Basel und Dübendorf schaukeln sich im Wettkampf der Türme nach oben
In der Stadt Zürich wird im September über neue Hochhausrichtlinien abgestimmt. Dies nachdem das Stadtparlament die geplante Aufwärtsstrategie der Regierung arg gestutzt hatte. Dieser Hochhaus-Skepsis steht ein baulicher Höhenrausch in Städten wie Basel und Dübendorf ZH gegenüber.

Basel wird mit seinen 205 Meter und 178 Meter hohen Roche-Türmen den Schweizer Hochhausrekord noch lange halten. In Dübendorf ZH hält mit dem 113 Meter hohen Bau einer der «Three Point Towers» noch den Spitzenplatz bei den Wohnhochhäusern, der vom «Pilatus-Tower» in Kriens soeben egalisiert wurde.
Zürich besitzt mit dem 126 Meter hohen Prime Tower immerhin noch das dritthöchste Haus im Land. Auf dem Areal des nach wie vor blockierten Hardturm-Stadions ist zwar der Bau von zwei Wohnhochhäusern mit je 137 Metern Höhe geplant. Diese sind aber noch umstrittener als das Stadion.
An der Bauhöhen-Rekordjagd will sich die grösste Schweizer Stadt also offensichtlich nicht mehr so richtig beteiligen. Das zeigte sich im März dieses Jahres, als das Zürcher Stadtparlament mit einer stattlichen Mehrheit von Links-Grün und der SVP die von der Regierung eingebrachten Hochhausrichtlinien arg zerzauste.
So wurden die geplanten Areale für den Bau von 40 Meter-Hochhäusern minimiert. In Schwamendingen darf nur noch 40 statt wie von der Regierung vorgeschlagen 80 Meter hoch gebaut werden, und für 60 Meter hohe Bauten verlangte das Parlament eine Gestaltungsplanpflicht.
Über die Hochhausrichtlinien wird am 27. September das Stimmvolk entscheiden. Die FDP, die GLP und die Mitte haben das Referendum gegen die gestutzten Pläne ergriffen, worauf der Regierungsrat als Gegenvorschlag seine ursprünglichen Richtlinien wieder einbrachte.
Mit diesen Problemen hat nur wenige Kilometer weiter östlich von Zürich die Stadt Dübendorf nicht zu kämpfen. Im Quartier Hochbord ist ein Hochhaus-Cluster entstanden, der mit Bezug auf die in die Höhe strebende Stadt am Persischen Golf zur scherzhaften Bezeichnung «Dübai» geführt hat.
Dort stehen heute bereits die drei höchsten Wohnbauten der Schweiz – allen voran die «Three Point Towers» mit 103 bis 113 Metern Höhe. Und es soll fleissig weiter in die Höhe gebaut werden, unter anderem mit einem neuen, 85 Meter hohen Wohnturm am Ring.
Mit «Basel im Höhenrausch» übertitelte der Basler Kantonsbaumeister Beat Aeberhardt 2023 einen Beitrag in der Architekturzeitschrift «werk, bauen+wohnen». Das trifft durchaus zu, denn die Stadt am Rheinknie will die heute bereits präsente Hochhaus-Skyline markant erweitern.
Basel besitzt seit 2020 ein Hochhauskonzept. In diesem wurden Areale definiert, die für Hochhaus-Cluster in Frage kommen. Das zeigt sich bereits heute auf den Firmenarealen der Pharmakonzerne, bei den Bahnhöhen SBB und Badischer Bahnhof, dem zentralen Campus für Gesundheit beim Universitätsspital, beim Messezentrum sowie in den grossen Entwicklungsgebieten im Süden und Norden der Stadt.
Auch in Basel will man keinen Hochhaus-Wildwuchs. Vorgeschrieben sind Richt- und vom Grossen Rat zu bewilligende Bebauungspläne sowie «in der Regel» ein Wettbewerbsverfahren. Doch im Parlament und in der Bevölkerung regt sich nur in wenigen Fällen Widerstand.
So aktuell beim Bebauungsplan Dreispitz Nord, wo drei Wohntürme mit bis zu 151 Metern Höhe entstehen sollen. Die Bau- und Raumplanungskommission des Grossen Rates hat den Plan Anfang Juli einstimmig bei nur einer Enthaltung gebilligt. Das deutet darauf hin, dass bei der parlamentarischen Behandlung der Vorlage im September mit wenig Opposition zu rechnen sein wird.
Auffallend ist, dass die Türme von Roche und jene des Areals Dreispitz Nord zusammen mit dem kurz vor Baubeginn stehenden Rosentalturm am Messeplatz allesamt aus der Werkstatt der Stararchitekten Herzog & de Meuron stammen.
Das trifft auch auf die Modellplanung für das neue Geviert Rosental Mitte beim Badischen Bahnhof zu, wo dereinst ebenfalls Türme in den Himmel schiessen sollen.
Die zweitgrösste Schweizer Stadt Genf kann bis jetzt bei der Hochhaus-Hitparade nicht mithalten. Das soll sich aber in absehbarer Zeit ändern.
So hat die Genfer Regierung die Planungsvereinbarung für den Bau von zwei Türmen von 170 und 175 Metern im Gebiet Praille-Acacias-Vernets genehmigt. Im Dezember soll ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden.






