An den Stanser Musiktagen entsteht aus der Vielfalt ein Ganzes
Den Jazz-Fan aus der Stadt, die Jodel-Begeisterte vom Land: Die Stanser Musiktage bringen Menschen und musikalische Traditionen zusammen. Das Festival findet diese Woche zum 30. Mal statt.

Während der Musiktage ist Stans von Mittwoch bis Sonntag von kulturellem Programm erfüllt. Im Kollegium spielt eine brasilianische Grossformation vor 400 Leuten, der Landratssaal wird zur Literaturbühne und im Keller der Zivilschutzanlage feiern die Tanzwütigen bis in die Morgenstunden. Die Fäden des Festivals laufen stets auf dem Dorfplatz zusammen, wo sich Musik-Fans austauschen und bei Einheimischen Klassentreffen-Stimmung aufkommt. «Wir wollen im öffentlichen Raum verschiedene Bubbles zusammenbringen», sagt Festivalleiter Candid Wild im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Warum sich in Stans so vieles vermischen kann, ist laut Wild auch der Geografie geschuldet. «Stans liegt an einer Schnittstelle.» Das Dorf ist der Hauptort des Kantons Nidwalden, aber nur eine viertelstündige Zugfahrt vom zehnmal so grossen Luzern entfernt. Stans ist Zentrum, Agglomeration und Landidylle in einem.
Die Vielfalt steht auch in der Programmierung im Fokus. Die Massstäbe sind dabei gemäss Festivalleiter: «Originalität, Qualität und Diversität». So erwartet das Publikum in diesem Jahr ein Konzert des kubanischen Pianisten Roberto Fonseca, der mit dem französischen Cellisten Vincent Segal spielen wird. Aber auch eine neue Interpretation von keltischen Traditionen findet Platz. Die Dudelsackspielerin Brìghde Chaimbeul tritt auf, die das Instrument «cool» macht, wie es auf der Website des Festivals heisst.
Für das Booking der kommenden Ausgabe ist erstmals die Bernerin Lea Heimann verantwortlich, die auch künstlerische Leiterin des Berner Konzertbetriebs Bee-flat ist.
Bei den verschiedenen Anspruchsgruppen, die wahlweise ein Feierabendbier oder aber ein hochklassiges Konzert geniessen wollen, könnte das Programm auch verwässern, um möglichst allen zu gefallen. Dieser Gefahr sei sich die vierköpfige Festivalleitung bewusst, so Wild. «In den letzten Jahren gelang es uns sehr gut, verschiedene Gruppen abzuholen, ohne den künstlerischen Anspruch zu verraten.»
Das zeigten auch die Zahlen. Nach Finanzierungsproblemen in den 2010er-Jahren und in der Corona-Pandemie, die zu zwei Absagen des Festivals führte, haben sich die Musiktage finanziell stabilisiert. In den letzten Jahren besuchten jeweils gegen 25'000 Personen über alle Tage hinweg das Festival. Zwischen 4000 und 5000 kauften ein Konzertticket. Dies schafft eine gewisse Sicherheit, sodass der Leiter bereits vor der diesjährigen Durchführung sagt: «Die Musiktage werden auch 2027 stattfinden können.» Beruhigt kann Wild also sein Amt bald weitergeben. Nach sieben Jahren als Leiter wird die kommende seine letzte Ausgabe sein.
In den vergangenen Jahren hat das Team das Festival in der Breite gestärkt, sagt Wild. Das Konzert-, das Rahmen- und das Nachtprogramm seien aufeinander abgestimmt. Ein grosser Teil der Programmpunkte ist zudem kostenlos zu besuchen. «Wer das Potenzial des Festivals voll ausschöpfen will, kann für wenig Geld auch noch Vorträge oder eine Fahrt aufs Stanserhorn erleben», sagt Wild nicht ohne Stolz. Aus den vielen Einzelteilen soll in Stans auch dieses Jahr wieder ein grosses Ganzes entstehen.






