Bürgermeisterin in Istanbuler Bezirk Üsküdar festgenommen
Die Bürgermeisterin des Istanbuler Bezirks Üsküdar, Sinem Dedetas, ist bei einer Razzia gemeinsam mit fünf weiteren Personen festgenommen worden. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft führe Ermittlungen wegen des Verdachts auf Bestechung, Amtsmissbrauch und Gründung einer kriminellen Vereinigung.

Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Dedetas ist eine Politikerin der Oppositionspartei CHP und wurde 2024 mit rund 50 Prozent der Stimmen zur Bürgermeisterin von Üsküdar gewählt. Zuvor war der Bezirk 30 Jahre lang von der AKP und deren Vorgängerpartei regiert worden. Dedetas ist die erste Frau in diesem Amt.
Die Festnahmen in den von der Opposition regierten Istanbuler Rathäusern begannen im Herbst 2024. Bei den Kommunalwahlen hatte die CHP erstmals mehr Stimmen als die regierende AKP erhalten. Die Inhaftierung und Absetzung des Bürgermeisters Ekrem Imamoğlu der Metropole Istanbul führten im Frühjahr 2025 zu landesweiten Protesten.
Neben der Opposition bewerten auch andere Beobachter die zahlreichen Razzien und Inhaftierungen als Mittel der Regierung, die politische Konkurrenz zu schwächen. Regierungsvertreter bestreiten dies und verweisen auf die Unabhängigkeit der Justiz.
Die 45 Jahre alte Politikerin ist seit 2011 in der Oppositionspartei CHP aktiv. Von 2014 bis 2016 war sie als erste Frau Vorstandsvorsitzende der türkischen Schiffsingenieurskammer. 2019 wurde sie die Generaldirektorin der Istanbuler Fährbetriebe, die der Istanbuler Stadtverwaltung unterstehen.
Um Bürgermeisterinkandidatin im konservativ geprägten Bezirk Üsküdar zu werden, in dem auch Präsident Recep Tayyip Erdogans private Residenz liegt, gab sie ihren Job 2023 auf. Sie konnte sich bei der Kommunalwahl 2024 gegen den AKP-Kandidaten mit 7 Prozent Vorsprung durchsetzen.










