Chef: Mitarbeiter (70) im Leben nie so oft krank wie Lernende
Junge Arbeitnehmer sind laut einer Studie fast doppelt so oft krankgeschrieben wie solche der Boomer-Generation. Ein Chef klagt über seine Lernenden.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Studie zählt bei Gen-Z fast doppelt so viele Krankschreibungen wie bei Boomern.
- Ein Chef klagt: Sein ältester Mitarbeiter (70) habe in seinem gesamten Berufsleben weniger Fehltage gehabt als Auszubildende in drei Jahren.
Julian Kamps ist 26 Jahre alt und Influencer. Im Herbst letzten Jahres ging ein Clip von ihm viral – er hatte vier Millionen Aufrufe.
Im Video beklagte er seinen neuen Vollzeitjob und die damit verbundene 40-Stunden-Woche. In einer Reportage des ZDF-Formats «Am Puls» erzählt Kamps, wie unterschiedlich die Reaktionen ausfielen: «Am Anfang waren die Leute ein bisschen auf meiner Seite. Aber nach zwei Tagen habe ich viele Hassnachrichten bekommen.»
Über die 40-Stunden-Woche sagt der 26-Jährige: «War früher so, aber das heisst ja nicht, dass das immer noch gut ist.»
Es gebe einen Wandel im Denken der jungen Generation. «Wir legen nicht mehr so viel Wert auf Arbeiten, Überstunden machen, alles aufgeben für den Job.»
«Hatte keine Lust, dann lasse ich mich krankschreiben»
Laut dem Influencer stehen Leben, Spass haben, Freunde treffen und vielleicht auch mal ein Ehrenamt machen im Vordergrund.
Dieter Miessen, Chef eines Tiefbauunternehmens, sieht in der Aussage die Bestätigung dessen, was er in seinem Betrieb erlebt. Der Berliner Unternehmer finde kaum Nachwuchs – und mit dem, der da sei, habe er Probleme.
Das zeige sich zum Beispiel anhand der Krankheitstage: Sein ältester Mitarbeiter sei 70 Jahre alt. «Der hat, glaube ich, in seinem gesamten Berufsleben nicht so viele krankheitsbedingte Fehltage gehabt wie Auszubildende innerhalb von drei Jahren.»
In der ZDF-Reportage erzählt Miessen: «In persönlichen Gesprächen sagen mir die Auszubildenden: ‹Ich hatte keine Lust, und dann lasse ich mich krankschreiben›.»
Weiter sagt er, es werde viel von Work-Life-Balance gesprochen. «Aber das erste Wort in dem Begriff ist ‹Work›.»
Junge sind doppelt so oft krankgeschrieben
Eine Studie des globalen Marktforschungsunternehmens Frost & Sullivan unterstützt die Beobachtung Miessens. Demnach sind Gen-Z-Arbeitnehmende fast doppelt so oft krankgeschrieben wie Mitarbeitende aus der Babyboomer-Generation.
Gemäss der Wirtschaftsplattform «Yahoo Finance» sehen Experten unterschiedliche Gründe für diese Entwicklung. Zum Beispiel fordere die jüngere Generation ihre Rechte stärker ein – auch das Recht auf den Anspruch von Krankheitstagen.
Zudem seien jüngere Arbeitnehmende oft besser darin, ihre Bedürfnisse zu artikulieren, und legten mehr Wert auf Work-Life-Balance und mentale Gesundheit.
Demgegenüber stünde die traditionellere Sicht auf Arbeitsethik der Gen-X und der Babyboomer. Diese würden sich oft verpflichtet fühlen, auch bei Krankheit zu arbeiten.
















