«Hölle»: Bewohner in ukrainischem Ort essen Unkraut, um zu überleben
Die Ukraine spricht von einer «humanitären Katastrophe» in dem von Russland besetzten Ort Oleschky. Laut Ukrainern ist dort die «Hölle auf Erden».

Das Wichtigste in Kürze
- Bis Mai gelangten noch Lebensmittel zu den Einwohnern der Stadt Oleschky. Aktuell leben dort noch rund 2000 Menschen.
- Russland und die Ukraine machen sich gegenseitig dafür verantwortlich, dass die Bevölkerung seither hungert.
- Die Bewohner essen teils nur noch eine Mahlzeit pro Tag: eine Suppe mit Unkraut.
Vor dem Start der UN-Generalversammlung warnte der ukrainische Aussenminister Andrij Sybiha vor einer «humanitären Katastrophe» in Oleschky. In der einstigen 24’000-Einwohner-Stadt leben aktuell noch schätzungsweise rund 2000 Menschen.
Bis Mai gelangten zumindest noch spärlich Lebensmittel zu den Einwohnern der ukrainischen Stadt. Doch anschliessend verstärkten die russischen Besatzungstruppen den Einsatz von Drohnen und weiteten die Minenfelder aus. Seither ist der Lebensmittel-Nachschub vollständig zum Erliegen gekommen.

Ukrainer, die mit den dortigen Verhältnissen vertraut sind, bezeichnen Oleschky laut «Guardian» als «Hölle auf Erden». «Im Moment habe ich absolut nichts zu essen», sagt eine Frau, die auf eine Evakuation hofft, gegenüber der britischen Zeitung.
Vor dem Ukraine-Krieg habe sie 110 Kilo gewogen, jetzt sei sie noch 67 Kilo schwer. «Das Haus, in dem wir letzten Winter gewohnt haben, wurde zerstört und ist abgebrannt. Genau wie unser eigenes Zuhause», erzählt sie.
Einmal pro Tag Suppe mit Unkraut
Mehrere Bewohner Oleschkys erklärten der Zeitung, dass sie nur noch eine Mahlzeit pro Tag hätten: nämlich Suppe aus Zucchini ohne Kartoffeln. Diese würden sie mit gesammeltem Portulak anreichern – einem essbaren Unkraut.
«Die Vorräte gehen zur Neige», habe zudem ein Bewohner in einer Textnachricht geschrieben. Jemand anderes berichtet, dass russische Soldaten vor einer Woche «in die Gärten der Menschen eindrangen und alle Kartoffeln, Zwiebeln und den Knoblauch ausgruben».
Und: «Sie nahmen den älteren Frauen alle Lebensmittelvorräte weg. Als eine der Grossmütter zu schreien begann, entgegneten sie, dass Menschen wie sie, die ‹bald im Himmel leben› würden, sich von nichts anderem als Wasser ernähren sollten.»
«Dann fressen Hunde die Leichen»
Die ukrainische Militär-Beamtin Tetiana Hasanenko beschreibt die schreckliche Lage vor Ort wie folgt: «Es liegen nicht nur im Keller des Spitals Leichen, sondern überall in der Stadt. Sie liegen einfach da, weil man die Leichen nicht wegbringen kann. Die Drohnen fliegen ununterbrochen, und dann fressen die Hunde die Leichen.»
Am Wochenende warf das ukrainische Militär über Oleschky und Umgebung Notvorräte ab – insgesamt vier Tonnen. Doch die Behörden wissen nicht, ob diese von den Russen abgefangen worden sind.
Die Ukraine und Russland beschuldigen sich gegenseitig
Für die katastrophale Lage schieben sich die Ukraine und Russland gegenseitig die Schuld zu. So etwa bei einem Konvoi mit Hilfsgütern, der Anfang September Richtung Oleschky unterwegs war und angegriffen wurde.
«Russland macht den Menschen dort bewusst das Leben unmöglich. Sie lassen sie verhungern», sagte Aussenminister Sybiha an der UN-Generalversammlung.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wiederum gab diesen Monat zu, dass die Lage in Oleschky «kritisch» sei. Doch dabei warf er den ukrainischen Streitkräften vor, humanitäre Hilfslieferungen für die Stadt zu blockieren.














