Bomben-Alarm: Rechtsradikale Frauenhasser bekennen sich zu Drohmail
Eine Drohmail von Frauenhassern bezog sich auf zwei Flüge nach Italien. Sie erwies sich als falsch. Wer hinter den übrigen Drohungen steckt, ist weiter unklar.

Das Wichtigste in Kürze
- Mehr als 20 Flüge in Europa wurden diese Woche durch falsche Bombendrohungen gestört.
- Einige Drohungen kamen per E-Mail, eine von der antifeministischen Gruppe «The Male State».
- Experten vermuten eine koordinierte Aktion, doch Hinweise auf die Urheber fehlen bislang.
Mehr als 20 Flüge in Europa sind diese Woche durch falsche Bombendrohungen beeinträchtigt worden. Alle bisherigen Drohungen erwiesen sich als unbegründet, führten aber zu Umleitungen, Verspätungen und gar zum Einsatz von Kampfjets.
Allein am Donnerstag waren mindestens 14 Flüge betroffen. In Tschechien wurden vier Maschinen umgeleitet, in Italien zwei.
Bereits am Dienstag hatten mindestens sieben Flüge und ein Kreuzfahrtschiff Bombendrohungen erhalten.
Wie die Drohungen übermittelt wurden, ist nicht in allen Fällen klar. Tschechische und italienische Behörden berichten jedoch von E-Mails.
Der Prager Flughafen erhielt nach eigenen Angaben eine anonyme Nachricht mit Bombendrohungen gegen vier Flüge. Ähnliche E-Mails sollen auch an andere europäische Flughäfen gegangen sein.
Drohmail soll von antifeministischer Gruppe stammen
In Italien stammt eine Drohmail von einer antifeministischen Gruppe namens «The Male State», wie CNN berichtet. Darin wurde behauptet, auf zwei Flügen von Helsinki und Dublin seien Sprengsätze platziert worden.
Nach Angaben des International Centre for Counter-Terrorism entstand die Gruppe 2016 in Russland als frauenfeindliche Bewegung. Später unterstützte sie den Krieg gegen die Ukraine. Ein russisches Gericht stufte den «Männerstaat» 2021 als extremistisch ein und verbot die Gruppierung.
Experten halten koordinierte Störaktion für möglich
Wer tatsächlich hinter den Drohungen steckt, ist bislang nicht geklärt. Kein europäischer Staat hat bisher eine Gruppe oder einen Staat verantwortlich gemacht.
Auch die EU erklärte, es sei zu früh, um von einem Zusammenhang zwischen den Vorfällen auszugehen.
Sicherheitsexperten halten allerdings eine koordinierte Störaktion für möglich. Eric Schouten, Leiter der Luftfahrtsicherheitsfirma Dyami, sagte laut Reuters, die Vorfälle passten zum Muster russischer Sabotageaktionen gegen europäische Infrastruktur.
Auch der Terrorismusforscher Peter R. Neumann sieht Ähnlichkeiten zu einer koordinierten hybriden Aktion. Zugleich betont er auf X, dass es keine Belege für eine Beteiligung Russlands gibt.
Angriff auf das Vertrauen
Die konkreten Auswirkungen blieben bislang begrenzt. Unter anderem wurde ein Aer-Lingus-Flug mit Destination Rom nach Frankreich umgeleitet. Zwei weitere Maschinen aus Spanien und Dänemark mussten nach Sofia ausweichen.
Experten warnen, solche Drohungen könnten nicht nur Störungen verursachen. Sie könnten auch dazu dienen, die Reaktionen von Fluggesellschaften und Behörden zu beobachten.
Eliran Almog, Chef der Luftfahrt-Cybersicherheitsfirma Cyviation, verwies zudem auf zeitgleiche Cyberangriffe auf Kühlsysteme von Supermärkten in Europa.
«Verschiedene zentrale Dienste erleben Störungen, die wirtschaftliche Kosten verursachen und das Vertrauen der Öffentlichkeit untergraben können», sagte er.















