«Anforderungen an eine Feuerwehr sind heute ganz andere als früher»
Benjamin Meier gibt Einblick in die Arbeit der Regionalen Feuerwehr Maiengrün. Im Interview spricht der Kommandant auch über seine Ziele.

Neben einem Einblick in die Arbeit der Regionalen Feuerwehr Maiengrün und Infos zum anstehenden Bevölkerungstag erzählt Kommandant Benjamin Meier im Interview auch, worauf es ihm bei der Feuerwehr ankommt.
Redaktion: Der Bevölkerungstag findet am Samstag, 19. September, bei der Schule Hendschiken statt. Was erhoffen Sie sich von diesem Anlass – und kommen solche Bevölkerungstage erfahrungsgemäss gut an?
Benjamin Meier: Wir möchten der Bevölkerung einen unkomplizierten Einblick in unser Feuerwehrhandwerk geben. Natürlich freuen wir uns auch über gute Gespräche und den persönlichen Austausch.
Solche Anlässe werden von der Bevölkerung erfahrungsgemäss sehr geschätzt. Wir nehmen uns von 13 Uhr bis sicher 17 Uhr Zeit für einen unkomplizierten Austausch und freuen uns, wenn viele Leute vorbeikommen.

Redaktion: Als besondere Attraktion ist dieses Jahr ein Rettungshubschrauber der Alpine Air Ambulance (AAA) vor Ort. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher und weshalb ist Ihnen diese Zusammenarbeit wichtig?
Meier: Ja, der Rettungshubschrauber Lions 1 der Alpine Air Ambulance (AAA) wird seine Basis vom Birrfeld für diesen Nachmittag zu uns nach Hendschiken verschieben. Von hier aus würde er seine Einsätze fliegen.
Natürlich hoffen wir, dass der Hubschrauber nicht allzu oft von Hendschiken weg muss und deshalb möglichst lange von der Bevölkerung bestaunt werden kann. Die Zusammenarbeit ist für uns sehr wichtig, weil Feuerwehr und Rettungsdienst bei verschiedenen Einsätzen eng zusammenarbeiten.
Es ist deshalb schön, wenn die Bevölkerung einmal sehen kann, was im Hintergrund alles zusammenspielt und wie wichtig eine gute Zusammenarbeit im Einsatz ist.
Redaktion: Die Feuerwehr kann mit ihren Fahrzeugen und Gerätschaften hautnah erlebt werden. Gibt es etwas, das die Besucherinnen und Besucher an diesem Tag unbedingt ausprobieren oder gesehen haben sollten?
Meier: Wichtig für uns ist es immer, die Leute zu instruieren, wie man ein Kleinfeuer im eigenen Haushalt möglichst sicher selber löschen kann. Das zeigen wir mit verschiedenen Beispielen und Demonstrationen. Daneben können natürlich unsere Fahrzeuge und Gerätschaften angeschaut werden.
Für uns ist es schön, wenn die Besucher nicht nur zuschauen, sondern auch Fragen stellen und gewisse Dinge selber ausprobieren können.

Redaktion: Auch für Kinder gibt es Spiel und Spass rund um das Thema Feuerwehr. Wie wichtig ist es Ihnen, bereits bei den Jüngsten Interesse an der Feuerwehr zu wecken?
Meier: Die Jungen sind unser Nachwuchs. Wenn man Kinder und Jugendliche früh für die Feuerwehr begeistern und motivieren kann, ist das natürlich eine grosse Chance für die Zukunft. Feuerwehr soll nicht nur mit Ernst und Einsätzen verbunden werden, sondern auch mit Kameradschaft, Teamarbeit und Spass.
Wenn wir die Jungen motivieren können, bleiben hoffentlich auch die Erwachsenen bei uns – und vielleicht kommt der eine oder andere später selber einmal zur Feuerwehr.
Redaktion: Die Regionale Feuerwehr Maiengrün vereint seit 2006 die Ortsfeuerwehren von Othmarsingen, Hendschiken und Brunegg. Wie hat sich die Feuerwehr seither entwickelt?
Meier: Seit der Gründung im Jahr 2006 hat sich die Feuerwehr Maiengrün stetig weiterentwickelt. Die Anforderungen an eine Feuerwehr sind heute ganz andere als früher. Die Technik wird moderner, die Einsätze werden vielseitiger und auch die Ausbildung nimmt einen immer grösseren Stellenwert ein.
Trotz dieser Veränderungen ist eines gleich geblieben: Wir sind eine Milizfeuerwehr und leben von Leuten aus der Region, die bereit sind, sich für die Allgemeinheit einzusetzen. Genau diese Mischung aus moderner Technik, guter Ausbildung und Kameradschaft macht die Feuerwehr Maiengrün für mich aus.
Redaktion: Die Feuerwehr Maiengrün zählt rund 100 aktive Feuerwehrleute und ist für etwa 5250 Einwohnerinnen und Einwohner zuständig. Wie gelingt es, genügend Einsatzkräfte zu gewinnen und langfristig zu motivieren?
Meier: Wir haben das Glück, dass wir aktuell rund 100 aktive Feuerwehrleute haben. Trotzdem ist es jedes Jahr eine Herausforderung, genügend Leute für die Feuerwehr zu begeistern. Die Zeiten haben sich verändert und viele Menschen haben beruflich und privat immer mehr Verpflichtungen.
Für mich ist deshalb die Kameradschaft ein ganz wichtiger Punkt. Man muss sich in der Feuerwehr wohlfühlen und wissen, dass man sich aufeinander verlassen kann.
Dazu gehören auch gute Übungen, eine zeitgemässe Ausbildung und natürlich eine gewisse Wertschätzung für die geleistete Arbeit. Wenn das alles stimmt, bleiben die Leute auch langfristig motiviert.
Redaktion: Wie hat sich das Einsatzgeschehen in den vergangenen 20 Jahren verändert? Mit welchen Einsätzen wird die Feuerwehr Maiengrün heute besonders häufig konfrontiert?
Meier: Das Einsatzgeschehen hat sich in den letzten 20 Jahren sicher verändert. Die Feuerwehr wird heute längst nicht mehr nur für klassische Brände aufgeboten. Technische Hilfeleistungen, Verkehrsunfälle, Unwetter, Wasserwehreinsätze oder verschiedene andere Ereignisse gehören genauso zu unserem Alltag.

Auch die Anforderungen an uns werden immer grösser. Wir müssen auf sehr unterschiedliche Situationen vorbereitet sein und innerhalb kürzester Zeit die richtigen Entscheidungen treffen. Gerade deshalb sind Übungen und eine gute Ausbildung für uns so wichtig.
Redaktion: Was unterschätzen viele Menschen, wenn sie an die Arbeit der Feuerwehr denken? Gibt es einen Aspekt Ihres Alltags, den die Bevölkerung kaum zu sehen bekommt?
Meier: Ich glaube, viele Menschen unterschätzen, wie viel Arbeit eigentlich hinter einem Feuerwehreinsatz steckt. Die Bevölkerung sieht meistens nur, wenn die Fahrzeuge mit Blaulicht ausrücken. Was davor und danach passiert, sieht man kaum.
Wir trainieren regelmässig, warten unsere Fahrzeuge und Geräte, machen Einsatzvorbereitungen und bilden uns ständig weiter. Und natürlich kommt auch die Zeit dazu, die unsere Feuerwehrleute neben ihrem Beruf und ihrer Familie für die Feuerwehr investieren.
Feuerwehr bedeutet deshalb nicht nur, wenn die Sirene läuft. Es bedeutet auch viel Vorbereitung, Verantwortung, Teamarbeit und Kameradschaft. Genau das macht für mich aber auch den Reiz dieses Amtes aus.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.












