Belfast: Polizei setzt Wasserwerfer gegen rechtsextreme Krawallmacher ein

Simon Binz
Simon Binz

Grossbritannien,

Zum zweiten Mal in Folge erschüttern rassistische Krawalle in Belfast. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein – die Nacht verlief aber ruhiger als der Dienstag.

Belfast Nordirland
Die nordirische Polizei setzte am Mittwochabend die Wasserwerfer gegen die rechtsextremen Krawallmacher ein. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Auch am Mittwochabend ist es in Belfast wieder zu Ausschreitungen gekommen.
  • Die Polizei hielt eine Gruppe Rechtsextreme davon ab, ein Asyl-Hotel zu erreichen.
  • Die Beamten setzten Wasserwerfer ein – und wurden mit Gegenständen beworfen.

Rund 13 Kilometer nordwestlich von Belfast lieferten sich Vermummte in der zweiten Nacht in Folge gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Laut «BBC» rissen Dutzende schwarz gekleidete, maskierte Personen Einfahrten und Zäune umliegender Häuser auf, um sie als Wurfgeschosse zu benutzen.

Die Polizei rief Verkehrsteilnehmer und Passanten in der Vorstadt Newtownabbey auf, den Bereich zu meiden, da Gegenstände wie Ziegelsteine, Flaschen und Steine auf die Polizei geworfen worden seien.

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Auch ein Fahrzeug der Strasseninfrastrukturbehörde ging in Flammen auf, Müllcontainer wurden angezündet. Die Menge versuchte ausserdem, ein leerstehendes Gebäude in Brand zu setzen – offenbar mit dem Ziel, ein nahe gelegenes Hotel für Asylsuchende zu erreichen. Das berichtete ein Reporter des Senders.

Die Polizei setzte Wasserwerfer ein und verhinderte demnach, dass die Randalierer an die Unterkunft gelangten. Gemäss der «BBC» versammelten sich in Newtownabbey rund 200 Menschen. Menschenansammlungen gab es nach britischen Medienberichten wie am Tag zuvor auch ausserhalb der Hauptstadtregion.

27 Menschen sind nach Häuserbränden obdachlos

Insgesamt verlief die zweite Nacht ruhiger als Dienstag, als rassistische Krawalle die Stadt erschüttert hatten. Vermummte Gruppen hatten am Tag zuvor Fahrzeuge, darunter einen Bus, sowie Wohnhäuser in Brand gesetzt. Bewohner mussten geflüchtet werden – unter ihnen ein zwei Monate altes Baby.

27 Menschen wurden obdachlos, nachdem die vermummten Gruppen gezielt Häuser von Ausländern aufgesucht hatten, wie ein britischer Minister mitteilte. Die Polizei warnte, dass Social-Media-Nutzer, die Adressen von Ausländern online teilen, «Leben gefährden» und sich strafbar machen könnten.

Belfast
Insgesamt verlief die zweite Nacht ruhiger als Dienstag, als rassistische Krawalle die Stadt erschüttert hatten. Vermummte Gruppen hatten am Tag zuvor Fahrzeuge, darunter einen Bus, sowie Wohnhäuser in Brand gesetzt. - keystone

Premierminister Keir Starmer verurteilte die Gewalt scharf: «Die Akte der Gewalt und Brandstiftung, die folgten, sind absolut nicht zu rechtfertigen.» Das Stormont-Kabinett hielt eine Notfallsitzung ab und forderte zur Ruhe auf. Polizeichef Jon Boutcher appellierte an die Bevölkerung, sich nicht von Online-Stimmungsmache mitreissen zu lassen.

Messerangriff löste rechtsextreme Krawalle aus

Auslöser der Unruhen war ein Messerangriff vom Montag in Nordbelfast. Der 30-jährige Hadi Alodid, ursprünglich aus dem Sudan, wurde am Mittwoch wegen versuchten Mordes angeklagt.

Sein Opfer Stephen Ogilvie, Mitte 40, hat sein linkes Auge verloren und befindet sich laut Familienangaben in stabilem Zustand.

Die Familie rief ausdrücklich zu «friedlichem Protest als einzigem Weg nach vorne» auf und betonte, es gebe «viele Migranten, die einen wertvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten».

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