Ist Iran für europaweite Anschlagserie verantwortlich?

Simon Ulrich
Simon Ulrich

Grossbritannien,

Eine bislang unbekannte Gruppierung reklamiert Attacken auf jüdische Ziele. Experten sehen Hinweise auf Verbindungen zu proiranischen Milizen.

London jüdischer Rettungsdienst Attacke
Die ausgebrannten Überreste eines jüdischen Rettungsdienstes in London, 23. März 2026. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine neue Gruppierung bekennt sich zu Anschlägen auf jüdische Einrichtungen in Europa.
  • Terrorismus-Experten sehen Spuren in ein proiranisches Miliz-Umfeld.
  • Telegram-Kanäle mit Miliznähe verbreiteten die Bekennervideos sehr rasch.

Eine neue Gruppierung namens Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiyyah (HAYI) bekennt sich zu einer Serie von Anschlägen auf jüdische Einrichtungen. Betroffen waren Synagogen, eine jüdische Schule und Fahrzeuge eines jüdischen Rettungsdienstes.

Das Internationale Zentrum für Terrorismus-Abwehr (ICCT) in Den Haag sieht Hinweise auf ein Umfeld proiranischer Milizen. Das berichtet SRF unter Berufung auf eine ICCT-Analyse.

Propaganda startet zeitgleich mit Angriffen

Laut Julian Lanchès, Analyst beim ICCT, tauchte ein erstes Video der Gruppe am 9. März auf. Also am Tag der Explosion vor einer Synagoge in Belgien. Darin kündigte HAYI «Militäroperationen gegen US- und israelische Interessen weltweit» an.

Das erste Video sei über einen Telegram-Kanal verbreitet worden, der mit einer proiranischen schiitischen Miliz verbunden sein soll. Diese Miliz habe wiederum enge Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden.

Nach Angaben des ICCT zeigt sich in den späteren Bekennervideos ein klares Muster. Lanchès schreibt in seiner Analyse: «In jedem Fall spielen dieselben vier arabischsprachigen Telegram-Kanäle mit jeweils Hunderttausenden von Followern eine zentrale Rolle.»

Zwei dieser Kanäle seien mit proiranischen Milizen verbunden. Zwei weitere gäben sich als Nachrichtenportale aus, verbreiteten aber vor allem proiranische Inhalte.

Widersprüche werfen Fragen auf

Auffällig ist laut Text auch die zeitliche Nähe zwischen Tat und Propaganda. Bei der Explosion vor der jüdischen Schule sollen erste Online-Hinweise sogar schon eine Minute vor Anbringen des Sprengsatzes erschienen sein.

Zwei Stunden später folgte das Bekennervideo. Das spricht dafür, dass die Betreiber der Kanäle sehr schnell informiert wurden und Aufnahmen der Täter direkt oder indirekt erhielten.

Allerdings gibt es auch Widersprüche. Manche Angriffe wurden reklamiert, obwohl sie offenbar gar nicht stattfanden. Zudem enthalten die Videos sprachliche Fehler.

Als mögliche Gründe nennt der Text Hektik, schlechte Abstimmung, einen ungeschickten Einsatz von KI oder bewusste Täuschung.

Junge Täter im Fokus der Ermittlungen

Erste Festnahmen in den Niederlanden deuten darauf hin, dass junge Täter eingesetzt worden sein könnten. Fünf Verdächtige sind laut Text erst 17 bis 19 Jahre alt.

Das stützt den Verdacht, dass Jugendliche, möglicherweise mit kriminellem Hintergrund, für solche Taten angeworben wurden. Ziel dieser Anschläge sei es offenbar vor allem, Angst zu verbreiten und die Gesellschaft zu spalten.

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