Forschung macht Hoffnung bei altersbedingtem Sehverlust
Ein Forschungsteam der Universität Freiburg hat einen zelleigenen Mechanismus identifiziert, der dem altersbedingten Sehverlust entgegenwirken kann. Die gezielte Aktivierung dieses Reinigungsprozesses verlangsamte in Experimenten die Schädigung der Netzhautzellen.

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) gilt als eine der häufigsten Ursachen für den Verlust der Sehkraft bei Menschen über 50 Jahren, wie die Universität Freiburg am Dienstag mitteilte.
Grund dafür ist die Ansammlung von zellulärem Abfall in der Netzhaut. Normalerweise entsorgen die Zellen solche Stoffe selbst. Mit zunehmendem Alter werden die Reinigungsmechanismen des Körpers jedoch anfälliger, was zu einer Überlastung und schliesslich zum Absterben der Zellen führt.
Ein Forschungsteam unter der Leitung von Patricia Boya von der Universität Freiburg untersuchte nun zusammen mit spanischen und amerikanischen Forschenden einen spezifischen Reinigungsmechanismus, die sogenannte «Chaperon-vermittelte Autophagie». Dabei erkennen spezielle Proteine, die Chaperone, beschädigte Proteine und transportieren sie zum Abbau in die sogenannten Lysosomen.
Die Studien zeigten, dass dieses System in den Netzhautzellen als eine Art Qualitätskontrolle fungiert. Funktioniert es nicht richtig, sind die Zellen einem zunehmenden Stress ausgesetzt.
Den Forschenden gelang es, dieses Reinigungssystem wieder zu aktivieren. Sie setzten dafür den Wirkstoffkandidaten CA77.1 ein, der den zellulären Recyclingprozess gezielt anregt. «Wir haben an zwei verschiedenen experimentellen Modellen gezeigt, dass eine Aktivierung dieses Mechanismus die Ansammlung von Abfallprodukten reduzieren, Entzündungen hemmen und die Verschlechterung der Sehkraft verlangsamen kann», wird Studienleiterin Boya zitiert.
Diese Beobachtungen bestätigten sich auch in Versuchen an menschlichen Zellen von an AMD erkrankten Personen. Die Ergebnisse könnten laut den Forschenden in Zukunft zur Entwicklung neuer Behandlungen führen.










