Viele Herzschwäche-Patienten landen mehrfach im Spital
Patienten mit akuter Herzinsuffizienz kommen laut Forschenden oft nicht nur einmal ins Krankenhaus: Besonders betroffen von diesem Drehtüreffekt sind jene Menschen, die mit einer solchen akuten Herzschwäche in die Klinik eingeliefert werden und generell eine eingeschränkte Pumpfunktion haben. Das berichtet ein internationales, vom schwedischen Karolinska Institut koordiniertes Team im «European Heart Journal».

In der Schweiz leben nach Angaben der Schweizerischen Herzstiftung etwa 150'000 bis 200'000 Menschen mit einer Herzinsuffizienz. Dabei lasse die Pumpkraft des Herzens nach und Betroffene seien oft in ihrer Lebensqualität eingeschränkt, schreibt die Stiftung auf ihrer Webseite.
In der Studie wertete das Forschungsteam Daten von mehr als 10'000 Patienten aus 41 Ländern aus den Jahren 2018 bis 2020 aus. Zum Vergleich teilten die Forschenden die Patienten in zwei Gruppen ein: zum einen mit akuter Herzinsuffizienz in ein Spital eingelieferte Menschen und zum anderen Menschen mit chronischer Herzschwäche, die einen planmässigen ambulanten Termin hatten.
* 5,1 Prozent der mit akuter Herzinsuffizienz eingelieferten Patienten starben während ihres Spitalaufenthalts. Unter denjenigen, die überlebten, hing der weitere Verlauf davon ab, ob ihre Herzfunktion eingeschränkt war.
* Patienten mit akuter Herzinsuffizienz und eingeschränkter Pumpfunktion leben demnach mit dem grössten Risiko: 44 Prozent von ihnen, also fast die Hälfte, wurden nach dem ersten Spitalaufenthalt während des folgenden Jahres mindestens einmal erneut stationär behandelt.
* Die Sterblichkeitsrate innerhalb eines Jahres nach einer akuten Herzinsuffizienz war mehr als dreimal so hoch (20 Prozent) wie bei den ambulant versorgten Patienten (6,2 Prozent).
* Weniger schlecht war der Verlauf bei jenen Menschen, die wegen einer chronischen Herzschwäche ambulante Termine wahrnahmen und deren Herz eine normale Pumpfunktion aufwies. Von ihnen wurden binnen eines Jahres 18 Prozent ins Krankenhaus eingeliefert.
Die Untersuchung zeige, dass bei Herzinsuffizienz massgeschneiderte Behandlungen notwendig seien, betonen die Forschenden. Das gelte vor allem für Patienten mit akuten Beschwerden und eingeschränkter Pumpfunktion.
Der nicht an der Studie beteiligte Kardiologe Stefan Frantz vom Universitätsklinikum Würzburg hält die Resultate der Studie für realistisch. In eigenen Auswertungen des vergangenen Jahres habe die Sterblichkeit bei stationären Patienten mit akuter Herzschwäche sogar bei 25 Prozent gelegen, und 66 Prozent seien erneut in ein Spital eingeliefert worden.
Dies zeige, dass eine akute Herzinsuffizienz ein Anzeichen dafür sei, dass der Patient oder die Patientin vulnerabler sei und das Herz instabiler. «Das bedeutet, dass wir gerade in dieser sensiblen Phase besonders aufpassen müssen», so Frantz, der dem wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung angehört. «Unsere aktuellen Leitlinien empfehlen deshalb auch, dass Patienten ein bis zwei Wochen nach Entlassung aus dem Krankenhaus noch einmal nachuntersucht werden sollen, um zu sehen, ob der Patient wieder stabil ist und die Medikation auch gut verträgt.»






