Zwischen Falten und Spitzen: TaDa bringt Kreative in die Ostschweiz
Während drei Monaten entwickeln Teilnehmende des Programms «TaDa» neue Projekte und arbeiten mit regionalen Textilunternehmen zusammen. Zu den aktuellen Residents gehören der niederländische Designer Jos Klarenbeek und die indische Textildesignerin Gauri Malhotra.

Orte von Kreativen sind manchmal nicht einfach zu finden. Das ist mit dem TaDa-Atelier nicht anders. «Ich hätte nach draussen kommen sollen», sagt Jos Klarenbeek dann zur Begrüssung, als das Atelier endlich aufgespürt ist. Ta-da!
Abgesehen davon, ist «TaDa» – ausgesprochen «Textile and Design Alliance» – ein Programm zur Kulturförderung, lanciert von den Ostschweizer Kantonen Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen und Thurgau. Mitglieder der Trägerschaft des seit 2026 als Verein organisierten TaDa sind die Ämter für Kultur mehrerer Kantone sowie des Fürstentums Liechtenstein.
Jedes Jahr erhalten sechs «Residents» aus dem In- und Ausland die Möglichkeit, drei Monate in Arbon ein Atelier zu nutzen und mit Textilunternehmen in der Ostschweiz zusammenzuarbeiten. Das Atelier liegt unweit des Schlosses in Arbon in einer umgenutzten Damengarderobe auf dem ehemaligen Saurer-Areal. Ein grosses Waschbecken steht immer noch mitten im Raum.
Die Textilindustrie hat in der Ostschweiz eine lange Tradition und war ein wichtiger Wirtschaftszweig. Noch im frühen 20. Jahrhundert waren «St. Galler Spitzen» ein wichtiges Exportgut – bis nach dem Ersten Weltkrieg, als die fehlende Nachfrage die Region in eine schwere Wirtschaftskrise stürzte. Heutzutage behaupteten sich Textilunternehmen in einem globalisierten Umfeld dank Qualität und Innovationsgeist, wie es auf der TaDa-Seite heisst.
In diese Richtung zielt die Zusammenarbeit: TaDa kommt für Unterkunft, Reisekosten und Werkmaterialien der Residents auf und unterhält das Atelier in Arbon. Die Residents werden durch Fachleute unterstützt und vor Ort betreut. Im Gegenzug wird die Entwicklung eines neuen Projekts, nach Möglichkeit in Kooperation mit einer ansässigen Textilfirma, und dessen Präsentation erwartet.
Der 38-jährige Jos Klarenbeek ist einer von drei aktuellen Residents, die im Moment in Arbon arbeiten. Er schloss Studien in Mathematik an der Universität Amsterdam sowie in Design an der Design Academy Eindhoven ab. Heute ist er als freischaffender Designer und Forscher tätig, der sich, laut TaDa «mit der Schnittstelle zwischen Mathematik, Wissenschaft und Design befasst». Seine Arbeit verbinde die Präzision der Mathematik mit einem ausgeprägten Fokus auf Materialien und Handwerk.
Was das konkret heisst, zeigen Klarenbeeks bisher im Atelier entstandene Arbeiten, die er unaufgeregt zur Hand nimmt, begutachtet, hin und her wendet. Zum Beispiel eine in Falten gelegte kurze Stoffbahn, die er im Nachhinein an den Kanten blau und schlammfarben einfärbte. Die Farbgebung seiner Arbeiten sei normalerweise vom Kontext und dem Ort abhängig. Hier sei er von der Kunstgiesserei im Sittertobel in St. Gallen inspiriert worden.
Das Stück erinnert an einen Fächer. Oder an eine Store? Je nachdem, wie Klarenbeek den Stoff hält, nimmt er eine andere Allüre an: Scheint das Licht durch, erscheint er zart und filigran, liegt er auf dem Tisch, handfest. Die Falten bügelte Klarenbeek. «So erhalte ich eine zusätzliche Dimension», sagt er und fügt schalkhaft hinzu: «Nicht 3D, sondern in etwa zweieinhalb D.»
Nun zeigt der Resident Webarbeiten, inspiriert von alten Webtechniken. Gemeinsam ist den Stücken Repetition, etwas Serielles. Zurück am Arbeitsplatz bügelt Klarenbeek konzentriert weitere Falten in seine Stoffe. Ist er ein geduldiger Mensch? «Es kommt darauf an», sagt er. «Bei der Arbeit mit Stoffen muss man aber halt einfach demütig sein.»
Was er an der «Spinnerei», einer Werkschau, die am Ende der «Residency Periode» am 25. Juni in der Kunst Halle in St. Gallen stattfindet, zeigen will, weiss Klarenbeek noch nicht genau. «Vielleicht Arbeiten, die Teil einer Innendekoration sein könnten», überlegt er. «Das ist aber noch nicht sicher. Man kommt mit Ideen, aber die ändern sich oft noch wegen der Möglichkeiten in den Unternehmen», sagt er. Überhaupt seien die Betriebe den Arbeiten der Residents gegenüber sehr offen.
Dann kommt Gauri Malhotra dazu. Die indische Textildesignerin ist ebenfalls Resident von TaDa. Malhotra studierte in Indien Textilkunst an der Srishti School of Art, Design and Technology in Bangalore. Später spezialisierte sie sich in Dänemark und Japan auf Textil- und Stoffinnovationsdesign. Die 35-Jährige entwickelte Stickereien in Indien und entwarf Jacquardstoffe in Italien, beides für den Luxussektor der Modebranche. Heute lebt und arbeitet sie in Mailand.
Malhotra erforscht gemäss Webseite «ausgehend von Handwerkskunst und experimentellem Schaffen Stickerei, Weberei und Druckgrafik als Mittel, um Identität und Tradition zu hinterfragen». Die Künstlerin sagt aber auch: «Ich wollte mein Tempo verringern und den Kopf durchlüften.» In Arbon könne sie intuitiv arbeiten, das sei sehr schön und nicht selbstverständlich. Programme wie TaDa gebe es nicht viele. «Der Aufenthalt hilft mir, meinen Weg, einen nachhaltigeren Weg, zu finden.»
An diesem Nachmittag gibt es eine Planänderung. Gauri Malhotra möchte einige ihrer Arbeiten – sie hat Vorlagen alter Spitzen auf Stoff drucken lassen – mit Folie überziehen. Dazu bietet sich unvorhergesehen gleich Gelegenheit bei einer Firma in Thal. Die will sie nutzen. So bricht sie spontan auf, um ihre Stoffe abzuholen, und zwar in der Textildruckerei Arbon, einer der Firmen, die bei TaDa dabei sind und in denen die Residents arbeiten können.
In der Druckerei flitzt Gauri Malhotra umher, zeigt noch kurz die Stoffe und erklärt ihr Vorhaben. «Ich habe in der Zeit in Arbon wieder auftanken können», sagt sie zum Abschied. «Jetzt bin ich wieder voller Energie.»






