuchen sie keineswegs anzugreifen, sondern haben ihn nicht bemerkt.

    Zur Paarungszeit im Frühling sind Männchen auf Weibchensuche oft derart abgelenkt, dass sie einen Menschen nicht sofort bemerken.

    Hast du schon mal eine Schlange in freier Wildbahn gesehen?

    Sieht man eine Schlange, so sollte man sich bemerkbar machen, ohne sie zu belästigen. Man gibt ihr so die Möglichkeit, zu fliehen.

    Bleibt sie trotzdem liegen, kann man ruhig im Abstand von etwa zwei Metern vorbeigehen. Einheimische Giftschlangen können maximal so weit vorschnellen, wie sie lang sind.

    Ein Schlangen-Biss führt immer ins Spital

    Wird eine Person gebissen, so ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Viele Vergiftungen erreichen ihren Höhepunkt erst nach Stunden, es bleibt also genügend Zeit, um das Spital aufzusuchen.

    Giftschlange
    Wird man von einer Schlange gebissen, muss man immer zur Überwachung 24 Stunden ins Spital. Im Bild zu sehen ist eine Aspisviper in der Schweiz. - keystone

    Wenn innerhalb von sechs Stunden weder lokale noch systemische Symptome auftreten, dürfte keine medizinisch relevante Giftmenge injiziert worden sein.

    Anders als bei Insekten-Stichen führt ein Schlangen-Biss aber immer zu einem 24-stündigen Spital-Aufenthalt zur Überwachung.

    Die Schlangenbiss-Mythen

    Dringend abgeraten wird hingegen etwa vor Stauungs-Verbänden. Und allen Manipulationen an der Bisswunde (auch Aussaugen ist Humbug) ausser Wund-Desinfektion.

    Es sollte kein Alkohol getrunken werden – und Gegengift darf nur der Arzt verabreichen.

    Kommentare

    User #3149 (nicht angemeldet)

    Weg mit den Viechern! Die Schweiz ist zu dicht besiedelt für das Gekrieche! Und Schafe sind auch gefährdet. Wollt ihr eine Zoo machen in CH?

    User #5154 (nicht angemeldet)

    Wer in den südlichen Alpen wandert, sollte nebst geschlossenen Schuhen einen längeren Stock dabei haben, um damit vor den Füssen leicht auf den Boden zu schlagen. Das ist eine uralte Regel. Sich sonnende Vipern und Ottern spüren die Vibration des Bodens und weichen.

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