Nach Mega-Protesten: 87-jährige Spanierin darf in Wohnung zurück
Nach Protesten gegen ihre Zwangsräumung darf eine 87-Jährige in Madrid in ihre Wohnung zurückkehren.

Das Wichtigste in Kürze
- Neue Mietbedingungen sollen der 87-Jährigen ihre Wohnung dauerhaft sichern.
- Zehntausende protestierten gegen Zwangsräumungen und Spaniens Wohnungsnot.
- Sánchez’ Regierung plant unter Protestdruck weitere Schutzmassnahmen für Mieter.
Vertreter von Maricarmen Abascal erreichten am Montagabend eine entsprechende Einigung mit dem Immobilienunternehmen, dem das Gebäude gehört. Darüber berichtet die spanische Tageszeitung «El País» unter Berufung auf die beteiligten Parteien und die Vermittler in dem Fall.
Die Seniorin dürfe unter neuen Mietbedingungen zurückkehren, hiess es demnach. Ihre Miete werde in etwa dem Betrag entsprechen, den sie bisher gezahlt habe: rund 500 Euro (rund 470 Franken) für Miete, Nebenkosten und Hausgeld. Dem Bericht zufolge steht Abascals Bestätigung, dass sie die Bedingungen akzeptiert, noch aus.
Aus Empörung über die Zwangsräumung der 87-Jährigen und Ärger über die immer grössere Wohnungsnot in Spanien waren in Madrid am Wochenende Zehntausende auf die Strasse gegangen. Der Protest stand unter dem Motto «Ni una Maricarmen más» («Keine weitere Maricarmen»).
Weitere Forderungen reichten von einem besseren Schutz gegen Zwangsräumungen bis hin zu gesetzlichen Massnahmen gegen steigende Mieten, gegen Wohnraum als Renditeobjekt und zur Stärkung der Mieterrechte.
87-Jährige von Polizei aus Wohnung geholt
Abascal war 1956 mit ihren Eltern in die Wohnung im Madrider Stadtteil Retiro eingezogen und hatte später den Mietvertrag übernommen. Nachdem das Gebäude an ein Immobilienunternehmen verkauft worden war, sollte sie ausziehen, weil ihr alter Mietvertrag nicht mehr gültig sei.
Así ha salido Maricarmen de su casa. La imagen de la barbarie. pic.twitter.com/2nqXBWN9Wp
— Eva Baroja 🗞 (@eva_baroja) September 22, 2026
Die neuen Eigentümer bekamen vor Gericht Recht. Nach mehreren gescheiterten Räumungsversuchen wurde sie schliesslich am Mittwoch von Polizisten trotz des Widerstands von Unterstützern aus ihrer Wohnung geholt und in ein Spital gebracht.
Demonstranten machen Regierung von Sánchez verantwortlich
Die Demonstranten machten sowohl die linke Zentralregierung von Pedro Sánchez als auch konservative Regionalregierungen wie jene von Isabel Díaz Ayuso in Madrid für die Wohnungsnot verantwortlich.
Sie fordern unter anderem die automatische Verlängerung von Mietverträgen auf unbestimmte Zeit. Einen besseren Schutz vor Zwangsräumungen, eine Einfrierung der Mieten sowie eine Reform des Mietrechts, die Zeitmietverträge und die Vermietung von Zimmern stärker reguliert.
Unter dem Eindruck der Proteste arbeitet die Regierung daran, am Dienstag im Ministerrat ein neues Gesetzesdekret zur Wohnungspolitik zu verabschieden. Vorgesehen sind unter anderem Massnahmen gegen Zwangsräumungen. Die Regierung verhandelt derzeit noch mit mehreren Parteien über die nötige Mehrheit.

















