Einer der gefürchtetsten Weizenschädlinge ist der Mehltau. Um den Pilz nachhaltiger bekämpfen zu können, ist es wichtig, den Krankheitserreger zu verstehen. Forschende der Universität Zürich (UZH) haben nun herausgefunden, wie sich der Mehltau weltweit ausbreiten konnte.
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Das Regenwetter der vergangenen Wochen begünstigt die Ausbreitung des Falschen Mehltaus in den Schweizer Weinreben. (Archivbild) - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Weizen gehört zu dem wichtigsten Grundnahrungsmitteln.

Schädlingsbefall bedeutet wirtschaftliche Verluste und kann Hungersnöte zur Folge haben. Um einem Befall vorzubeugen, wird massiv in die Zucht Mehltau-resistenter Getreidesorten investiert, wie die UZH am Mittwoch mitteilte.

Diese resistenten Sorten sollen dem Pilz keine Angriffsfläche bieten, denn der Erreger muss optimal mit seinem Wirt übereinstimmen, um das Getreide zu befallen. Aber der Mehltau überrascht stets aufs Neue mit seiner Fähigkeit, sich rasch an neue Wirte anzupassen. Wie er sich weltweit auf verschiedenen Getreidesorten ausbreiten konnte, war bisher unbekannt.

Den Forschenden um Thomas Wicker und Beat Keller vom Universitären Forschungsschwerpunkt (UFSP) «Evolution in Aktion» ist es jetzt gelungen, die Erfolgsgeschichte des Weizen-Mehltaus zu entschlüsseln. Dazu haben sie die genetische Zusammensetzung von 172 Mehltau-Varianten aus 13 Ländern auf vier Kontinenten miteinander verglichen.

So konnten sie belegen, dass der Mehltau vor über 10'000 Jahren im Nahen Osten entstanden ist, wo auch die Landwirtschaft und der moderne Weizen ihren Ursprung haben, wie es in der Mitteilung heisst.

In der Stein- und Bronzezeit breitete sich die Landwirtschaft nach Europa und Asien aus und durch Migration und Handel erreichte der Schädling neue Gebiete. Schliesslich schleppten europäische Siedler vor etwa 300 Jahren mit dem Weizen auch den Mehltau nach Nord- und Südamerika ein.

Mit ihren Daten konnten die Forschenden nun frühere Vermutungen bestätigen: In der Geschichte des Mehltaus kam es entlang der Verbringungsrouten des Weizens häufig zu Hybridisierungen, also genetischen Vermischungen verwandter Mehltau-Arten. Diese scheinen laut Kentaro Shimizu, Co-Direktor des UFSP, für die rasante Evolution der Pathogenität des Mehltaus verantwortlich zu sein.

Dies zeigt sich am Beispiel vieler amerikanischer Weizensorten, die in den vergangenen 120 Jahren für die Kreuzung mit ostasiatischem Weizen nach Japan gebracht wurden. Der amerikanische Mehltau, der mit importiert wurde, vermischte sich mit der ortsansässigen Variante und diese Mischlinge konnten erfolgreich neu gezüchtete Weizensorten befallen.

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