Ministerium setzt auf neues Konzept für Wal-Rettung

Keystone-SDA
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Deutschland,

Wie soll es mit dem vor Poel gestrandeten Buckelwal weitergehen? Den Wal mit Luftkissen anzuheben und mithilfe von Pontons und einer Plane abzutransportieren, komme jedenfalls nicht infrage, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Mittwochabend bei einer Stellungnahme vor der Presse. «Wir müssen das Konzept überarbeiten.»

dpatopbilder - Der Buckelwal liegt in einer ausgespülten Wanne vor der Insel Poel (Aufnahme aus einem Flugzeug). Der vor drei Wochen bei Wismar gestrandete Buckelwal liegt weiterhin au...
dpatopbilder - Der Buckelwal liegt in einer ausgespülten Wanne vor der Insel Poel (Aufnahme aus einem Flugzeug). Der vor drei Wochen bei Wismar gestrandete Buckelwal liegt weiterhin au... - Keystone/dpa/Philip Dulian

Die private Hilfsinitiative, die vor rund einer Woche vom Umweltminister grünes Licht für das Rettungskonzept erhalten hatte, war nicht wie geplant vor die Presse getreten. Sie arbeite unter Hochdruck an einer Überarbeitung des Plans, sagte Backhaus. Weitere Massnahmen müssten fachlich fundiert sein, das Verhalten des Tieres berücksichtigen und mit den zuständigen Stellen abgestimmt werden. Im Zweifel könne das Land ein Veto einlegen.

Expertinnen und Experten der Internationalen Walfangkommission (IWC) empfehlen eine möglichst ruhige und palliative Versorgung des Meeressäugers. Backhaus sieht sich dadurch bestätigt. «Diese Einschätzung deckt sich mit der wissenschaftlichen Bewertung, die von Anfang an Grundlage unseres Handelns war», sagte er.

Ein wissenschaftliches Gutachten sei schon Anfang April zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Rettungsversuch nicht erfolgversprechend sei und erhebliche Risiken für das Tier berge. Auf dieser Grundlage hatte das Land entschieden, auf weitere aktive Eingriffe vorerst zu verzichten.

Nach drei Wochen an derselben Stelle war der Wal am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus versuchten Helfer, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das vermutlich erschöpfte Tier aber am Übergang der Bucht namens Kirchsee in die Wismarbucht, wo deutlich tieferes Fahrwasser Richtung Ostsee führt.

Inzwischen wurde ein Sender an dem Tier befestigt. So könnte sein Weg verfolgt werden, sollte es sich überraschend doch noch befreien und losschwimmen. Der Wal sei mittlerweile fünf- bis sechsmal gestrandet, wenn man seine Bewegungen am Montag berücksichtige, sagte Backhaus.

Die Rettungsbemühungen konzentrierten sich nach Angaben der Initiative zuletzt darauf, dem Tier mehr Platz zu verschaffen. Schon am Dienstag hatten Helfer mit Saug- und Spültechnik den Untergrund bearbeitet. Inzwischen liegt der Wal in einer Mulde im Wasser, so soll möglichst wenig Eigengewicht auf ihm und seinen Organen lasten. Wegen der Sonneneinstrahlung wurde sein Rücken mit nassen Tüchern bedeckt. Zweieinhalb Kilogramm Fisch, die dem Wal am Dienstag angeboten wurden, frass er nicht.

«Wer nichts macht, macht auch keine Fehler», sagte Backhaus am Mittwoch auf Poel. Aber Tatenlosigkeit sei trotzdem keine Option. «Wir können gemeinsam sagen: Wir haben es versucht. Und der Versuch macht klug.» Der Umgang mit dem Tier wurde immer wieder von verschiedenen Seiten kritisiert, auch Backhaus selbst sah sich Vorwürfen ausgesetzt.

Mit Blick auf das Vorgehen der Privatinitiative sagte der Minister: «Es gab keinen Zuschlag und keine Genehmigung – sondern eine rechtlich gebotene Duldung.» Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sei es allen erlaubt, einem hilflosen Tier zu helfen. Massstab für das staatliche Handeln sei ausschliesslich das Tierwohl. Das Land begleite die Massnahmen eng, Veterinärinnen und Veterinäre seien rund um die Uhr vor Ort.

Backhaus kündigte an, die Ereignisse politisch aufzuarbeiten. «Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Situationen künftig häufiger auftreten können. Deshalb werde ich mich auf Bundesebene für bessere gemeinsame Strukturen im Umgang mit Grosswalen einsetzen.»

Kommentare

User #1024 (nicht angemeldet)

Dieser Minister Backbusch ist so bedacht, dass alles rechtlich läuft, und er für nichts verantwortlich ist, sondern die, die zahlen. Das ganze geschehen bis jetzt wurde wissenschaftlich aufgenommen - laut Minister - ich weiss nicht mehr wie ich darübet denken soll.

User #1457 (nicht angemeldet)

"Timmy" Sinnbild für die deutsche Politik, steckt fest, kann sich nicht mehr befreien und erliegt wohl irgendwann ab all den verschiedenen Konzepten, die erst zu tote geplappert und geprüft werden müssen, nebst den ganzen Streitereien im Egomarathon ums recht haben. Also sozusagen zu tode gerettet, was vielleicht auch des Wals Absicht war mit der Strandung, was ich mir wiederum auch gut vorstellen kann bei der deutschen Regierung, ich meine, die Absicht!

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