Serbien

    Massenproteste gegen geplantes Lithium-Bergwerk in Serbien

    Keystone-SDA
    Keystone-SDA

    Serbien,

    Demonstranten in Belgrad besetzen Bahnhöfe, um gegen den umstrittenen Lithium-Abbau im Jadar-Tal zu protestieren.

    Demonstration in Belgrad
    In Belgrad protestieren Zehntausende Menschen gegen den geplanten Lithium-Abbau im westserbischen Jadar-Tal. (Archivbild) - afp

    Grossprotest gegen umweltgefährdenden Bergbau: Zehntausende Menschen haben in Belgrad gegen den geplanten Abbau von Lithium in ihrem Land demonstriert. Sie besetzten in der Nacht zu Sonntag zwei Bahnhöfe der serbischen Hauptstadt. Die Polizei nahm insgesamt 19 Demonstrierende fest.

    Die Beamten schritten erst am Morgen gegen die Schienenbesetzer ein und räumten die Bahnhöfe. Dort hielten sich zu dem Zeitpunkt noch kleinere Gruppen von Blockierern auf. Staatspräsident Aleksandar Vucic verurteilte die Bahnhofsblockaden, signalisierte aber Gesprächsbereitschaft sowie ein mögliches Referendum über das Lithium-Projekt.

    Lithium-Deal Serbiens mit Brüssel

    Serbiens Regierung hatte im Beisein von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am 19. Juli in Belgrad mit EU-Kommissionsvize Maros Sefcovic eine Absichtserklärung unterschrieben, die eine umweltverträgliche Förderung des weltweit extrem begehrten Leichtmetalls im Jadar-Tal ermöglichen soll.

    Im westserbischen Jadar-Tal liegt Europas grösstes Lithium-Vorkommen. Der Rohstoff ist wichtig für die Herstellung von Elektro-Autos. Im Juli dieses Jahres hatte Belgrad für die Lithium-Förderung grünes Licht gegeben. Zwei Jahre zuvor hatte die Regierung diese auf Druck von Umweltschützern, die die Lithium-Förderung für höchst schädigend für Mensch und Natur halten, vorläufig gestoppt.

    Staatspräsident Serbiens will mit dem Volk reden

    Vucic erklärte, die Besetzung der Bahnhöfe sei «kein Beitrag zur Demokratie». Er wolle mit den Anwohnern der geplanten Mine sprechen. «Ich verstehe einfach nicht, warum die Menschen in diesem Land die Wirtschaft Serbiens zerstören wollten», sagte er in einer Fernsehansprache. «Denken die Menschen in Serbien wirklich, dass ich dumm und verrückt bin, dass ich etwas gegen mein Land und mein Volk tun werde?»

    Er schloss nicht aus, dass es zu dem Thema ein Referendum geben könnte, entweder nur in der betroffenen Region oder in ganz Serbien.

    Nach Angaben von Innenminister Ivica Dacic seien in der Protestnacht 14 Personen wegen Verdachts auf Straftaten festgenommen worden, drei weitere wegen Ordnungswidrigkeiten sowie zwei Ausländer wegen ihrer Anwesenheit bei der Demonstration in der Nähe wichtiger staatlicher Institutionen. Die Polizei habe die Zahl der Demonstrierenden auf 24'000 bis 27'000 geschätzt. Regierungsunabhängige Beobachter sprachen von rund 40'000 Protestlern.

    Bereits zahlreiche Gegenproteste

    Bereits in den vergangenen Tagen hatten zahlreiche Menschen in mehr als 40 serbischen Städten gegen das Lithium-Projekt demonstriert. Die Organisatoren kündigten weitere Verkehrsblockaden in der kommenden Woche an, ohne Details zu nennen.

    Deutschland und die EU wollen mit dem Lithium-Abbau in Serbien vor allem die Abhängigkeit von China reduzieren. China kontrolliert einen grossen Teil des Abbaus und der Verarbeitung von Lithium weltweit. Serbien ist offiziell EU-Beitrittskandidat. Zugleich pflegen Serbiens Präsident Vucic und andere Regierungspolitiker enge Beziehungen zu Russland.

    Kritik am umweltschädlichen Bergbau

    Umweltschützer kritisieren unter anderem, dass Lithium-Bergbau das Grundwasser mit Schwermetallen verunreinige und daher eine Gefahr für die Trinkwasserversorgung der Anwohner darstelle. «Ist es Patriotismus, einem multinationalen Unternehmen zu helfen, oder ist wahrer Patriotismus der Kampf für saubere Luft, sauberes Land und Wasser, der uns alle in Serbien ernährt?», sagte die Schauspielerin Jelena Stupljanin bei der Protestkundgebung in Belgrad. Interessiert an dem Lithium-Projekt in Serbien ist seit Jahren der australische Bergbaugigant Rio Tinto.

    Kommentare

    User #5916 (nicht angemeldet)

    Sind denn Lithiumbatterien nicht „sicher und sauber“?

    User #3331 (nicht angemeldet)

    Auch in Serbien brodelt es immer wie mehr. LOL.

    Weiterlesen

    Lithiumbergbau Serbien
    1 Interaktionen
    Protest gegen Bergbau

    MEHR IN NEWS

    demo
    18 Interaktionen
    Demo vor Gericht
    Nidau BE
    Nidau BE
    1 Interaktionen
    Eich LU
    thurgauer
    702 Interaktionen
    Shaming

    MEHR SERBIEN

    Serbien
    5 Interaktionen
    Belgrad
    serbien mladic
    17 Interaktionen
    Konsequenzen
    Begräbnis
    31 Interaktionen
    Brüssel
    4 Interaktionen
    Prahovo

    MEHR AUS SERBIEN

    präsident tritt
    5 Interaktionen
    Vucic
    vucic
    3 Interaktionen
    Belgrad
    3 Interaktionen
    Belgrad
    Kriegsverbrecher
    Völkermord