Regierung

    Türkische Architekten attestieren Regierung Mitschuld an Katastrophe

    Keystone-SDA
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    Türkei,

    Das verheerende Erdbeben in der Türkei forderte Tausende Todesopfer. Architekten geben der Regierung eine Mitschuld am Ausmass der Katastrophe.

    PRODUKTION - Ein Mann sitzt neben seinem eingestürzten Haus, während ein Suchteam unter den Trümmern im Epizentrum des Erdbebens nach Menschen sucht. Foto: Ahmed Deeb/dpa
    PRODUKTION - Ein Mann sitzt neben seinem eingestürzten Haus, während ein Suchteam unter den Trümmern im Epizentrum des Erdbebens nach Menschen sucht. Foto: Ahmed Deeb/dpa - sda - Keystone/dpa/Ahmed Deeb

    Das Wichtigste in Kürze

    • Türkische Architekten machen die Regierung teils für die Katastrophe verantwortlich.
    • Tausende ungenehmigte Bauten seien nachträglich legalisiert worden.
    • Somit habe die Regierung etliche Menschenleben aufs Spiel gesetzt.

    Die türkische Architektenkammer TMMOB hat der Regierung grosse Mitschuld am Ausmass der Erdbebenkatastrophe mit mehr als 43'000 Toten allein in der Türkei attestiert. Durch die nachträgliche Legalisierung Tausender ungenehmigter Bauten habe die Regierung das Leben etlicher Menschen aufs Spiel gesetzt, hiess es in einem Bericht der Kammer vom Donnerstag.

    Knapp die Hälfte der Gebäude in der vom Erdbeben betroffenen Region sei nach 2001 gebaut worden – einer Zeit, in der bereits scharfe Bauvorschriften zur Erdbebensicherheit in Kraft waren.

    164'000 Gebäude zerstört

    Trotzdem sei auch die Hälfte der eingestürzten oder stark beschädigten Gebäude aus dieser Zeit. Die Bauaufsicht sei auf die Privatwirtschaft übertragen worden, womit der Staat seine Verantwortung für die Allgemeinheit vernachlässigt habe.

    Mit Blick auf das Versprechen der Regierung, innerhalb eines Jahres die betroffenen Regionen wieder aufzubauen, mahnte die Kammer, der Wiederaufbau dürfe nicht unter den gleichen Prämissen betrieben werden. Der Regierung zufolge sind bisher 164'000 Gebäude als eingestürzt oder stark beschädigt registriert. Daten der vergangen Jahre zeigten aber, dass die staatliche Wohnungsbaubehörde Toki im Jahr nur rund 58'500 Häuser bauen könne, so die Architektenkammer.

    erdbeben
    Erdbebenschäden in der Türkei. - AFP

    Der Bericht kritisierte zudem erneut, dass an viele Orte über Tage keine Hilfe gelangt sei. In Städten der Provinz Hatay etwa hätten Regierung und Katastrophendienst erst am vierten Tag begonnen, aktiv Hilfe zu leisten. In der Stadt Malatya etwa sei der Katastrophendienst zwar vom ersten Tag an aktiv gewesen, aufgrund mangelnder Koordination und Organisation jedoch nicht effektiv.

    Kompetenzchaos nach Erdbeben

    Die Krisenreaktion habe offengelegt, dass der Staat massiv unvorbereitet gewesen sei. Von der Regierung eingesetzte Gouverneure hätten zudem für Kompetenzchaos gesorgt und Entscheidungen verlangsamt.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Regierungsvertreter hatten derartige Kritik von sich gewiesen. Erdogan hatte eingestanden, dass es in den ersten Tagen Probleme gegeben habe. Engpässe bei der Versorgung der Krisenregionen etwa hatte die Regierung unter anderem mit der Grösse des betroffenen Gebietes und der Schwere der Katastrophe begründet.

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