Seit 20 Jahren ist der Euro die offizielle Währung Deutschlands. Der Vorgänger, die D-Mark, hält sich aber noch immer hartnäckig.
Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und die Bundeskanzlerin Angela Merkel haben wesentlich zur heutigen Rolle des Euro in der Weltwirtschaft beigetragen. (Archivbild)
Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und die Bundeskanzlerin Angela Merkel haben wesentlich zur heutigen Rolle des Euro in der Weltwirtschaft beigetragen. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/AP/MICHAEL SOHN

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 1. Januar 2001 wurde die D-Mark vom Euro abgelöst.
  • Noch immer sind aber mehr als 12 Milliarden D-Mark im Umlauf.
  • Der Euro geniesst in Deutschland noch immer nicht den besten Ruf.

Was ihre Währung angeht, neigen die Deutschen zur Nostalgie. Insgesamt mehr als 12 Milliarden D-Mark sind laut Deutscher Bundesbank in Form von Münzen und Noten noch im Umlauf. Und das, obwohl sich die Einführung des Euro-Bargelds am 1. Januar zum 20. Mal jährt.

Als die bedeutendste Entscheidung seit der deutschen Wiedervereinigung rühmte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) 1998 die europäische Wirtschafts- und Währungsunion. Die Einführung des Euro sei im ureigensten deutschen Interesse, denn sie festige Europa als Raum wirtschaftlicher Stabilität.

Deutlich mehr Nüchternheit liess der CDU-Politiker gut ein Jahr nach der Euro-Einführung 2003 erkennen. «Eine Volksabstimmung über die Einführung des Euro und die Abschaffung der D-Mark hätten wir mit grosser Wahrscheinlichkeit verloren», räumte Kohl in einem Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk ein.

Euro mit schwierigem Stand in Deutschland

Denn der Euro-Einführung ging ein schwieriger politischer Kompromiss zwischen Deutschland und Frankreich voraus: Paris billigte die deutsche Wiedervereinigung. Dafür verzichtete Berlin auf die heiss geliebte D-Mark.

Auch noch Jahre nach dem Verschwinden der D-Mark aus den Portemonnaies stiess die europäische Gemeinschaftswährung in Deutschland auf ein gemischtes Echo: Der Ruf eines «Teuro» hallte ihr wegen teils gestiegener Lebenshaltungskosten noch jahrelang nach.

In der Finanz- und Schuldenkrise mehrten sich die Rufe nach einem Ausschluss Griechenlands, das sich den Beitritt zum Währungsraum mit Schönrechnerei erschummelt hatte. «Scheitert der Euro, dann scheitert Europa», mahnte 2010 dann die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und rechtfertigte so milliardenschwere Rettungspakete als «alternativlos».

Heute sei der Euro nicht nur einheitliches Zahlungsmittel, sondern auch Ausdruck europäischer Identität, betonte das Bundesfinanzministerium zuletzt.

Als Konkurrenz zum US-Dollar erdacht, hat der Euro die US-Währung aber nicht ablösen können. In der Corona-Pandemie konnte der Dollar sein Image als sicherer Hafen noch stärken. Der Dollar bleibt mit Abstand internationale Leitwährung. Rund 60 Prozent der Devisen von Zentralbanken sind in Dollar notiert, der Euro steht nur für rund 20 Prozent.

Erfolglose Stärkungsversuche des Euro

Überlegungen, den Euro zu stärken, seien bisher im Sande verlaufen, sagt ein Verantwortlicher in Brüssel. «Jeder ist einverstanden, wenn es um das Prinzip einer grösseren Rolle für den Euro in der Welt geht - aber über den Weg dorthin besteht keine Einigkeit», sagt er unter Anspielung auf die 27 Mitgliedstaaten.

Wenn es nach Christine Lagarde geht, könnte der Euro ein neues Gewand bekommen: Die Chefin der Europäischen Zentralbank treibt die Entwicklung eines digitalen Euro als Ergänzung zum Bargeld voran - in Konkurrenz zu unregulierten Kryptowährungen wie dem Bitcoin, die den Notenbanken ein Dorn im Auge sind.

Währenddessen schlummern weiter viele D-Mark-Münzen und -Noten in Sofaritzen oder auf den Speichern betagter Verwandter. Wer sie findet, muss sich übrigens nicht grämen: Der Umtausch ist zeitlich unbegrenzt möglich, wie die Bundesbank betont.

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