Ein knappes Jahr nach der Insolvenz des Münchner Skandalkonzerns Wirecard hat ein wichtiger Whistleblower in dem Fall seine Identität enthüllt. Der Jurist Pav Gill war eigenen Angaben zufolge etwa ein Jahr in der Rechtsabteilung von Wirecard in Singapur tätig.
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Das Logo von Wirecard ist am Hauptsitz des Zahlungsdienstleisters zu sehen. (Symbolbild) - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Nun ist Gill eine Hauptperson einer Wirecard-Doku auf Sky, die der Bezahlsender mit Sitz in Unterföhring bei München vorstellte.

Der Film «Wirecard - Die Milliarden-Lüge» wurde in Kooperation mit der ARD und Arte produziert. Von Donnerstag an ist die Doku in Deutschland und Österreich ab 18.00 Uhr beim Streaminganbieter Sky Ticket verfügbar. In der Schweiz beim Sender Sky Show. Auf Arte und in der ARD wird sie Ende Herbst ausgestrahlt.

Gill verliess nach eigenen Worten 2018 das Unternehmen, weil die Konzernzentrale in Aschheim seine internen Ermittlungen zu Bilanzmanipulationen und Scheingeschäften ausgebremst hatte. «Ich glaube, wenn wir uns nicht bemerkbar gemacht hätten und die Firma entlarvt hätten, wäre sie im falschen Sinne grösser und grösser geworden», sagte Gill bei der Pressekonferenz.

Gill hatte zuerst die Londoner «Financial Times», anschliessend auch andere Medien informiert. «Ich war der einzige rechtliche Berater, der für alle Märkte in der Region Asien-Pazifik zuständig war», sagte Gill. Damals hätten sich besorgte Angestellte bei ihm gemeldet. «Sie haben nicht dem Personalwesen getraut, sie haben nicht dem Management getraut.»

Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft der früheren Wirecard-Chefetage «bandenmässigen Betrug» vor. Sie sollen die Bilanz mit Hilfe von Scheingeschäften in Milliardenhöhe aufgebläht haben, um das ansonsten defizitäre Unternehmen mit Krediten über Wasser halten zu können.

Der frühere Vorstandschef Markus Braun sitzt in Untersuchungshaft, der ehemalige Vertriebsvorstand Jan Marsalek ist abgetaucht und wird in Russland vermutet. Die Ermittler schätzen den Schaden für Banken und andere Gläubiger auf 3,2 Milliarden Euro. Abgesehen davon hatte der inzwischen weitgehend zerschlagene Konzern innerhalb von zwei Jahren über 20 Milliarden Euro an Börsenwert verloren.

Die Beschäftigten hätten von Unregelmässigkeiten im Asiengeschäft berichtet, sagte Gill. Sie «erzählten mir: »Das passiert hier in der Firma, was kannst du unternehmen? Wir fürchten um unser Leben!«» Seine Vorgesetzten hätten ihn mit einer Untersuchung beauftragt, sagte er.

«Irgendwann bemerkte das der Vorstand und warf mich nach drei Monaten raus», sagte Gill. Auf Drängen seiner Mutter habe er dann sein Wissen mit Hilfe der «Financial Times» und der Journalistin Clare Rewcastle Brown ans Licht gebracht.

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