Rumänien verdoppelt Abschussquote für Bären trotz Kritik

    Keystone-SDA
    Keystone-SDA

    Rumänien,

    Angesichts zahlreicher Angriffe von Bären auf Menschen hat Rumänien die Abschussquote der wilden Tiere verdoppelt – trotz Protesten von Tierschützern und trotz Widerstands des Staatspräsidenten Nicusor Dan.

    Bär
    Weil sie Menschen angreifen: Die zahl der in Rumänien abgeschossenen Bären hat sich verdoppelt. - keystone

    Der Staatschef unterzeichnete nun ein bereits im September beschlossenes Gesetz, dem zufolge in diesem Jahr fast 1.000 Bären abgeschossen werden dürfen.

    Davor hatte Dan den entsprechenden Entwurf erfolglos beim Verfassungsgericht angefochten. Das Gericht wies Dans Beanstandung zurück, der zufolge das Projekt EU-Recht verletze. Daraufhin schickte der Präsident das Projekt dem Parlament zur Neuberatung zurück, jedoch blieb die Volksvertretung bei ihrem früheren Beschluss.

    Neben anderen Tierschützern kritisierte auch die Welttierschutzgesellschaft in Berlin die Verdopplung der Abschussquoten. Sie startete eine Petition an die EU-Kommission, in der verlangt wird, dass Brüssel «sowohl die wissenschaftliche Grundlage, die die rumänische Regierung als Argumentation für die Abschussquote heranzieht, als auch die Rechtmässigkeit des neuen Gesetzes sorgfältig überprüft».

    Dem neuen Gesetz zufolge dürfen in diesem Jahr 859 Bären vorsichtshalber abgeschossen werden und weitere 110, falls diese nachweislich Menschen gefährdet haben. In Gebieten Rumäniens, in denen das Jagen generell verboten ist, bleibt auch der Abschuss von Bären untersagt. Im Jahr 2024 hatte die Zahl der präventiven Abschüsse 426 betragen, die der Eingriffe nach Gefährdung von Menschen 55.

    In Rumänien leben nach Schätzung des Umweltministeriums etwa 12.800 Bären – mehr als doppelt so viele wie die Anzahl, die als ökologisch vertretbar gilt. Rumänien hat demnach die zweitgrösste Bärenpopulation in Europa, nach Russland.

    Erst vor vier Tagen wurde im siebenbürgischen Dorf Hoghiz – nahe der Stadt Brasov – ein 55 Jahre alter Bauer während seiner Arbeit auf einem Maisfeld von einem Bären getötet, wie rumänische Medien berichteten. Seine ebenfalls am Angriffsort anwesende Ehefrau konnte sich im letzten Moment retten. Immer wieder greifen Bären in Rumänien Wanderer an, dringen in Bauernhöfe ein, reissen Schafe und nähern sich Städten, wo sie in Mülltonnen Futter suchen.

    Die Behörden beklagen zudem, dass viele Touristen trotz offiziellen Verbots die Bären füttern und dadurch deren Annäherung an Menschen fördern. Im Sommer 2025 tötete eine Bärin einen italienischen Touristen auf der Karpaten-Passstrasse Transfagarasan, Minuten nachdem dieser das Tier gefüttert hatte.

    Einzelne Kommunen versuchen, die Bären zu verscheuchen, indem sie elektrisch geladene Zäune bauen, Mülltonnen verschliessen und Obstbäume beseitigen, die die Tiere anziehen würden. Als Vorbild gilt dabei der Karpaten-Kurort Baile Tusnad. Dennoch sah sich vergangenen Sommer ein ungarischer Journalist beim Joggen nahe Tusnad mit einem wütenden Bären konfrontiert. Er verscheuchte das Tier, indem er mit seinem Smartphone nach ihm warf.

    Weiterlesen

    gg
    100 Interaktionen
    Welt-Neuheit
    Schnee
    4 Interaktionen
    Erster Schnee

    MEHR IN NEWS

    Man muss die Eltern kritisieren, nicht die Kinder!
    313 Interaktionen
    Schweigepfad-Lärm
    Maienfeld GR
    Maienfeld GR
    Rowan Atkinson
    2 Interaktionen
    London

    MEHR AUS RUMäNIEN

    2 Interaktionen
    Bukarest
    Rumänien Stichwahl
    4 Interaktionen
    Bukarest
    Rumänien
    3 Interaktionen
    Bukarest