Amtliche Ergebnisse: Stichwahl über neuen Staatschef in Sofia nötig
Im EU- und Nato-Land Bulgarien soll das neue Staatsoberhaupt erst bei einer Stichwahl gewählt werden. Antreten werden am kommenden Sonntag die jetzige Präsidentin Ilijana Jotowa und ihr Herausforderer aus dem prowestlichen liberalkonservativen Oppositionslager, Andrej Gjurow.

Das geht aus den amtlichen Ergebnissen hervor, die von der Zentralen Wahlkommission (ZIK) nach Auszählung von 99,95 Prozent der Wahlprotokolle veröffentlicht wurden.
Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl vom Sonntag erreichte keine oder keiner der 27 Kandidatinnen und Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit, um gewählt zu werden. Amtsinhaberin Ilijana Jotowa kam den Angaben zufolge mit 34,7 Prozent der Stimmen auf Platz eins, gefolgt von Gjurow mit 31,9 Prozent. Der Rückstand des promovierten Ökonomen und Ex-Interimsregierungschefs hätte den vorangegangenen Vorwahlumfragen zufolge viel grösser ausfallen sollen.
Es ist noch offen, wie viele zusätzliche Stimmen Jotowa und Gjurow für die Stichwahl mobilisieren können. Wohin die Stimmen der Wähler ausgeschiedener Kandidaten bei der Stichwahl gehen werden, war am Tag nach der Wahl noch unklar. Für den Sieg bei einer Stichwahl braucht der Kandidat keine absolute Mehrheit mehr – er muss nur mehr Stimmen erhalten, als sein Rivale.
Ministerpräsident Rumen Radew, dessen allein regierende Mitte-Links-Partei Progressives Bulgarien (PB) Präsidentin Jotowa unterstützt, rief am Tag nach der Wahl die Bulgarinnen und Bulgaren dazu auf, Jotowa zu wählen. «Lasst uns für Ilijana Jotowa stimmen, damit Bulgarien in sicheren Hände ist» wurde Radew auf der offiziellen Webseite der Regierung zitiert.
Der Kriegsschauplatz in Bulgariens unmittelbarer Nähe verleiht der bevorstehenden Stichwahl eine wichtige aussenpolitische Dimension. Dabei werden die Wählerinnen und Wähler auch entscheiden, ob das südöstliche EU-Land an der Ostflanke der Nato stärker auf eine konsequent westliche Ausrichtung setzt, wie sie Gjurow erwarten lässt.
Die zweite Option wäre, dass Jotowa im Fall einer Wiederwahl die zurückhaltende aussenpolitische Linie der Regierung von Ministerpräsident Rumen Radew im Präsidialamt vertritt. Jotowa war Stellvertreterin von Ex-Präsident Radew vor dessen Rücktritt vom höchsten Staatsamt im Januar 2026.










