Kosmischer Cocktail: Berner Forscher finden Alkohol im All
Ein Berner Forschungsteam hat besondere Alkohol-Signale bei sonnenähnlichen Sternen entdeckt. Bisher kannte man sie vor allem von massereichen Sternen.

Das Wichtigste in Kürze
- Berner Forschende fanden bei jungen Sternen vielfältige organische Moleküle.
- Das Projekt «Compass» untersucht elf junge Sterne mit dem Alma-Teleskop.
- Besonders im Fokus stehen Methanol-Signale als mögliche Hinweise auf Chemie.
Ein internationales Forschungsteam unter Berner Leitung hat bei jungen Sternen überraschend vielfältige organische Moleküle entdeckt. Darunter befinden sich auch Formen des Alkohols Methanol.
Das internationale Forschungsprojekt «Compass» untersucht mit einem Teleskop in Chile die chemische Zusammensetzung rund um elf junge Sterne. Das teilte die Universität Bern am Mittwoch mit.
Die ersten Resultate wurden nun in sieben Artikeln in der Fachzeitschrift «Astronomy & Astrophysics» veröffentlicht.
Die Arbeit gebe Einblick in die komplexe Chemie junger Sternsysteme und sei «ein wichtiges Puzzleteil, um den Ursprung des Lebens zu verstehen», wurde die Co-Leiterin des Projekts, Maria Drozdovskaya von der Universität Bern, in der Mitteilung zitiert.
Ziel der Forschenden ist es, die Entstehung gewisser Moleküle zu verstehen, die als mögliche Bausteine des Lebens gelten.
Methanol-Signale überraschen Forschende
Mehrere der ersten Ergebnisse betreffen Methanol, den einfachsten Alkohol. Bei mehr als der Hälfte der untersuchten jungen Sterne fanden die Forschenden besondere Radiosignale von Methanol.
Diese sogenannten Methanol-Maser waren bisher nur bei der Entstehung besonders massereicher Sterne bekannt.
Dass sie nun auch bei Vorstufen sonnenähnlicher Sterne nachgewiesen wurden, sei überraschend, so Drozdovskaya. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass solche Methanol-Signale bei jungen Sternen mit geringer Masse viel häufiger vorkommen als bisher angenommen.
Zudem wies das Forschungsteam erstmals eine besondere Form von Methanol im Weltraum nach. Dabei sind alle Wasserstoffatome des Moleküls durch das schwerere Isotop Deuterium ersetzt.
Entdeckt wurde das Molekül beim jungen Stern IRAS 4A2 in der Perseus-Molekülwolke, rund 1000 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Auswertung dürfte Jahre dauern
Am Projekt «Compass» sind über 30 Forschende aus Europa, Nordamerika und Asien beteiligt. Es ist eines von vier Grossprojekten, die 2022 für Beobachtungszeit am Alma-Teleskop ausgewählt wurden.
Die Auswertung der gesammelten Daten wird laut Drozdovskaya noch mehrere Jahre dauern.











