Betrugsmaschen: So werden Senioren ausgenommen
Betrüger werden immer raffinierter. Ein Vortrag im Suhrental Alterszentrum zeigte, wie man sich schützen kann.

In Zusammenarbeit mit der Alterskommission Schöftland organisierte das Suhrental Alterszentrum am Mittwoch, 2. September, im Rahmen «Sicherheit im Alter» einen Informationsvortrag der Regionalpolizei Zofingen zum Thema «Betrugsmaschen erkennen und sicher handeln».
Denn Betrüger setzen auf Vertrauen, Ablenkung und Schock – Betrugsmaschen wie auch Trickdiebstähle werden immer raffinierter. Wachtmeister Marco Kunz zeigte auf, wie Täter vorgehen und wie sich potenzielle Opfer schützen können.
«Mir ist wichtig, dass Sie wissen, wie die verschiedenen aktuellen Betrugsmaschen und Trickdiebstähle funktionieren und wie Sie sich schützen können. So können wir Opfer vermeiden», sagte Kunz.
Die Zahlen zeigen die Dimension des Problems: 2025 wurden in der Schweiz 32'622 Betrugsfälle und 154'041 Diebstähle registriert. Darunter waren 9555 Taschendiebstähle und 2630 Trickdiebstähle.

Hinzu kamen 57'761 digitale Straftaten – Tendenz steigend. Auch die Region ist betroffen. «Wir haben viele Kriminaltouristen. Wir sind in der Nähe der Autobahn, ein Gebiet, das solche Täter bevorzugen», erklärte Kunz.
Enkeltrick und Schockanruf
Beim klassischen Enkeltrick beginnt alles oft harmlos. Ein Anrufer meldet sich mit «Ich bin es, dein Grosskind». Nennt das vermeintliche Opfer daraufhin einen Namen, ist bereits ein erster Vertrauenspunkt geschaffen.
Danach wird eine finanzielle Notlage vorgetäuscht und Geld verlangt – häufig soll ein angeblicher Kollege dieses abholen. «So einem Anruf sollte man mit einem gesunden Misstrauen begegnen», rät Kunz. Bei einem unguten Gefühl solle man auflegen und die betroffene Person selbst unter der bekannten Nummer zurückrufen.
«Gebt Fremden keine Informationen heraus und übergebt nie Geld oder Wertsachen an fremde Personen.» Aktuell häufiger sind sogenannte Schockanrufe. Ein angeblicher Arzt, Anwalt oder Polizist behauptet beispielsweise, ein Familienmitglied sei schwer verletzt oder inhaftiert und es müsse sofort Geld bezahlt werden.
Auch künstlich erzeugte Stimmen können inzwischen täuschend echt klingen. Kunz bringt die wichtigste Regel auf den Punkt: «Schock plus Geld gleich Betrug!»
Ablenkung als Schlüssel zum Trickdiebstahl
Bei Trick- und Taschendiebstählen setzen Täter häufig auf Ablenkung. Sie fragen nach dem Weg, halten eine Karte vor oder bitten um Kleingeld. Während das Opfer hilft, wird unbemerkt das Portemonnaie oder Handy gestohlen.
Auch Menschenansammlungen bieten ideale Bedingungen. Rucksäcke sollten dort besser vorne getragen werden. Beim Einkaufen gehört die Handtasche nicht in den Einkaufswagen.
Besonders dreist gehen Täter mitunter im Parkhaus vor: Während ein Täter das Opfer auf einen angeblichen Autoschaden aufmerksam macht, stiehlt der Komplize Wertsachen aus dem Fahrzeug oder der Handtasche. Eine neuere Masche ist der sogenannte Kettendiebstahl.
Nach einer vorgetäuschten Hilfeleistung bedankt sich eine Person überschwänglich und will dem Opfer ein wertloses Kettchen umhängen. Dabei wird die teure Halskette gestohlen. «Lassen Sie niemanden in Ihre Nähe», warnt Kunz.
Falsche Polizisten und Handwerker
Auch falsche Polizisten versuchen Vertrauen zu schaffen. Auf dem Display kann sogar die Nummer 117 erscheinen. Der Anrufer behauptet etwa, es gebe eine Einbruchsserie im Quartier und bietet an, Geld und Wertsachen sicher aufzubewahren.
Kurz darauf erscheint ein angeblicher Polizist oder Bote und holt die Wertgegenstände ab. «Die echte Polizei würde nie Geld oder Wertgegenstände abholen kommen!», stellt Kunz klar. Bei Zweifeln solle man die Dienststelle selbst über eine offiziell recherchierte Nummer zurückrufen.
Zunehmend treten auch falsche Handwerker auf. Sie geben sich beispielsweise als Stromableser aus und verschaffen sich so Zutritt zur Wohnung. Andere bieten Reparaturen oder Reinigungen an, verlangen danach überrissene Preise und setzen die Betroffenen unter Druck.
Kunz' Rat ist eindeutig: «Sie dürfen immer Nein sagen, immer!» Fremde sollten nicht ohne Weiteres ins Haus gelassen werden. Bei Unsicherheit empfiehlt sich eine Rückfrage beim jeweiligen Anbieter. Und grundsätzlich gilt: «Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl.»
Im Zweifel: 117 anrufen
Wer eine verdächtige Person bemerkt oder jemanden beobachtet, der nicht ins Quartier zu passen scheint, sollte die Polizei verständigen. «Rufen Sie die 117 an.
Wir sind auf solche Meldungen angewiesen», appelliert Kunz. Aufmerksamkeit, gesundes Misstrauen und ein klares Nein können verhindern, dass Betrüger zum Erfolg kommen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.








