Bischof wirft Deutschen «spirituellen Kolonialismus» vor
Der katholische Bischof von Makeni in Sierra Leone, Bob John Hassan Koroma, hat deutsche Bischöfe dafür kritisiert, Missbrauchstäter nach Afrika abgeschoben zu haben.

«Bischöfe und Ordensobere in Deutschland und anderswo haben die von Gott gegebene Pflicht, ihre Priester zu kennen und die gesamte Herde zu schützen, nicht nur den Teil, der ihrer Obhut anvertraut ist», schrieb Koroma in einem Beitrag für die im deutschen Freiburg erscheinende Zeitschrift «Herder Korrespondenz». «Diese Pflicht wurde verletzt, wie zahlreiche Beweise nun offenlegen.»
Seit längerem wird der katholischen Kirche in Deutschland vorgeworfen, Priester, die Kinder sexuell missbraucht hatten, gezielt ins Ausland versetzt zu haben, etwa nach Afrika und Südamerika.
Nach unserer Einschätzung hatte dieses Verstecken in der Mission System«, sagte der Sprecher der Betroffeneninitiative Eckiger Tisch, Matthias Katsch, im vergangenen Jahr der Deutschen Presse-Agentur (dpa). «Es offenbart geradezu mafiöse Strukturen in der Kirche, wenn es darum ging, Täter vor den Konsequenzen ihrer Verbrechen zu schützen.» Auch aus dem Bereich der Ordenspriester seien «zahlreiche vergleichbare Fälle» bekannt.
Koroma sprach von «spirituellem Kolonialismus», der durch ein katastrophales Versagen der Aufsicht möglich geworden sei. Afrikanische Gemeinden seien als «Müllhalde» für eigene Probleme benutzt worden. Dieses Handeln sei besonders perfide, weil die Gemeinden oft finanziell von Europa abhängig seien.
«Wie kann eine lokale Gemeinschaft, die für ihre Schulen und Kliniken auf die finanzielle Unterstützung angewiesen ist, sich gegen den Vertreter dieser Grosszügigkeit aussprechen?» Das System habe so eine Machtdynamik geschaffen, die die Täter geschützt und die Betroffenen zum Schweigen gebracht habe.
Koroma forderte alle deutschen Bistümer auf, bei der Aufklärung der Verbrechen radikale Transparenz walten zu lassen und alles auf den Tisch zu legen. «Die Wahrheit darf nicht länger in den Aktenschränken Europas versteckt werden», mahnte er. Auch verlangte er mehr als eine «allgemeine Bekundung des Bedauerns», nämlich eine «konkrete und aussagekräftige Entschuldigung». Die einzelnen Bistümer und Orden, die Missbrauchstäter aus Deutschland versetzt hätten, müssten sich direkt und öffentlich bei den Betroffenen und den Ortskirchen entschuldigen.










