Auschwitz Komitee begrüsst Öffnung von Mengele-Dossier
Der Schweizer Nachrichtendienst öffnet sein Mengele-Dossier. Das Internationale Auschwitz Komitee spricht von einer Genugtuung für die Überlebenden.

Das Internationale Auschwitz Komitee hat die angekündigte Öffnung des Mengele-Dossiers durch die Schweiz als Genugtuung bezeichnet. Der Nachrichtendienst des Bundes gewährt den Zugang nach einer Neubewertung der Rechtslage.
Für Auschwitz-Überlebende sei Josef Mengele auch nach vielen Jahrzehnten noch ein Name, der ihr Herz kalt werden lasse, schrieb Christoph Heubner, der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees in einer Mitteilung am Dienstag.
Es sei eine bittere Realität für Überlebende, dass diese Unterlagen gerade in Zeiten an die Öffentlichkeit kämen, in denen Nazi-Täter auf sozialen Medien als «Kriegshelden» präsentiert würden, schrieb er. Der Name Mengele gewinne mitsamt der Nazi-Ideologie des Hasses und des Antisemitismus für Rechtsextreme in vielen Ländern «an bizarrer Attraktivität», schrieb Heubner.
NDB hat seine Haltung geändert
Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) hatte zuvor seine Haltung hinsichtlich des Zugangs zum Mengele-Dossier geändert, wie er am Montag mitteilte. Aufgrund einer Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht beurteilte er die rechtliche Ausgangslage neu. Weil das Dossier weiterhin schutzwürdige Informationen enthalte, werde der Zugang aber an Auflagen geknüpft sein, teilte der NDB mit.
Bisher hatte der NDB Einsichtsgesuche mit Verweis auf eine 80-jährige Schutzfrist abgewiesen. Der Historiker Gérard Wettstein hatte diesen Entscheid Medienberichten zufolge angefochten. Er will herausfinden, ob Mengele 1961 in Kloten ZH war und ob die Schweizer Behörden den international zur Verhaftung ausgeschriebenen Kriegsverbrecher entkommen liessen.
Das Internationale Auschwitz Komitee bedankte sich in der Mitteilung bei Wettstein. Das Komitee mit Hauptsitz in Berlin ist ein Zusammenschluss von Auschwitz-Überlebenden und ihren Organisationen aus 19 Ländern. Allein in Auschwitz brachten die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen um, zumeist Jüdinnen und Juden. In ganz Europa ermordeten sie während der Schoah etwa sechs Millionen Jüdinnen und Juden.
Mengele war im Konzentrationslager Auschwitz für grausame medizinische Experimente verantwortlich und unter dem Namen «Todesengel von Auschwitz» bekannt. Ihm gelang nach Kriegsende die Flucht nach Südamerika. 1979 ertrank er bei einem Badeunfall in Brasilien.








