5 Fragen an Pharmaverband Scienceindustries nach US-Zwischenwahlen
Für die Schweizer Chemie- und Pharmaindustrie bleibt das Verhältnis zu den USA auch nach dem Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen schwierig. Denn beide Parteien hätten sich tiefere Medikamentenpreise auf die Fahnen geschrieben, sagt Stephan Mumenthaler, Geschäftsführer des Branchenverbands Scienceindustries, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Er hofft aber auf eine Verbesserung beim Umgangston.

AWP: Welche Auswirkungen für die Schweizer Chemie- und Pharmabranche erwarten Sie nach dem Erdrutschsieg der Demokraten?
Stephan Mumenthaler: Grundsätzlich dürften die US-Wahlen keinen wesentlichen Einfluss auf die Branche haben. Denn tiefere Medikamentenpreise sind im Interesse von beiden grossen Parteien. Daher wird sich vermutlich auch nichts an der Einschätzung ändern, dass die USA sich beim Bezahlen der Ausgaben für Forschung und Entwicklung benachteiligt sehen.
AWP: Könnte das Klima sich vielleicht etwas ändern?
SM: Möglicherweise ändern sich die Methoden oder auch der Umgangston. Auch bei den gesetzlichen Grundlagen könnte es Anpassungen geben, denn bekanntlich hat US-Präsident Donald Trump bisher vieles über Dekrete geregelt. Und das kann er natürlich auch weitere zwei Jahre noch so machen. Die gesetzlichen Mühlen malen bekanntlich langsam und schnelle Änderungen erwarten wir daher nicht.
AWP: Was sind die grössten Risiken?
SM: Die Unsicherheit ist nicht zu unterschätzen. Diese ist einfach Gift für die Branche, denn sie verzögern etwa Investitionsentscheide.
AWP: In ihrer heute publizierten Studie zur Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz haben Sie den Aufstieg von China besonders hervorgehoben. Erwächst hier ein neuer Player heran?
SM: China ist schon ein Riesenthema und sie haben riesige Fortschritte gemacht. China hat den Pharmamarkt als einen zentralen Faktor identifiziert und investiert auch systematisch ins Know-how – und das sieht man auf allen Ebenen. Gerade in Bereichen, wo die Schweiz eher schwach ist, wie Datenökosysteme und jetzt KI, sind sie eine der führenden Mächte. Das Land investiert sehr stark in ihre diesbezüglichen Kapazitäten und Fähigkeiten, und das werden wir zu spüren bekommen.
AWP: China könnte also nach den Generika auch bei den patentgeschützten Medikamenten bald ein ernsthafter Konkurrent werden?
SM: Sie rollen gewissermassen das Feld von hinten auf, indem sie stark in Forschung und Entwicklung wie auch klinische Studien investieren. Zudem haben sie auch den Vorteil eines grossen Heimatmarktes. Hier kommen zwei Dinge zusammen, die sich gegenseitig verstärken. Wenn da nicht grössere Unfälle auf dem Weg passieren, dann wird China einer der zentralen Player auch in der innovativen Pharmaindustrie werden.






