48. Solothurner Literaturtage wollen «Ort der Begegnung» sein

Keystone-SDA
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Solothurn,

Auf dem Programm der 48. Solothurner Literaturtage stehen nach innen gerichtete Themen, wie autofiktionales Schreiben oder der literarische Umgang mit Tod und Trauer. Aber auch die politische Grosswetterlage findet ihren Niederschlag.

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Die ukrainische Schriftstellerin und Fotokuenstlerin Yevgenia Belorusets bei einer Podiumsdiskussion während der 47. Ausgabe der Solothurner Literaturtage, am Samstag, 31. Mai 2025 in Solothurn. - keystone

So wird Dorothee Elmiger zur aktuellen politischen Polarisierung in den USA Stellung nehmen. Die Trägerin des letztjährigen Schweizer und Deutschen Buchpreises diskutiert mit Claudia Franziska Brühwiler, Professorin für politische Theorie und American Studies an der Universität St. Gallen und der Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen.

Als besonderen Höhepunkt der kommenden Ausgabe der Solothurner Literaturtage versprachen die Verantwortlichen in einer Mitteilung vom Dienstag die Buchpremiere von Lukas Bärfuss' neuestem Werk «Königin der Nacht». Es erscheint unmittelbar vor den Literaturtagen, und Bärfuss wird es in Solothurn erstmals öffentlich vorstellen. Damit erhalte das Publikum die Gelegenheit, «ein literarisches Highlight dieses Bücherfrühlings» druckfrisch kennenzulernen.

Der Untertitel zu «Königin der Nacht» kündigt «Ein kurzes Buch über meine Mutter» an. Lukas Bärfuss, der mit seinen Theaterstücken, seiner Prosa oder seinen Essays spätestens seit der Verleihung des Georg-Büchner-Preises 2019 zu den bedeutenden Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zählt, setzt sich in seinem neuen Buch mit seiner mittellosen Mutter auseinander, die ihm keine Mutter sein wollte.

Einen Schwerpunkt im Programm wollen die Verantwortlichen erneut bei der Mehrsprachigkeit der aktuellen Schweizer Literatur setzen. So wird beispielsweise der 1999 im Kanton Bern geborene Autor Jonas Sollberger erwartet. Er schreibt auf Französisch und hat Anfang des Jahres seinen Debütroman «Viens Elie» veröffentlicht, eine Suche nach Identität. Die italienischsprachige Schweiz vertritt etwa Noemi Nagy mit ihrem Gedichtband «Sottopelle»; in ihrer Lyrik macht sie den Körper zur Metapher für unsere Gegenwart.

Passend zu diesem Bekenntnis zur vielsprachigen Schweiz wird Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider an der Verleihung der mehrsprachigen Schweizer Literaturpreise durch das Bundesamt für Kultur reden. Die Verantwortlichen der Solothurner Literaturtage sind der Auffassung, sie setze mit ihrer Anwesenheit «einen politischen Akzent». Literatur sei «ein unverzichtbarer Ort der Reflexion, der Begegnung und des demokratischen Dialogs – gerade in der mehrsprachigen Schweiz», hiess es in der Mitteilung.

Unter den Gästen, die aus dem Ausland anreisen, wird der Träger des Österreichischen Buchpreises Dimitré Dinev sein oder Katerina Poladjan, die gerade mit dem Grossen Preis des Deutschen Literaturfonds ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus werden Olivier Guez aus Frankreich, Marco Balzano aus Italien oder Lize Spit aus dem flämischsprachigen Teil Belgiens erwartet.

In den Büchern, die die Solothurner Literaturtage vorstellen, hat die Programmkommission thematische Parallelen entdeckt. So sind Podiumsgespräche vorgesehen zum autofiktionalen Schreiben über die eigene Kindheit und die eigene Familie, über den literarischen Umgang mit Tod und Trauer oder die Vielschichtigkeit des Bösen.

Zusammenfassend sagte Catherine Schlumberger auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass Autorinnen oder Übersetzer Räume schaffen würden, «in denen wir nachdenken, zweifeln und hoffen dürfen. Sie machen erfahrbar, was Menschsein heisst – mit all seinen Widersprüchen und Möglichkeiten». Die Geschäftsführerin der Solothurner Literaturtage will mit dem diesjährigen Programm dazu einladen, «diese literarischen Räume gemeinsam zu erkunden».

Die 48. Ausgabe des Literaturfestivals und der Werkschau schweizerischen Literaturschaffens wartet vom 15. bis 17. Mai mit insgesamt 150 Veranstaltungen und 140 Gästen auf.

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