Bis zum 9. Mai braucht Putin ein vorzeigbares Resultat. Trotz neuem General wird die Ost-Offensive im Ukraine-Krieg aber weiter vor allem am Boden stattfinden.
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Ukrainische Soldaten mit einer russischen Drohne, vor der zerstörten Antonov 225, dem grössten Cargo-Flugzeug der Welt. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Russland startet seine zweite Offensive im Osten der Ukraine.
  • Bis zum 9. Mai braucht Putin dringend «ein vorzeigbares Resultat», so ein Experte.
  • Trotz neuem General kommt dabei aber wohl kaum eine neue Taktik zur Anwendung.

Die erwartete russische Offensive im Osten der Ukraine hat am Montag begonnen. Heute stiessen russische Truppen in die hart umkämpfte Stadt Mariupol vor. Dort soll der letzte ukrainische Widerstand, der sich in einem Stahlwerk verschanzt hat, gebrochen werden.

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In diesem Stahlwerk sollen sich ukrainische Streitkräfte und Zivilisten verschanzt haben. - keystone

Diese zweite Angriffswelle werde sicher intensiver und konzentrierter, warnt Russland-Experte Ulrich Schmid. Dass dabei aber eine grundsätzlich andere Taktik zum Einsatz kommt, sei unwahrscheinlich. Putin werde trotz eines neuen Chefs mit Luftwaffen-Vergangenheit weiter auf Bodentruppen setzen.

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Russische Panzer verschieben am 18. April nahe Mariupol in Richtung Stadt. Der Ukraine-Krieg wird wohl weiterhin mehrheitlich am Boden ausgetragen werden. - keystone

«Man wird sicher die Fehler nicht mehr machen, die man im Ukraine-Krieg zuvor gemacht hat», so der HSG-Professor zu Nau.ch. Russische Nachschublinien seien jetzt weniger angreifbar. «Man wird auf einen weiteren Vorstoss aus Norden verzichten und sich auf den Südosten konzentrieren.» Im Vordergrund steht die Einnahme und Sicherung von Cherson und Mariupol.

Ukraine Krieg: «Putin braucht Loyalität, nicht Kompetenz»

Für die Offensive hatte Putin zuletzt einen neuen Oberbefehlshaber der Armee ernannt, nachdem der erste Vorstoss im Ukraine-Krieg fehlgeschlagen war. Luftwaffen-Chef Alexander Dwornikow, der «Schlächter von Syrien», soll die Ukraine in die Knie zwingen. Dem 60-jährigen General eilt ein blutiger Ruf voraus, weil seine Kampfjets in Aleppo zahlreiche zivile Gebiete bombardierten.

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Präsident Wladimir Putin, links, posiert 2016 mit Generaloberst Alexander Dwornikow während einer Zeremonie im Moskauer Kreml. - keystone

Grundsätzlich kommen Auswechslungen im Kader der Armee mitten in einem Konflikt intern nicht gut an. Schmid erinnert an die vielen teils hochdekorierten Stellen, die Putin im Ukraine-Krieg bereits neu besetzen liess.

Dass die zahlreichen Neuernannten alle gleich kompetent sind wie ihre Vorgänger, glaubt Schmid nicht. «Im Moment braucht Putin aber auch nicht Kompetenz, sondern vor allem Loyalität. Ein kritisch denkender General würde sich jetzt zurückziehen.»

Präsentables bis zum 9. Mai

Trotzdem dürfte Putin am «Freedom Day» am 9. Mai auf dem roten Platz in Moskau etwas feiern können. Schon seit Wochen ist klar: Am Tag, an dem sich der Sieg über die Nazis zum 77. Mal jährt, will Putin mehr feiern als nur das. Er soll seinen Streitkräften den Auftrag gegeben haben, bis am 9. Mai den Ukraine-Krieg zu gewinnen.

Das bringt auch Druck mit sich.

Glauben Sie, dass sich Putin jemals für diese Gräueltaten verantworten muss?

«Ein vorzeigbares Resultat, das sich als irgendein Sieg verkaufen lässt, wird das Hauptziel bis dahin sein», so Schmid. Denkbar wäre zum Beispiel, eingenommene Gebiete an der Ostgrenze der Ukraine als «befreit» zu präsentieren.

Ein Sieg im klassischen Sinne sei aber noch sehr weit entfernt. Nach Mariupol und Cherson werde es mittelfristig darum gehen, die Schwarzmeerküste zu sichern. Doch das könnte mehrere Jahre dauern.

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