Stadt Basel

Basel: Schutzräume für Obdachlose sollen kommen – doch wann?

Yannick Stay
Yannick Stay

Basel,

Hohen Temperaturen zu entfliehen, ist für Obdachlose nicht leicht. Ein Pilotprojekt des Kantons soll Abhilfe schaffen. Wann genau, ist jedoch noch unklar.

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Eine obdachlose Frau im Sommer. (Archivbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Hochsommer ist besonders in Innenstädten stark zu spüren.
  • Für wohnungslose Menschen sind hohe Temperaturen eine grosse Belastung.
  • Eine Studie untersuchte 2024, wo in Basel entsprechende kühle Schutzräume etabliert werden könnten.
  • Basierend darauf will der Stadtkanton nun ein Pilotprojekt lancieren. Der genaue Zeitrahmen ist aber noch unklar.

Der Sommer war heiss. Ende Juli erreichte dieser in Basel seinen unrühmlichen Höhepunkt. An der Messstation Basel/Binningen zeigte das Thermometer eine Temperatur von 39,7 Grad an – Allzeitrekord für diese Station.

Auch an anderen Tagen wurden Temperaturen deutlich über 35 Grad registriert. Wer konnte, mied dann die Innenstadt beziehungsweise verzog sich in klimatisierte Innenräume.

Doch nicht allen Menschen boten sich solche Gelegenheiten. Vor allem Obdachlose dürften Schwierigkeiten gehabt haben, der Hitze und Trockenheit zu entfliehen.

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Die Temperaturen erreichten in diesem Sommer vermehrt Werte weit über 30 Grad. (Symbolbild) - keystone

Der Basler Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter kennt das Problem – und nicht erst seit gestern. «Hitze war für Menschen, die sich viel oder ausschliesslich im öffentlichen Raum aufhalten, schon immer eine Belastung», erklärt Gassenarbeiterin Adriana Ružek gegenüber Nau.ch. Sie ist Co-Geschäftsleiterin der Organisation.

Durch heute intensivere und länger anhaltende Hitzeperioden werde aber die Frage dringlicher, «wo Menschen Abkühlung finden können, wenn sie keine eigene Wohnung haben».

Im Jahr 2024 kooperierte der Verein zusammen mit der OST – Ostschweizer Fachhochschule, um mögliche Schutzräume für gefährdete Personen zu finden. «Die Studie empfiehlt, dafür bestehende soziale, kulturelle oder öffentliche Einrichtungen zu nutzen. Bei Bedarf können diese technisch gekühlt werden, beispielsweise in einer Pilotphase auch mit mobilen Klimageräten», so Ružek.

Wichtig sei dabei aber auch Betreuung durch geschultes Personal. Es gehe nämlich nicht nur um Aufenthalt, sondern auch um Gesundheitsprävention und Fürsorge. Vorgeschlagen wird eine Koordinationsstelle, etwa mit einer/einem Hitzebeauftragten.

Pilotprojekt soll kommen – wann ist noch unklar

Nun liegt es am Kanton, mithilfe der Erkenntnisse der Studie für Abhilfe zu sorgen. Nau.ch hat sich dazu beim zuständigen Gesundheitsdepartement erkundigt.

«Die Studie kommt zum Schluss, dass zwar zahlreiche potenzielle Standorte vorhanden sind, jedoch keine der geprüften Räumlichkeiten ohne Anpassungen sämtliche Anforderungen an Kühlung, Zugänglichkeit und Verfügbarkeit während der warmen und heissen Sommerzeit erfüllt», erklärt Anne Tschudin, Leiterin Kommunikation des Departements.

Ebenso zeige die Studie, dass je nach Zielgruppe – seien es Ältere, Familien oder Obdachlose – die Ansprüche an solche Angebote unterschiedlich seien.

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Die Stadt präsentierte sich diesen Sommer besonders trocken. - keystone

Ein Pilotprojekt zur Schaffung «Kühler Räume» sei nun vonseiten des Gesundheitsdepartements in Planung. Zur Finanzierung von nötigen Umbauarbeiten werde die Zusammenarbeit mit einer Stiftung angestrebt.

«In einer ersten Pilotphase sollen zwei bis vier Standorte ausgewählt werden», sagt Tschudin. Dies soll im Rahmen einer Ausschreibung erfolgen.

Auf die Dauer erhofft man sich ein ganzes Netz an Standorten: «Die längerfristige Vision ist ein möglichst flächendeckendes Angebot an ‹Kühlen Räumen›, das die unterschiedlichen Bedürfnisse berücksichtigt.» Einen konkreten Zeitpunkt für den Start des Pilotprojektes gibt es noch nicht.

«Im Sommer entsteht schnell das Bild, draussen zu sein sei weniger problematisch»

Während dem Sommer ist es nicht die Hitze allein, die obdachlosen Personen zu schaffen macht. Gassenarbeiterin Ružek sagt: «Viele Menschen, mit denen wir arbeiten, sind ohnehin gesundheitlich belastet.»

Psychische oder körperliche Erkrankungen, bestimmte Medikamente oder Substanzkonsum könnten es dem Körper erschweren, mit der Hitze umzugehen. Auch bestehe die Gefahr, es deshalb gar nicht zu bemerken, wenn sich beispielsweise ein Hitzschlag anbahnt.

Empfandest du den diesjährigen Hitzesommer als besonders anstrengend?

Selbst klimatisierte Räume anbieten kann der Verein Schwarzer Peter nicht. Man verteilt etwa Wasser, Kühltücher oder Sonnenschutz. Ebenso wird eine Übersicht von kühleren Räumen angeboten, die man aufsuchen kann. Auch weist man auf gesundheitliche Risiken hin und hält Ausschau nach besonders vulnerablen Menschen.

Adriana Ružek sieht bei diesem Thema gesellschaftlich weiterhin ein mangelndes Bewusstsein: «Obdachlosigkeit wird stark mit Winter und Kälte verbunden. Im Sommer entsteht schnell das Bild, draussen zu sein sei weniger problematisch.»

Ebenso nimmt sie die Politik in die Pflicht. «Wir wünschen uns deshalb, dass Hitzeschutz konsequent auch aus sozialer Perspektive gedacht wird.» Bei Hitzeaktionsplänen müssten auch Menschen ohne Wohnungen mitgedacht werden. Genauso wie Personen mit gesundheitlichen Problemen oder niedrigem Einkommen.

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