Italo-Strandbäder verbieten Picknicken - böser Verdacht
An der Adria in der italienischen Region Apulien ist das Mitnehmen von Speisen von Zuhause an Stränden nun verboten. Es folgt Kritik aus der Politik.

Das Wichtigste in Kürze
- Betreiber von Strandbädern in Apulien (I) verbieten Besuchenden, eigenes Essen mitzubringen.
- Dagegen regt sich politischer Widerstand.
- Der italienische Tourismusverband «Assoturismo» hingegen unterstützt das Verbot.
An den Stränden der italienischen Region Apulien (I) brodelt es. Betreiber von Strandbädern haben Besuchenden verboten, eigene Speisen und Getränke mitzubringen.
Das Picknick-Verbot gilt laut einem Bericht des italienischen Nachrichtenportals «Il Fatto Quotidiano» entlang der gesamten apulischen Küste. Als Begründung nennen die Strandbetreiber interne Regelungen zum Schutz von Ordnung und Sauberkeit.

Der böse Verdacht: Badegäste sollen schlicht dazu gebracht werden, in den Bars und Restaurants der Strandbäder zu konsumieren.
Angesichts der Bedeutung des Tourismus für die apulische Wirtschaft wurde der Streit schnell zum politischen Thema.
Auch Antonio Decaro, Regionalpräsident der Region, sah sich zu einer Stellungnahme gezwungen. Er reagierte mit ungewohnt deutlichen Worten.
Decaro kritisiert die Haltung der Strandbetreiber
Der Regionalpräsident veröffentlichte ein Video in den sozialen Medien. Darin bezog er klar Stellung gegen das Verbot. «Ich lese mit Erstaunen die Worte von Assoturismo», sagte er.

«Assoturismo» ist der Verband der Tourismusbetreiber in Italien. «Es ist von einem Imageschaden die Rede. Ich glaube, das ist völlig daneben.»
Decaro verwies dabei auch auf die hohen Kosten, die Strandbesuche ohnehin mit sich bringen. Schon die Kosten für Sonnenschirme und Liegestühle seien exorbitant.
Man könne doch nicht verlangen, dass die Besucher ausschliesslich in der Strand-Bar und im Restaurant essen. Das sei unangemessen.
Gleichzeitig sei Plastik-Besteck bereits verboten: «Man darf nicht einfach beliebige Speisen mitbringen», präzisierte er. «Der Rest scheint nur eine elegante Art zu sein, zu sagen: ‹Entweder ihr esst bei uns oder gar nichts.›»
«Assoturismo» verteidigt das Verbot mit Hygiene-Argumenten
Der Tourismusverband «Assoturismo» reagiert auf die Kritik. Laut Verband handelt es sich beim mitgebrachten Essen nicht um ein harmloses Sandwich.
Vielmehr würden regelrecht komplette Mahlzeiten an den Strand gebracht: «Pasta, Hauptgerichte, Obst, Desserts, Getränke und alle Arten von Lebensmitteln.»
Dies bringt laut dem Verband erhebliche Probleme mit sich. Zum Beispiel: Hygieneprobleme, Schwierigkeiten bei der Abfallentsorgung sowie Fragen zur Sauberkeit in den Gemeinschaftsbereichen.
Decaro lässt diese Argumentation nicht gelten. Er betont, das Meer sei ein Gemeingut und dürfe nicht zum Luxus werden.
Kein allgemeines Verbot
Der Streit betrifft derzeit mehrere private Strandbäder in Apulien. Dies ist nicht als ein allgemeines Verbot für alle italienischen Strände zu verstehen. Wer Ferien in der Region plant, sollte sich dennoch vorab informieren.
Wer in der Schweiz am See sein Buffet auspackt, muss sich in der Regel keine Sorgen machen. In privaten Strandbädern oder Hotelanlagen könnte dies jedoch durch die dort geltende Hausordnung verboten sein.

















