Die Konsumstimmung in Deutschland ist im Keller. Das bekommt der Handel zu spüren. Die Branche erwartet in diesem Jahr den stärksten Nachfrageeinbruch seit mehr als zehn Jahren. Doch gibt es eine Ausnahme.
Inflation und Konsumflaute: Unsicherheit dürfte auch in diesem Jahr den Einzelhandel beschäftigen.
Inflation und Konsumflaute: Unsicherheit dürfte auch in diesem Jahr den Einzelhandel beschäftigen. - Bernd Wüstneck/dpa
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Konsumstimmung in Deutschland hat sich angesichts schnell steigender Preise und sinkender Realeinkommen stark eingetrübt.

Der Einzelhandel rechnet deshalb in diesem Jahr mit dem heftigsten Nachfrageeinbruch seit mehr als zehn Jahren. Zwar dürften die Umsätze wegen der Inflation nominal um zwei Prozent steigen, wie der Handelsverbandes Deutschland (HDE) am Dienstag prognostizierte. Real – also inflationsbereinigt – rechnet die Branche jedoch mit Umsatzrückgängen von drei Prozent. Einen solchen Einbruch hat es laut HDE seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr gegeben.

Warnsignal Weihnachten

Dass die Situation ernst ist, bekam der Einzelhandel schon im Weihnachtsgeschäft zu spüren. Sonst eine sichere Bank für gute Geschäfte, enttäuschte die Geschenksaison die Erwartungen diesmal auf breiter Front. Die Umsätze lagen dem Statistischen Bundesamt zufolge im Dezember real um 6,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Selbst der erfolgsverwöhnte Internet- und Versandhandel verzeichnete ein reales, kalender- und saisonbereinigtes Minus von 7,2 Prozent. «Das Weihnachtsgeschäft ist nicht so gelaufen, wie wir es uns gewünscht hätten», sagte HDE-Präsident Alexander von Preen.

Konsumstimmung im Keller

Dabei hatte das Jahr 2022 eigentlich gut begonnen. Im ersten Halbjahr lagen die Umsätze im Einzelhandel real noch um 3,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Doch dann verhagelten die infolge des Ukrainekrieges steigenden Lebensmittel- und Energiepreise den Menschen die Konsumstimmung – wie auf einer Rolltreppe ging es mit der Kauflaune abwärts. Im zweiten Halbjahr brachen die Umsätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent ein. Unter dem Strich blieb am Ende preisbereinigt ein Minus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Gebeutelter Lebensmittelhandel

Besonders hart traf die Kaufzurückhaltung den Lebensmittelhandel. Dort sank der Umsatz 2022 real um 4,6 Prozent. Dies war nach Angaben des Bundesamtes der höchste Umsatzrückgang seit Beginn der Erhebung 1994. Schuld daran dürfte nicht zuletzt die Inflationsrate von 13,4 Prozent bei Lebensmitteln gewesen sein.

Eine schnelle Besserung der Lage erwartet die Branche nicht. «Es bleibt herausfordernd», sagte von Preen. Die Inflation werde wohl erst einmal hoch bleiben und besonders Menschen mit geringeren Einkommen zu schaffen machen. Doch hofft der HDE-Präsident, dass sich die Preisentwicklung im Laufe des Jahres abschwächt und sich die Konsumstimmung etwas erholt.

Allzu gross ist der Optimismus in der Branche aber nicht, wie eine Umfrage des Verbandes unter 900 Unternehmen zeigt. Demnach rechnet mehr als die Hälfte in diesem Jahr mit Umsätzen leicht oder deutlich unter Vorjahr, gut ein Viertel mit Umsätzen auf Vorjahresniveau und jedes fünfte Unternehmen mit einem Umsatzplus gegenüber 2022. Die Zahl der Geschäfte, die sich nach Schätzungen des HDE im vergangenen Jahr um 16 000 verringerte, werde weiter sinken, prognostizierte von Preen. Eine Grössenordnung nannte er nicht.

Wachstumstreiber Onlinehandel

Eine Ausnahme im sonst eher düsteren Gesamtbild gibt es. Der Onlinehandel dürfte nach dem Umsatzeinbruch im vergangenen Jahr in diesem Jahr wieder der Wachstumstreiber für die Branche sein, sagte der HDE-Präsident voraus. Der Branchenverband erwartet im Internethandel ein nominales Umsatzwachstum von acht Prozent, was einem preisbereinigten Wachstum von vier Prozent entspricht.

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