Studie: Zweifel am Durchbruch bei Alzheimer-Therapien
Eine grosse Überblicksstudie stellt die Hoffnungen auf Lecanemab und Donanemab gegen Alzheimer infrage. Demnach haben die Antikörper kaum klinischen Nutzen.

Lecanemab und Donanemab galten als Durchbruch bei der Behandlung von Alzheimer‑Demenz. Die Antikörper bauen Amyloid-Plaques im Gehirn ab und verlangsamen den kognitiven Abbau in frühen Zulassungsstudien um einige Monate, schreibt «Spektrum».
Viele Fachleute und Betroffene setzen grosse Hoffnungen in die neuen Alzheimer-Medikamente, schreibt «Alzheimer Deutschland». Die mediale Berichterstattung habe teils Erwartungen eines Durchbruchs geweckt, ohne die komplexe Studienlage vollständig darzustellen.

Studien beschreiben die Wirkung der Antikörper als moderat, aber statistisch signifikant, berichtet «Alzheimer Deutschland». Lecanemab verlangsamte den Abbau um etwa 27 Prozent, Donanemab teils bis rund 35 Prozent.
Cochrane-Analyse sieht begrenzten Nutzen
Experten warnen vor Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen und Mikroblutungen bei den Antikörpern, berichtet «Coliquio». Das Risiko sei besonders bei Patienten mit ApoE4-Gen erhöht.
Eine kürzlich veröffentlichte Überblicksstudie bewertet den Nutzen der Medikamente deutlich kritischer, berichtet «Radio Central». Der klinische Effekt sei gering oder nicht klinisch relevant, heisst es unter Berufung auf die Analyse der britischen Organisation Cochrane.
Experten sehen nur sehr geringe Unterschiede zwischen Medikamenten und Placebo, berichtet «Radio Central». Die neuen Medikamente hätten im Vergleich zu älteren Behandlungsansätzen keinen belegten Zusatznutzen, heisst es in der Cochrane‑Analyse.
Therapie erfordert gute Aufklärung
Die Analyse hebt die Risiken der Behandlung erneut hervor. Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen und Blutungen wiegen bei geringem Nutzen besonders schwer, schreiben Fachleute laut «Spektrum».
Vertreter von «Alzheimer Deutschland» betonen, dass Therapieentscheidungen individuell und gut informiert getroffen werden sollten. Die Antikörper könnten den Verlauf leicht verlangsamen, seien aber keine Heilung und garantierten keine spürbare Lebensqualität.

Klinikärzte und Hirnforscher sehen in der neuen Überblicksstudie einen Anstoss für eine realistischere Erwartungshaltung. Sie fordern eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung, besonders bei frühen Alzheimer-Stadien, schreibt «Alzheimer Deutschland».
















