Besitzer setzen krankes Kaninchen einfach aus

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Schaffhauserland,

Unbekannte haben in Schaffhausen ein krankes Kaninchen ausgesetzt. Eine Tierklinik behandelt das Tier – und nimmt Halter in die Pflicht.

Kaninchen
Das Kaninchen hat vermutlich wegen seiner Krankheit einen schiefen Kopf. Passanten haben das ausgesetzte Kaninchen gefunden. - Facebook

Das Wichtigste in Kürze

  • Kaninchen «Vivo» ist krank und wurde Anfang Juni ausgesetzt.
  • Dabei handelt es sich um eine illegale Tat.
  • Eine Tierklinik in Schaffhausen päppelt das Chüngeli jetzt auf.

«Vivo» lebt. Seinen Haltern dürfte dies allerdings herzlich egal sein. «Entsorgt wie Müll» haben Passanten das schwarze Kaninchen zwischen Herblingen und Schaffhausen SH gefunden.

In eine Transportbox gesteckt wurde es am ersten Juni an einem Feldweg im hohen Gras deponiert.

Schäublis Tierklinik in Schaffhausen informiert in einem emotionalen Facebook-Post über das Kaninchen. «Leider bin ich, obwohl ich noch recht jung bin, sehr krank geworden», schreibt die Klinik im Namen des Tieres.

«Deshalb war ich meinen Besitzern wohl nichts mehr wert. Niemand ist mit mir zum Tierarzt gegangen.»

Der Post hat über tausend Likes erhalten, User reagieren in den über 100 Kommentaren betroffen. «Mir kommen die Tränen bei dem Bild», schreibt eine von ihnen.

«Ich verstehe die Menschen einfach nicht», empört sich eine andere. Viele User drücken dem Kaninchen die Daumen.

«Zumindest eine Chance»

Der Tierrettungsdienst brachte den Nager in die Tierklinik. Wahrscheinlich leide der kleine Kerl, den die Klinik Vivo getauft habe, an einer Enzephalitozoonose, schreibt die sie im Post. Dabei handle es sich um eine parasitäre Erkrankung, die zu neurologischen Ausfällen führe.

Laut der Klinik überleben nicht alle Kaninchen mit dieser Diagnose. «Aber mit der richtigen Behandlung, Unterstützung und Geduld hat das Tierchen zumindest eine Chance.»

Gibt es zu viele verantwortungslose Tierhalter?

Am vierten Juni sah es gut aus. «Trotz seinem schiefen Kopf und den Gleichgewichtsstörungen hat er grossen Appetit und lässt sich von uns verwöhnen!», schrieb die Klinik damals.

Kaninchen Vivo ist noch nicht über dem Berg

Jessica Frei, Tierärztin in Schäublis Tierklinik, informiert Nau.ch am Mittwoch über Vivos aktuellen Gesundheitszustand.

Er sei noch nicht ganz über dem Berg, sagt Frei. «Es geht ihm aber besser. Er macht kleine Fortschritte.»

Die Kopfschiefhaltung sei vermutlich ein Symptom der Enzephalitozoonose, sagt Frei. Bei frühzeitiger Behandlung stünden die Chancen gut, dass diese Haltung verschwinde.

Es gebe aber auch Kaninchen, die damit ein gutes Leben führten. «Sie können trotzdem auf allen vieren sitzen und hoppeln.»

Die Tierärztin ist froh, dass Passanten das Tier fanden.

Gleichzeitig hält sie fest: «Wir verurteilen das Aussetzen von Tieren.» Wer ein Tier aussetze, begehe eine Straftat, betont sie.

Nager und Kaninchen auf Platz drei

Kaninchen landen am dritthäufigsten in Tierheimen und Auffangstationen. 2024 nahmen Tierheime und Auffangstationen mit über 2000 knapp 220 mehr Nager und Kaninchen auf als 2023.

An der Spitze stehen Katzen (8000), gefolgt von Hunden (1800), wie die aktuelle Tierschutzstatistik des Schweizer Tierschutzes zeigt.

Die Stiftung Tierrettungsdienst hat 2025 vier ausgesetzte Kaninchen verzeichnet. Bei weiteren 15 handelte es sich um Tiere, die vermutlich entlaufen sind.

Martina Moni, Medienverantwortliche der Stiftung, sagt zu Nau.ch: «Ein Indiz dafür, dass ein Tier ausgesetzt wurde, ist zum Beispiel, wenn es in einem Behältnis und bzw. oder mit einer Portion Futter aufgefunden wird.»

Die Zahlen seien in den vergangenen fünf Jahren in etwa gleich geblieben.

«In der Regel handelt es sich bei den aufgefundenen Kaninchen um erwachsene Tiere, die sehr dünn bis mager und manchmal auch krank oder verletzt sind.»

Im vergangenen Jahr seien zwei der aufgefundenen Tiere in einem derart schlechten Zustand gewesen, dass sie eingeschläfert werden mussten.

«Das macht uns einfach wütend!»

Die Schaffhauser Tierklinik macht auch in ihrem Facebook-Post klar, dass sie das Aussetzen von Tieren verurteilt.

«Das macht uns einfach wütend!», schreibt sie. Wer sich ein Tier anschaffe, habe die Verantwortung. Demnach seien Halter verpflichtet, für das Wohlergehen und die Gesunderhaltung des Tieres zu sorgen.

Gerate man in eine Notlage, gebe es heutzutage viele Anlaufstellen, die helfen.

Im November 2025 eröffnete in Hilterfingen bei Thun BE zum Beispiel die erste Tierklappe der Schweiz. Wenige Wochen später wurden bereits zwei Zwergkaninchen abgegeben, wie Nau berichtete.

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Kommentare

User #1556 (nicht angemeldet)

Das Häschen stand früher als Model für die Schoggihasen-Produzenten und war sehr gefragt.

User #3940 (nicht angemeldet)

Schmeckt wie Katze oder?

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