Wie El Salvador: Costa Rica eröffnet Mega-Knast
Costa Rica eröffnet ein Mega-Knast nach dem Vorbild von El Salvador. Es gibt laute Kritik, es sei die falsche Lösung für das Problem.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Kampf gegen die zunehmende Kriminalität eröffnet Costa Rica ein Mega-Gefängnis.
- Inspirieren liess sich das Land von El Salvador und dem umstrittenen Präsidenten Bukele.
- Kritik gibt es an der zu geringen Grösse des «Mega-Knasts» und den Bedingungen.
Lange Zeit galt Costa Rica sicherstes Land in Lateinamerika. Doch in den letzten Jahren stiegen die Mordraten stark an. Die neue Präsidentin Laura Fernandez kündigte deswegen einen «Krieg» gegen Gangs an.
Am Mittwoch wurde nun ein neues Mega-Gefängnis mit 5100 Plätzen eröffnet. Noch diesen Monat sollen die ersten Häftlinge hierhin verlegt werden. Inspirieren liess sich Costa Rica von El Salvador. Doch wie auch dort gibt es bereits Kritik.
2023 verzeichnete Costa Rica 905 Morde – einen neuen Rekord. Seither ist die Zahl nur leicht gesunken. Laut den Behörden sind Kämpfe zwischen rivalisierenden Gangs, die um Schmuggelrouten kämpften, die Ursache.
Die Regierung beschuldigt auch die Justiz, Kriminelle zu wenig harsch zu bestrafen. Richter und Staatsanwälte warnen hingegen vor Druck auf demokratische und Freiheitsrechte.
Bei der Eröffnung des neuen Gefängnisses sagte Präsidentin Fernandez: «Es wird die Kriminellen dazu zwingen, sich einem neuen Modell zu stellen. Einem Modell der harten Strafverfolgung.»

Inspirieren liess sie sich von Nayib Bukele, dem Präsidenten von El Salvador. Er rief im März 2022 den Ausnahmezustand aus und begann, Zehntausende Menschen zu inhaftieren.
Ihnen allen wird vorgeworfen, Mitglieder in Gangs zu sein. In Massen-Verurteilungen wurden sie zu langen Haftstrafen verdonnert. Dadurch sank die Mordrate innert kurzer Zeit auf ein sehr tiefes Niveau.
Volk liebt Bukele, Menschenrechtler kritisieren ihn
Bukele wurde dadurch sehr beliebt. Er schien das in vielen lateinamerikanischen Staaten grosse Problem der Unsicherheit und Gewalt gelöst zu haben.
Menschenrechtsorganisationen hingegen kritisieren, dass auch Unschuldige festgenommen wurden. Die Behandlung der Häftlinge wurde ebenfalls angeprangert. Und El Salvador entwickelte sich in der Zeit auch immer mehr zu einem autoritären Staat.
Dennoch liess sich Fernandez von ihm inspirieren. El Salvador half sogar bei der Planung des Mega-Gefängnisses in Costa Rica.
Ex-Justizminister: El Salvadors Lösung passt nicht für unser Problem
Doch dafür gibt es Kritik, beispielsweise von Marco Feoli, einem ehemaligen Justizminister des Landes. Gegenüber «El Pais» kritisiert er die Eröffnung des Gefängnisses als «inszenierte Show». Die Haftanstalt werde das Problem nicht lösen.
Bereits heute hat Costa Rica eine der weltweit höchsten Inhaftierungsraten, viele Gefängnisse sind überbelegt. Die 5100 neuen Plätze könnten nicht einmal die Überbelegung beheben.
Feoli kritisiert auch, dass die Lösung von El Salvador nicht auf das Problem in Costa Rica angewendet werden könne. Während in El Salvador die Gangs die Bevölkerung terrorisierten, bekämpfen sie sich in Costa Rica hauptsächlich gegenseitig.
Organisation will Verlegungen verhindern
Noch im Oktober sollen erste Häftlinge in das neue Gefängnis verlegt werden. Eine Organisation, die sich für die Rechte Inhaftierter einsetzt, will das verhindern.
Sie hat beim obersten Gericht des Landes eine Beschwerde eingereicht. Es solle die geplanten Verlegungen stoppen.

Die Organisation befürchtet, dass das Gefängnis zu wenig Wärter und medizinisches Personal habe. Zudem soll es in den Zellen bis zu 40 Grad heiss werden. Auch wird die fehlende Privatsphäre in Duschen und Toiletten bemängelt.
Geld richtig investiert?
Auch Claudia Robles, eine Abgeordnete der oppositionellen Mitte-Links-Partei Agenda Ciudadana, kritisiert das neue Gefängnis. Die umgerechnet rund 30 Millionen Franken hätten nicht in ein Gefängnis mit sanitären Mängeln investiert werden sollen.
Das Geld hätte besser für Prävention, Bildung und Infrastruktur ausgegeben werden sollen, sagt sie.
















