Über Frankreich braut sich ein Feuersturm zusammen
Bei den Mega-Bränden nahe Bordeaux bilden sich seltene Feuerwolken. Frankreich erlebt ein Phänomen, das selbst Feuerwehrleute in Angst versetzt.

Die verheerenden Waldbrände im Südwesten von Frankreich erzeugen möglicherweise ein extremes Wetterphänomen: sogenannte Pyrocumulonimbus-Wolken. Diese Feuerwolken entstehen direkt aus der Gluthitze grosser Brände und schaffen ihr eigenes Wetter, wie der «Tagesspiegel» berichtet.
Sie erzeugen gewaltige Windböen, schicken Blitze zum Boden und können aus ihrer Konvektionssäule glühende Pflanzenreste mehrere Kilometer weit schleudern. Das macht Frankreich zum Schauplatz eines in Europa noch nie dagewesenen Extremereignisses.
Erstmals überhaupt wurde dieses Wetterphänomen auf französischem Boden beobachtet. «Das ist beispiellos», sagte Eric Brocardi, Sprecher des französischen Feuerwehrverbandes FNSPF, wie die «Stuttgarter Zeitung» zitiert.
Ein Teufelskreis aus Feuer und Sturm
Die Feuerwolken entstehen, wenn ein Brand so heiss wird, dass die Rauchsäule weit nach oben steigt und dort Eis bildet. Jason Müller vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung erklärt, dass dafür sehr heisse Feuer und viel trockene Biomasse nötig sind.
Die entstehenden Winde fachen das Feuer weiter an, was wiederum die Wolke verstärkt, so der «Tagesspiegel». Müller erklärte, das Feuer könne heisser werden und sich ausbreiten, was wiederum das ursprüngliche Gewitter verstärken könne: «ein Teufelskreis».
Hinzu kommt: Die Blitze dieser Feuerwolken können über 30 Kilometer entfernt neue Brände entfachen. Der Feuerwehr-Sprecher Brocardi bezeichnete die Lage gegenüber der «Stuttgarter Zeitung» als «kriegsähnliches Szenario».
250'000 Menschen in Frankreich evakuiert
In Frankreich mussten rund 250'000 Menschen evakuiert werden, wie die «Stuttgarter Zeitung» berichtet. Mehr als 42'000 Hektar Land fielen allein in der Gironde den Flammen zum Opfer.
Die Winde der Feuerwolke wechseln ständig die Richtung, wodurch sich mehrere Feuerfronten gleichzeitig bilden. Brocardi erklärte gegenüber «T-Online», es gebe nur zwei Auswege: tagelanger heftiger Regen oder das Lenken des Feuers in Richtung Meer.

Das Phänomen war Forschenden zwar bekannt, wurde aber wegen seiner Seltenheit kaum untersucht. Die NASA bezeichnet diese Feuerwolken als «feuerspeiende Drachen» und betont die Notwendigkeit, sie besser zu erforschen.
Klimawandel erhöht das Risiko
Eine Schlüsselrolle spielt laut Klimaforscher Ziming Ke der vertikale Feuchtigkeitstransport. Erst wenn Waldbrände genug Feuchtigkeit in die Höhe treiben, können sich solche Stürme bilden, so die «Stuttgarter Zeitung».
Die Aerosole steigen bis in die Stratosphäre und können dort Monate verbleiben und das globale Klima beeinflussen.
In Frankreich tragen laut Klimaforschenden feuchte Winter und anschliessende Hitzewellen dazu bei, dass trockene Wälder immer mehr Brennmaterial liefern. Die Zahl der Pyrocumulonimbus-Ereignisse weltweit nehme laut Experten durch den menschengemachten Klimawandel weiter zu, wie die «Stuttgarter Zeitung» schreibt.












