Diesen Sommer wurden in der Schweiz deutlich mehr Exemplare der bedrohten Vogelart gesichtet als in der Vergangenheit.
Grauammer
Die Grauammer ist ein Vogel, der in der Schweiz zur Seltenheit geworden ist. - sda - Marcel Burkhardt /Vogelwarte Sempach
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Das Wichtigste in Kürze

  • In der Schweiz wurden diesen Sommer deutlich mehr Grauammern beobachtet als in Vorjahren.
  • Die bedrohte Art leidet unter beeinträchtigten Lebensräumen.
  • Experten sehen diese Entwicklung als Hoffnungsschimmer, aber noch nicht als Trendwende.

Die Grauammer hat in diesem Sommer deutlich häufiger in der Schweiz gebrütet als in den Jahren zuvor. Die Vogelwarte Sempach spricht deswegen von einem Hoffnungsschimmer für den vom Aussterben bedrohten Vogel.

Die Grauammer ist ein schlichter Vogel. Sie hat ein unauffälliges, eher eintöniges braunes Federkleid, ihr Gesang erinnert an klimpernde Schlüssel. Sie brütet am Boden in weiten, offenen Kulturlandschaften, in denen es auch Hecken oder einzelne Bäume gibt.

Solche Acker- und Gemüseanbaugebiete sind durch die Intensivierung der Landwirtschaft praktisch verschwunden. Der Grauammerbestand ist deswegen europaweit stark zurückgegangen. In der Schweiz sei er in den letzten zehn Jahren «dramatisch» um 60 Prozent eingebrochen. Dies teilte die Vogelwarte Sempach am Dienstag mit.

In der Schweiz brüten kaum mehr hundert Grauammerpaare. Drei Viertel von ihnen in drei Gebieten, in denen sie speziell gefördert werden. Es handelt sich um die «Champagne genevoise», den Schaffhauser Klettgau und das «Grosse Moos» in den Kantonen Bern und Freiburg.

Hoffnungsschimmer für bedrohte Art

In diesem Sommer zeichnete sich für die Grauammer, die den Winter im Mittelmeerraum verbringt, indes ein Hoffnungsschimmer ab. Während der Brutzeit seien so viele Exemplare gesichtet worden, wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Wie der Mitteilung der Vogelwarte Sempach zu entnehmen ist.

Die Ornithologen führen dies darauf zurück, dass aus anderen Regionen Europas aussergewöhnlich viele Grauammern in die Schweiz gekommen seien. Der Grund dafür sei nicht bekannt, sagte Livio Rey von der Vogelwarte Sempach auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Grauammer
Eine Grauammer, fotografiert während einer Medienkonferenz von Birdlife am Mittwoch, 23. Juni 2021 in Witzwil. - Keystone

Eine Gegend, in welche die Grauammer dieses Jahr nach langer Abwesenheit zur Brut zurückgekehrt ist, ist das Wauwilermoos (LU). Dort sorgten mindestens drei Paare erfolgreich für Nachkommen. Zuletzt habe es vor fast zehn Jahren im Wauwilermoos eine erfolgreiche Brut gegeben.

Auch im Wauwilermoos werden die Landwirtschaftsflächen ökologisch aufgewertet. Dass drei Paare dieses Jahr dort Junge aufziehen konnten, habe auch an der späten Mahd gelegen. Damit seien die Nester am Boden verschont worden.

Trendwende nicht sicher

Ob die diesjährige Zunahme des Grauammerbestandes eine Trendwende bedeutet, muss sich weisen. Es könne sein, dass die Population in der Schweiz von dem aussergewöhnlichen Einflug profitiere. Vögel, die hier brüteten, kehrten zurück. Es sei aber auch möglich, dass diese Population wieder verschwinde, so Rey.

Damit die Grauammer in der Schweiz längerfristig überleben kann, brauche es so oder so mehr strukturreiche und ungestörte Flächen. Weiter bräuchte es mehr Buntbrachen und eine ökologische Aufwertung von Landwirtschaftsgebieten.

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