UN-Bericht: Deutschland ist bedeutende Ketamin-Drehscheibe
Deutschland ist laut UN-Drogenfachleuten zu einem der wichtigsten Umschlagplätze für Ketamin in Europa aufgestiegen. Nur die Niederlande seien eine noch bedeutendere europäische Drehscheibe für den illegalen Handel mit dieser Substanz, hiess es im Jahresbericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung in Wien. Die Trendanalyse bezog sich auf die jüngsten vorliegenden Daten aus dem Zeitraum 2020 bis 2024.

Ketamin wird in der Medizin legal als Narkose- und Schmerzmittel eingesetzt. Es wird aber auch als Rauschmittel genutzt, oft gemischt mit anderen Drogen. Das meiste Ketamin, dass auf dem europäischen Drogenmarkt lande, werde zuvor von legalen Produktionskanälen in Indien abgezweigt, hiess es in dem Bericht.
Das UNODC wies darauf hin, dass Ketamin in Deutschland nicht durch das Betäubungsmittelgesetz geregelt wird, sondern durch das weniger strenge Arzneimittelgesetz. Ähnliches gelte auch in einigen anderen europäischen Staaten.
Ketamin-Abhängigkeit ist laut einer Studie der Universität Exeter häufig mit körperlichen Folgen wie Blasenbeschwerden und mit psychischen Folgen verbunden. Gerade bei Mischkonsum mit anderen Drogen sind lebensbedrohliche Zustände wie Atemstillstand oder Bewusstlosigkeit möglich.
In den vergangenen Jahren hätten der Ketamin-Konsum und die Nachfrage an Behandlungen für Ketamin-Konsumenten in Europa zugenommen, hiess es in dem UN-Weltdrogenbericht. Parallel sei auch die Zahl der Ketamin-Toten in Deutschland gestiegen. Die Droge wird demnach unter anderem über soziale Medien verkauft und ist billiger als Kokain.
Global gesehen wird nach Schätzungen des UNODC jedoch Ketamin weniger häufig konsumiert als etwa Cannabis, Amphetamin oder Kokain. Die UN-Behörde geht von weltweit rund 331 Millionen Drogenkonsumenten im Jahr 2024 aus – ein Zuwachs von etwa 30 Prozent innerhalb von zehn Jahren.
Cannabis- und Kokain-Konsum ist laut dieser Schätzung besonders stark gestiegen. Forschungen würden darauf hinweisen, dass sich Kokain von einer Ausgeh- zu einer Alltagsdroge entwickelt habe, hiess es in dem Bericht. Zudem würde sich die Kokain-Variante Crack in sozioökonomisch benachteiligten Bevölkerungsgruppen ausbreiten. Der Konsum von Opioiden wie etwa Heroin sei zuletzt hingegen weitgehend stabil geblieben.










