Abgewiesene Asylsuchende sind frustriert. Sie wollen ihre Lebensbedingungen in den Schweizer Rückkehrzentren nicht länger akzeptieren.
Demo Wabern - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Abgewiesene Asylbewerber sind frustriert mit ihrer Situation in Schweizer Rückkehrzentren.
  • Bei einer Demo vor dem Staatssekretariat für Migration fordern sie Veränderungen.

Sie wollen ein Zeichen setzen – ein Zeichen gegen die verheerenden Zustände in den Schweizer Rückkehrzentren. Bei ihnen handelt es sich um Frauen, Männer und Kinder – alles abgewiesene Asylsuchende.

Demo Wabern
«Corna kann töten – Grenzen auch»: Mit diesen Schlagwörtern und weiteren kämpfen die abgewiesenen Asylsuchenden für ihre Würde.
Demo Wabern
An der Demonstration haben zirka hundert Migranten teilgenommen.

Heute Nachmittag versammelten sie sich vor dem Staatssekretariat für Migration (SEM), um gegen ihr Leben «in Unwürde» zu demonstrieren. «Die Gewalt gegen uns, die Respektlosigkeit und die Isolation bestimmen immer noch unseren Alltag», heisst es in einem Schreiben.

Asylsuchende spricht von «Horrorzentrum»

Nau.ch hat mit betroffenen Personen vor Ort gesprochen. Eine davon ist Sanaz*. Die junge Frau ist seit vier Jahren in der Schweiz. Aus dem Iran geflohen ist sie wegen sexueller Misshandlungen und politischen Problemen im Land.

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Sanaz* kämpft für ihre Rechte in der Schweiz. - Nau.ch

Gründe, die dem SEM für einen Aufenthalt in der Schweiz nicht genügen. «Ich habe bereits zwei negative Bescheide erhalten», bedauert Sanaz. Ihr droht deshalb der Einzug in ein Rückkehrzentrum – oder wie sie sagt: ins «Horrorzentrum».

Auch die Gruppe «Stopp Isolation» – alles Migranten mit Negativentscheid – kritisieren die Zustände in den Rückkehrzentren. Von Gewaltproblemen ist die Rede. «Deshalb sind wir erneut vor dem SEM und kämpfen gegen das unmenschliche Leben in den Rückkehrzentren und für Respekt, Würde und Aufenthaltsbewilligungen», so ihr Appell.

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Ibrahim* kann wegen politischer Verfolgung nicht in sein Heimatland Eritrea zurückkehren. - Nau.ch

Ibrahim* gehört ebenfalls zu den abgewiesenen Asylsuchenden in der Schweiz. Er ist vor zwei Jahren aus Eritrea geflüchtet. «Ich werde dort politisch verfolgt», sagt der 38-Jährige gegenüber Nau.ch. «Kehre ich zurück, werde ich sofort verhaftet.»

Kollektiv-Appell an das SEM

Aus diesen und weiteren Gründen fordert die Gruppe «Stopp Isolation» Gerechtigkeit für alle Migranten mit Negativentscheid. «Laut Artikel 8 der Bundesverfassung sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich», schreiben sie in einem kollektiven Schreiben an das SEM. «Grundrechte müssen alle Menschen wahrnehmen können, auch wir.»

Wabern BE - Nau.ch

In ihrem vierseitigen Brief, welcher der Redaktion vorliegt, legen sie klare Forderungen fest. So wollen sie Massnahmen gegen den Machtmissbrauch und kompetente Fachkräfte in den Rückkehrzentren. Auch fordern sie verbesserte Lebensumstände.

Generell appellieren sie aber für die Abschaffung der mehrfach Verurteilung wegen «illegalem Aufenthalt» sowie ein Verbot für Ausschaffungen.

* Vollständiger Name der Redaktion bekannt

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