Euro

    Milliarden Euro gesucht für einen Corona-Impfstoff für alle

    DPA
    DPA

    Belgien,

    Dutzende Forscherteams weltweit suchen ein Mittel für den rettenden Pieks gegen die Pandemie. Aber wer bekommt den Schutz zuerst und zu welchem Preis? Bundeskanzlerin Merkel wirbt für eine globale Konferenz an diesem Montag.

    In einem weltweiten Kraftakt sollen Milliarden Euro für die Entwicklung von Mitteln gegen das tödliche Virus gesammelt werden. Foto: Friso Gentsch/dpa
    In einem weltweiten Kraftakt sollen Milliarden Euro für die Entwicklung von Mitteln gegen das tödliche Virus gesammelt werden. Foto: Friso Gentsch/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Schnellstmöglich ein Corona-Impfstoff für alle: In einem weltweiten Kraftakt sollen am Montag 7,5 Milliarden Euro für die Entwicklung von Mitteln gegen das tödliche Virus gesammelt werden, die dann alle Länder zu fairen Preisen bekommen sollen.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte vor einer Online-Geberkonferenz in Brüssel einen «deutlichen finanziellen Beitrag» aus Deutschland zu. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur geht es um einen dreistelligen Millionenbetrag.

    EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte die Geberkonferenz einberufen, bei der Staats- und Regierungschefs und Organisationen aus aller Welt Spenden zusagen können. Im «Spiegel» zeigte sich von der Leyen zuversichtlich, dass die gewünschte Milliardensumme zusammenkommt. Die Herausforderung sei riesig. «Wir müssen einen Impfstoff entwickeln, ihn herstellen und zu einem bezahlbaren Preis sofort in jeder Ecke der Welt verfügbar machen. Eine solche Aufgabe gab es noch nie.»

    Auch Papst Franziskus stellte sich am Sonntag hinter die Ziele der Konferenz. Während es bereits erste Ansätze für Medikamente gibt, erwarten viele Forscher einen sicheren Impfstoff im grossen Massstab erst für nächstes Jahr. Allein für die Entwicklung des Impfstoffs fehlten geschätzt acht Milliarden Euro, sagte Merkel in ihrem wöchentlichen Podcast.

    Von der Leyen sagte, das Spendenziel für die Geberkonferenz sei nur der Startschuss. «Auf der Strecke bis zum Ende der Pandemie werden wir noch deutlich mehr brauchen.» Vor allem die Produktion von Milliarden von Impfstoff-Dosen wird sehr teuer und könnte arme Länder überfordern. «Das kann nicht nach dem Motto gehen: Wer das Geld hat, hat den Impfstoff», sagte von der Leyen.

    Merkel sagte: «Deutschland stellt sich dieser Verantwortung, und deshalb werden wir auch dafür Sorge tragen, dass ein Impfstoff allen Menschen zugutekommt, wenn er einmal entwickelt wurde, und auch die Medikamente, die notwendig sind, und die Diagnosemöglichkeiten möglichst vielen zugutekommen.» Diesem Ziel sollen sich aus Sicht der Organisatoren alle Teilnehmer der Geberkonferenz verpflichten.

    Merkel begrüsste das grosse Bündnis aus Regierungen und privaten Stiftungen. Mit an Bord für die «Coronavirus-Krisenreaktion» genannte Konferenz sind unter anderen die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Weltbank und das G20-Vorsitzland Saudi-Arabien, aber auch die private Bill and Melinda Gates Foundation, die Koalition für Innovationen in der Epidemievorsorge Cepi und die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung Gavi.

    Keine Zusage gab es bis Sonntag von den USA. Man habe gute Gespräche mit dem Weissen Haus und dränge die US-Regierung, sich an der globalen Initiative zu beteiligen, erklärte die EU-Kommission.

    Die Entwicklungsorganisation ONE warnte vor den Folgen, die eine weltweit zeitversetzte Einführung eines Covid-19-Impfstoffes hätte. «Leider haben Entwicklungsländer in der Regel erst sieben Jahre später Zugang zu neu entwickelten Impfstoffen und Medikamenten», erklärte Deutschland-Direktor Stephan Exo-Kreischer. Das würde eine effektive Bekämpfung der Covid-19-Pandemie unmöglich machen.

    Deutschland solle einem «Patentpool» beitreten und andere Staaten dazu auffordern, dies auch zu tun, forderte Exo-Kreischer. Dieser Pool würde es demnach Entwicklern und Generikaherstellern ermöglichen, grosse Mengen von Covid-19-Medikamenten und Impfstoffen zum erschwinglichen Preis herzustellen. Die Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international äusserte sich ähnlich.

    Der Verband forschender Arzneimittelhersteller betonte, die Branche sei wissenschaftlich und finanziell imstande, die Entwicklung von Impfstoffen und Arzneien zu stemmen. In der Notsituation einer Pandemie müsse es aber schneller gehen als sonst, erklärte vfa-Präsident Han Steutel. Es sei wie bei einem Ruderrennen: «Auch der Zweier kommt ins Ziel, sogar schnell. Aber der Achter ist schneller. Und jetzt brauchen wir den Achter.»

    Merkel, der französische Präsident Emmanuel Macron, Italiens Regierungschef Giuseppe Conte, die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg, EU-Ratschef Charles Michel und von der Leyen hatten am Samstag mit einem gemeinsamen Gastbeitrag in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» für die Geberkonferenz geworben. Die Entwicklung eines Impfstoffs für alle werde ein «einzigartiges globales öffentliches Gut des 21. Jahrhunderts» und «die Aufgabe unserer Generation», heisst es darin.

    Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sagte der Funke Mediengruppe: «Niemand sollte denken, dass nationale Alleingänge erfolgreich sein werden.» Wohlhabendere Weltregionen hätten eine moralische Verpflichtung zu helfen. Und sie profitierten davon, wenn die Pandemie auf allen Kontinenten zurückgedrängt werde.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    Weiterlesen

    Archiv
    1 Interaktionen
    Dänemark
    KI
    53 Interaktionen
    Wegen KI

    MEHR IN NEWS

    Hans-Georg Landauer
    13 Interaktionen
    Berlin
    1 Interaktionen
    Martigny VS
    Nepal
    1 Interaktionen
    Kathmandu
    Crans-Montana
    8 Interaktionen
    Komplex

    MEHR EURO

    a
    21 Interaktionen
    Rekord-Diebstahl
    Präsident Selenskyj 2027
    110 Interaktionen
    Hilfe
    Jimi Blue Ochsenknecht
    29 Interaktionen
    Hotelrechnung
    Disneyland Paris
    32 Interaktionen
    Paris

    MEHR AUS BELGIEN

    merz
    7 Interaktionen
    Brüssel
    Friedrich Merz
    15 Interaktionen
    Brüssel
    Friedrich Merz
    12 Interaktionen
    Brüssel
    EU
    6 Interaktionen
    EU-Haushaltszoff