Erreichen die Proteste aus Frankreich bald Deutschland?
Hunderttausende demonstrieren in Frankreich, Städte verhängen Ausgangssperren. Experten schätzen ein, ob die Proteste Deutschland erreichen.

Hunderttausende Menschen sind am Wochenende in Frankreich auf die Strasse gegangen, zum Teil kam es zu Gewalt, berichtet «ZDFheute». In Teilen mehrerer Städte, darunter Paris, Lille und Nizza, wurden nach schweren Ausschreitungen Ausgangssperren verhängt.
Laut dem Politologen Dominik Grillmayer entzündet sich die Kritik an einem unterfinanzierten Bildungssystem und steigenden Lebenshaltungskosten. Zudem seien die finanziellen Spielräume der Regierungen stark begrenzt, um auf die Forderungen zu reagieren.
Seit September tragen vor allem junge Menschen aus Schulen und Universitäten die Proteste in Frankreich. Der Soziologe Oliver Nachtwey spricht von einer Krise des Zukunftsversprechens und nennt hohe Jugendarbeitslosigkeit sowie strenge Sparpolitik.
Erste Proteste auch in Berlin
In Berlin haben am Samstag rund 300 Menschen aus Solidarität mit den Protesten in Frankreich demonstriert, schreibt die «taz». In Frankreich demonstrierten am selben Tag 800'000 Menschen gegen Kürzungen im Bildungsbereich und steigende Lebenshaltungskosten.
In der vergangenen Woche hatten Schüler das Französische Gymnasium sowie zwei weitere Berliner Gymnasien blockiert. Die Proteste richten sich auch gegen Kürzungen bei Jugendkultur, Sozialleistungen und Bildung, sagt eine Sprecherin des Berliner Jugendstreikkomitees.
Auf TikTok und Instagram kursieren Aufrufe zu Protesten nach französischem Vorbild, schreibt die Schülervertreterin Monique-Olivia Mertins im «Tagesspiegel». Diese Stimmung treffe auf Demonstrationen zur Wehrpflicht, die unter anderem für den 31. Oktober angekündigt sind.
Was Experten über die Proteste sagen
Solche Proteste von Schülern sieht Nachtwey in Deutschland derzeit nicht, weil die Jugendarbeitslosigkeit hierzulande deutlich geringer sei, berichtet «ZDFheute».

Politologe Grillmayer verweist zudem auf den Föderalismus, da Bildung Ländersache sei und sich Unmut nicht national äussere.
Die Berliner Demonstration verlief friedlich, anders als zuletzt in Paris, Rennes oder Lyon, schreibt die «taz». Für Berliner Schüler gehen die Proteste nach den Schulferien weiter, am 20. November ist ein internationaler Protesttag geplant.












